Nordkorea Aktuell

Korea: Stand am Donnerstag

Nordkoreas erzielt Fortschritte bei Raketen und Atomwaffen

2017-09-21
Nordkoreas erzielt Fortschritte bei Raketen und Atomwaffen

Nordkorea hat Mitte dieses Monats erneut eine Mittelstreckenrakete des Typs Hwasong-12 von Pjöngjang aus über japanisches Territorium in den Pazifik geschossen. Der Test erfolgte nur wenige Tage nachdem der UN-Sicherheitsrat wegen des nordkoreanischen Atomtests vom 3. September die Sanktionen gegen Pjöngjang verschärft hatte. Die Rakete flog 3700 Kilometer weit. Nordkorea demonstrierte damit, dass die Rakete auch die US-Pazifikinsel Guam erreichen kann, die etwa 3400 Kilometer von Pjöngjang entfernt ist. Zum Thema sagt der Forscher Yang Wook vom koreanischen Verteidigungs- und Sicherheitsforum:

Nordkorea hat Raketen auf drei unterschiedlichen Wegen getestet. Die Anfangsstufe umfasste die Zündung und die Abtrennung. Auf der nächsten Stufe wurden die Raketen von einem steilen Abschusswinkel aus gestartet, so dass zwar ihre Leistungsfähigkeit getestet wurde, aber keine fremden Hoheitsgewässer verletzt wurden. Auf der letzten Stufe sollte getestet werden, ob sie für den Kriegsfall aufgestellt werden können. Bei den Tests einer Hwasong-12 am 29. August und am 15. September ging es um die letzte Stufe. Zudem wollte Nordkorea noch eine andere Funktion demonstrieren. Anders als früher, als die Raketen von temporären Startrampen abgefeuert wurden, wurde beim jüngsten Test direkt ein Raketenfahrzeug benutzt, um die Kriegsführungskapazität zu zeigen.

Einen Tag nach dem jüngsten Test wurde Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un von den Staatsmedien mit den Worten zitiert, dass die Angriffsfähigkeit der Hwasong-12 unter Beweis gestellt worden sei. Nordkorea hatte im vergangenen Jahr achtmal eine Musudan-Mittelstreckenrakete mit dem Ziel getestet, dass sie Guam erreicht. Von den Tests galt aber nur einer als halbwegs erfolgreich. Die Hwasong-12 könnte also die Musudan-Rakete ersetzen:

Die Hwasong-12-Rakete wurde im April des vergangenen Jahres bekannt, als sie erstmals getestet wurde. Beim nächsten Test am 14. Mai flog diese Rakete 787 Kilometer weit, bei einer maximalen Flughöhe von 2111 Kilometern. Da sie von einem steilen Winkel abgeschossen wurde, könnte sie bei einem normalen Abschusswinkel 4000 bis 5000 Kilometer weit fliegen. Bis dahin galt die Musudan mit einer Reichweite von bis zu 3500 Kilometern als einzige Mittelstreckenrakete Nordkoreas. Mit der Hwasong-12 scheint Nordkorea Angriffskapazitäten für eine längere Distanz entwickelt zu haben.

Nordkorea hatte am 18. März dieses Jahres in der Provinz Nord-Pyongan einen neuen Raketenantrieb getestet und hinterher behauptet, damit große Fortschritte in seiner Raketen- und Nuklear-Entwicklung erzielt zu haben:

Der Erfolg des Hwasong-12 hängt vom Triebwerk ab. Früher verfügte Nordkorea noch nicht über einen leistungsstarken Motor. Im März des vergangenen Jahres präsentierte Nordkorea nach eigenen Angaben einen Raketenmotor mit hoher Schubkraft. Doch wurden die Triebwerke noch von zwei Musudan-Raketen zusammengeführt. Im September zeigte Nordkorea dann einen neuen Raketenantrieb. Und am 18. März dieses Jahres demonstrierte es, wie das Haupttriebwerk und die Hilfsmotoren verbunden werden, um einen Motor mit hoher Schubkraft zu erhalten. Das neue Triebwerk ist wichtig, was die Angriffsfähigkeit für lange Entfernungen betrifft. Es scheint von von einem Motor des Typs RD-250 abgeleitet zu sein, der in der Ukraine hergestellt wird. Es wird angenommen, dass die Technologie nach Nordkorea geschmuggelt wurde.

Kim Jong-un erklärte nach dem jüngsten Test einer Hwasong-12, dass Nordkorea die Stufe der nuklearen Bewaffnung fast erreicht habe. Pjöngjang droht offen damit, dass seine Raketen die USA treffen könnten. Auf der nächsten Stufe könnte Nordkorea eine Hwasong-14- Interkontinentalrakete testen:

Ich denke, Nordkorea hat die Entwicklung der Hwasong-14 fast abgeschlossen. Am 4. und 28. Juli hatte es die Leistung der Rakete getestet und sie dabei von einem steilen Winkel aus abgeschossen. Was bleibt, ist ein Test für den potenziellen Kriegseinsatz. Dieser könnte Mitte Oktober erfolgen, und Nordkorea könnte danach erklären, dass die Rakete jetzt einsatzbereit ist. Das wäre der Abschluss der Raketenentwicklung. Das bedeutet nicht, dass die nukleare Bewaffnung ans Ende gekommen ist. Dazu ist auch nötig, die Militäreinheiten und das Kontrollsystem umzustrukturieren.

Unter Kim Jong-un hat das Land seine Raketenentwicklung beschleunigt. Mehr Raketen wurden getestet als unter Kims Vorgängern:

Nordkorea hat seit dem Erscheinen seiner Scud-Raketen 1984 unter der Herrschaft Kim Il-sungs etwa 110 ballistische Raketen gestartet. Allein unter Kim Jong-un wurden 80 Raketentests unternommen. Damit sollte ihre Leistungsfähigkeit verbessert werden. Nordkorea hat regelmäßig Atom- und Raketenversuche durchgeführt, um eine Menge technischer Daten zu sammeln.

Der UN-Sicherheitsrat verurteilte den jüngsten Test einer Hwasong-12 und rief die Mitglieder der Vereinten Nationen auf, die Sanktionen gegen Nordkorea umzusetzen. Chinas Außenministerium kritisierte Nordkorea dafür, gegen bestehende UN-Resolutionen verstoßen zu haben. Die Präsidenten Südkoreas und der USA, Moon Jae-in und Donald Trump, einigten sich bei einem Telefonat darauf, den Druck auf Pjöngjang erhöhen zu wollen:

Wir müssen sehen, was Nordkorea vorhat. Sein Ziel ist es, eine einsatzbereite Interkontinentalrakete aufzustellen und als Atommacht anerkannt zu werden. Um das zu erreichen, wird es weitere Raketentests unternehmen. Davor wird es jeden Aufruf zum Dialog ignorieren. Auf der Grundlage seiner Nuklearkapazitäten wird Nordkorea versuchen, die internationalen Sanktionen zu beseitigen. Um das System zu erhalten, wird es schwierig für das Land sein, sein Atom- und Raketenprogramm abzuschaffen.

Die internationale Staatengemeinschaft ist zunehmend besorgt, dass es Nordkorea von seinen Rüstungsplänen nicht abhalten kann.

Aktuelle Nachrichten