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Das innerkoreanische Fußbalmatch in Pjöngjang

2019-10-17

© KFA

Süd- und Nordkorea haben sich am Dienstag in der zweiten Runde der Asien-Qualifikation zur Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar 0:0 getrennt. Das Spiel fand vor leeren Rängen im Kim-Il-Sung-Stadion in Pjöngjang statt. Nordkorea ließ zudem weder eine Live-Übertragung durch südkoreanische Fernsehsender noch den Besuch von Fans oder Journalisten aus dem Süden zu. Zum Thema sagt Chung Dae-jin vom Vereinigungsinstitut an der Ajou-Universität:  


Es wäre besser gewesen, wenn Süd- und Nordkorea ein Freundschaftsspiel ausgetragen hätten. Doch beide Seiten bieten derzeit nicht die Voraussetzungen dafür, da die Beziehungen ins Stocken geraten sind. Südkorea hatte sich lange besorgt gezeigt, ob das WM-Qualifikationsspiel in Pjönjgang stattfindet, da Nordkorea sich zu lange dazu nicht geäußert hatte. Es war das erste Herren-Fußball-Länderspiel zwischen beiden Ländern in Pjöngjang seit 29 Jahren. Im Oktober 1990 fand im Stadion zum 1. Mai ein Freundschaftsmatch statt. 


Nordkorea hatte den Asiatischen Fußballverband (AFC) am 2. August darüber informiert, dass es das Qualifikationsspiel in Pjöngjang abhalten werde. Doch bis zum 24. September gab es noch keine Klarheit über das genaue Spieldatum. Selbst danach zeigte sich Nordkorea wenig kooperativ:


Es war ein sehr ungewöhnliches Spiel. Nordkorea musste zwar das Qualifikationsmatch austragen, doch schien das Land beunruhigt, dass es ein innerkoreanisches Spiel ist. Auch scheint es, dass die südkoreanischen Sportler und Funktionäre bei der Einreise nach Nordkorea wegen der UN-Sanktionen gegen den Norden strengen Einschränkungen unterlagen. Es war ihnen zum Beispiel nicht erlaubt, ihre Handys mitzubringen. Es scheint, als ob es angesichts der Sanktionen schwierig ist, selbst den Sportaustausch mit Nordkorea zu fördern. 


Das südkoreanische Nationalteam flog am Montag von Peking aus ohne Begleitung von Journalisten oder Fans nach Pjöngjang. Die Anfragen des südkoreanischen Fußballverbands (KFA) wegen der Unterstützung für Besucher und TV-Crews blieben unbeantwortet. Nordkorea ließ selbst keine einheimischen Zuschauer zu: 


Nordkorea weigerte sich, einen Dialog mit dem Süden aufzunehmen, und ließ den südkoreanischen Präsidenten Moon Jae-in wissen, dass er sich nicht wie ein “übereifriger Vermittler” verhalten sollte. In dieser Situation mag es für die nordkoreanische Regierung schwierig gewesen sein, den Besuch des südikoreanischen Fußballteams für das WM-Qualifikationsspiel zu erklären. Nordkorea entschied, keine Zuschauer zuzulassen. Ein Fußball-Länderspiel ohne Fans ist sehr bizarr. 


Nordkorea hatte anfangs angedeutet, dass 40.000 Zuschauer das Stadion füllen würden. Auch gab es Diskussionen über die TV-Übertragung, doch letztlich wurde die Live-Übertragung abgesagt. Südkoreas Verband erhielt die Informationen über das Match über den AFC, der Vertreter in Pjöngjang hatte. Vor der Rückkehr der südkoreanischen Mannschaft händigte Nordkorea eine DVD mit der Aufzeichnung des Spiels aus:


Nordkorea scheint den Dialog mit Südkorea vermeiden zu wollen, bis seine Verhandlungen mit den USA vorwärtskommen. Südkorea hatte sich bemüht, zwischen Nordkorea und den USA zu vermitteln. Doch nach dem zweiten Gipfeltreffen zwischen Nordkorea und den USA im Februar in Hanoi erklärte Pjöngjang, dass es keinen Sinn mehr sieht in der Vermittlerrolle Seouls. 


Noch im vergangenen Jahr näherten sich beide koreanischen Staaten an, und Nordkorea nahm an den Olympischen Winterspielen 2018 in Pyeongchang teil. Beide Seiten stellten sogar ein gemeinsames Eishockeyteam der Frauen, und Nordkorea schickte hochrangige Delegationen. Doch seit dem gescheiterten Gipfelgesprächen zwischen Nordkorea und den USA in Hanoi über das nordkoreanische Atomwaffenprogramm stockt auch die Annäherung zwischen Pjöngjang und Seoul:


Kim Jong-un steht unter Zeitdruck. In seiner Ansprache vor der Obersten Volksversammlung im April sagte er, dass Nordkorea einen neuen Weg gehen werde, wenn die USA bis zum Ende des Jahres nicht mit einer neuen Kalkulationsmethode an den Verhandlungstisch zurückkehren. Mit der Nähe der Frist steht der nordkoreanische Machthaber an einem Scheideweg. Vor diesem Hintergrund sollte Seoul sich darauf vorbereiten, mit Pjöngjang  ins Gespräch zu kommen, besonders im wirtschaftlichen Bereich. Süd- und Nordkorea werden im Februar das Rückspiel für die WM-Qualifikation in Seoul austragen. Das Spiel könnte den bilateralen Beziehungen neuen Schwung geben. 


Während die Atomgespräche zwischen Nordkorea und den USA keine Fortschritte machen und der innerkoreanische Dialog brach liegt, wäre der private Austausch sehr wichtig. Nordkorea lud Südkorea zur Teilnahme an den Asiatischen Jugend- und Junior-Meisterschaften im Gewichtheben ein, die am 20. Oktober in Pjöngjang beginnen sollen. Südkorea hofft daher, dass beide Seiten den Sportaustausch voranbringen können. 

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