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Nordkorea feuert Rakete über Japan hinweg

2017-08-31
Nordkorea feuert Rakete über Japan hinweg

Nordkorea hat am frühen Dienstagmorgen eine ballistische Rakete vom Bezirk Sunan in Pjöngjang aus abgefeuert. Die Rakete flog über Japan hinweg und stürzte 1180 Kilometer östlich der Insel Hokkaido in den Pazifischen Ozean. Drei Tage zuvor hatte Nordkorea Kurzstreckenraketen von der Ostküste in Richtung offenes Meer geschossen. Zum Thema sagt der Experte Kim Dong-yeop vom Institut für Fernost-Studien an der Kyungnam-Universität:

Nordkorea hatte Anfang dieses Monats von einem möglichen Angriff auf Guam gesprochen und damit die Spannungen angeheizt. Der jüngste Raketenstart wird in Verbindung mit der Drohung gesehen, Raketen in Richtung Guam abzufeuern. Indem es eine Rakete über Japan hinwegfliegen ließ, wollte Nordkorea demonstrieren, dass es die US-Insel Guam erreichen kann. Pjöngjang ist für seine sogenannte Salami-Taktik bekannt, bei der es auf jeder Stufe Forderungen stellt. Der Raketenstart ist Teil dieser Taktik – eine schrittweise Vorbereitung für einen möglichen Raketenangriff auf Guam.

Nach Angaben Südkoreas erreichte die Rakete eine Höhe von 550 Kilometern und flog 2700 Kilometer weit. Die japanische Regierung rief die Menschen auf Hokkaido auf, sich in Sicherheit zu bringen. Es ist ungewöhnlich für Nordkorea, eine Rakete zu militärischen Zwecken ohne Vorwarnung über Japan hinweg zu schießen:

Experten sagen, dass Nordkorea Guam nicht mit Raketen angreifen wird, weil das eine Militäraktion der USA provozieren würde. Das wäre also Selbstmord für Nordkorea. Doch Nordkorea wollte vermutlich zeigen, dass die Rakete, die es früher gestartet hatte und im Ostmeer gelandet war, über Japan fliegen kann und dass es keinen Ärger mit der internationalen Gemeinschaft haben will. Mit dem Raketentest am Dienstag wollte Nordkorea also zeigen, dass es Guam erreichen kann, ohne wirklich eine Rakete in dessen Richtung zu schicken.

Experten gehen davon aus, dass die Rakete im Gegensatz zu den Tests mit nordkoreanischen Interkontinentalraketen im Juli, die keine fremden Hoheitsgewässer treffen sollten, von einem normalen Abschusswinkel abgefeuert wurde:

Nordkorea startet seine Raketen normalerweise von einem steilen Winkel, damit sie nicht über Japan fliegen. Der jüngste Test erfüllte eher einen politischen als technischen Zweck, weil gezeigt werden sollte, dass die Rakete 2000 bis 3000 Kilometer weit fliegen kann.

Nordkorea hat zuletzt Raketen von verschiedenen Standorten gestartet, darunter Wonsan an der Ostküste. Das Land zeigt damit, dass es seine mobilen Raketenstartrampen an jeden Ort bewegen kann, ohne von den Aufklärungssystemen der USA und Südkoreas entdeckt zu werden:

Nordkorea hat normalerweise Raketen an Orten abgefeuert, die sich nahe an Lagern für ballistische Raketen oder militärischen Einrichtungen an der Küste befinden. Doch diesmal startete die Rakete unerwartet im Bezirk Sunan in Pjöngjang, vermutlich, um die anderen Länder zu überraschen. Ein Raketenstart in Stadtnähe könnte Schäden unter Zivilisten anrichten, doch scheint Nordkorea zuversichtlich wegen des Tests gewesen zu sein. Es hat Raketen von unterschiedlichen Orten mit der Absicht abgefeuert, südkoreanische Aufklärungssysteme zu verwirren und zu zeigen, dass es Raketen von einer mobilen Startrampe jederzeit abfeuern kann.

Der staatliche Sender China Central Television kommentierte, Nordkorea habe den Raketenstart als Protest gegen das laufende Militärmanöver Ulchi Freedom Guardian der USA mit Südkorea durchgeführt. Die Sprecherin des chinesischen Außenministeriums kritisierte Nordkoreas Verhalten als Verletzung von UN-Resolutionen. Nicht Drohungen, sondern eine friedliche Lösung sei im Umgang mit Nordkorea nötig, sagte sie. Südkorea, Japan und die USA deuteten indes an, den Druck auf Pjöngjang erhöhen zu wollen:

China hat den Test von Kurzstreckenraketen durch Nordkorea am 26. August in einem positiven Licht gesehen. Pjöngjang habe das Tempo seiner Provokationen angesichts der weltweiten Kritik verringert. Doch Experten sagen, dass diese Sicht falsch ist, da Nordkorea nur drei Tage nach dem Test eine weitere Rakete gestartet hat. China sollte Pjöngjang dafür zur Verantwortung ziehen. Doch China will die Schuld nicht auf Nordkorea schieben, sondern ruft die USA auf, eine vorausschauende Haltung einzunehmen.

Die internationale Gemeinschaft schaut auf den nächsten Schritt Nordkoreas. Das Land könnte den Staatsgründungstag am 9. September oder den Jahrestag der Gründung der Arbeiterpartei am 10. Oktober zum Anlass nehmen, neue Provokationen zu unternehmen:

Ich bin mir sicher, dass Nordkorea weitere Provokationen unternimmt. Durch den jüngsten Raketenstart machte es deutlich, dass es sich durch die USA nicht beeinflussen lässt. Nordkorea könnte eine Rakete starten, die 3300 Kilometer fliegt, und die zwar nicht in Richtung Guam, aber in eine andere Richtung fliegt, um zu zeigen, dass sie Guam erreichen kann. Durch seine Provokationen will Nordkorea die Konfrontation mit den USA anheizen. Der Ball liegt jetzt bei den USA. Ein Dialog wird wohl so schnell nicht erfolgen. Auf der anderen Seite könnte Südkorea mehr Spielraum haben, um eine bestimmte Rolle in dem Konflikt mit Nordkorea zu spielen.

Südkoreas Präsident Moon Jae-in betonte nach dem jüngsten Raketentest durch Nordkorea, an seiner Politik festhalten zu wollen, die sowohl Druck als auch einen Dialog mit Pjöngjang vorsieht.

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