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Nordkorea unternimmt weiteren Atomtest

2017-09-07
Nordkorea unternimmt weiteren Atomtest

Trotz Verboten der UN hat Nordkorea am vergangenen Sonntag seinen sechsten Atomtest unternommen. Der Test im Landkreis Kilju im Nordosten des Landes erfolgte nur fünf Tage, nachdem Nordkorea ohne Vorwarnung eine Mittelstreckenrakete über Japan hinweg in den Pazifik geschossen hatte. Nordkoreas Ziel ist es, als Atommacht anerkannt zu werden. Zum Thema sagt Kim Dong-yeop vom Institut für Fernost-Studien an Kyungnam-Universität:

Mit dem Nukleartest will Nordkorea demonstrieren, dass seine Atomstreitmacht auf dem Höhepunkt ist und die Nukleartechnologie vor der Vollendung steht. Mit der vorläufigen Anerkennung als Atommacht ist es Pjöngjangs Ziel, mit den USA über verschiedene Fragen zu diskutieren, einschließlich der Aufhebung von Sanktionen.

Experten vermuten, Nordkorea nehme Pakistan als Vorbild. Pakistan hat 1998 sechs Atomtests durchgeführt. Damals war das Land strengen Sanktionen der USA unterworfen, darunter ein Verbot für den Waffenkauf. Doch gab es keine UN-Sanktionen. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in den USA hob Washington die Sanktionen auf, um einen Krieg in Afghanistan führen zu können. Wie Pakistan will Nordkorea erreichen, dass die USA akzeptieren, dass das Land Atomwaffen besitzt, und Verhandlungen über eine Sicherheitsgarantie führen. Doch gibt es große Unterschiede zwischen den Fällen Pakistans und Nordkoreas:

Nordkorea glaubt, dass die USA das Land mit der Zeit als Atommacht anerkennen. Es denkt also, dass es sein Atomprogramm komplettieren und dann abwarten muss. Doch die Situation in Pakistan und Indien ist anders. Während beide Länder niemals dem Atomwaffensperrvertrag beigetreten sind, war Nordkorea einmal Unterzeichnerstaat, der dann später austrat. Mit anderen Worten, Nordkorea war eine Herausforderung für die internationale Gemeinschaft. Darüber hinaus ist die allgemeine Situation in Nordkorea wegen der Diktatur in dem Land und der geteilten koreanischen Halbinsel anders als in Pakistan gelagert. Die USA werden also kaum das pakistanische Modell mit Nordkorea vergleichen.

Nordkorea hat nach eigenen Angaben eine Wasserstoffbombe getestet, die auf eine Interkontinentalrakete (ICBM) gesetzt werden kann. Es handelte sich um den bisher stärksten der sechs Atomversuche Nordkoreas seit 2006. Das Verteidigungsministerium in Seoul geht von einer Sprengkraft von etwa 50 Kilotonnen TNT aus, etwa fünfmal so stark wie beim fünften Test vor einem Jahr:

Die Explosionskraft des sechsten Tests war etwa dreimal so stark wie die der beiden Atombomben, die über Japan abgeworfen wurden. Doch die Frage bleibt, ob es sich tatsächlich um eine Wasserstoffbombe gehandelt hat. Allein aufgrund der Stärke von 5,7 des dadurch ausgelösten Bebens lässt sich das nicht sagen. Andere gehen von einer Magnitude von 6,3 aus. Wir müssen aber sagen, dass Nordkorea erfolgreich war, eine starke Bombe zu entwickeln.

Nordkorea scheint mit dem Atomtest auch demonstrieren zu wollen, dass es einen Atomsprengkopf hat, der klein genug ist, um eine ICBM damit beladen zu können. Vor dem Test zeigte das Land ein Bombenmodell mit einer runden Form:

Nur wenn eine Atombombe von einer Rakete befördert werden kann, taugt sie als Waffe. Am Morgen des Atomtests präsentierte Nordkorea einen Sprengkopf, der wie eine Erdnuss geformt war. Sollte sich bestätigen, dass es der gleiche war, der beim Test zum Einsatz kam, dann lässt sich vermuten, dass Nordkorea erfolgreich einen nuklearen Gefechtskopf für eine ICBM verkleinert hat, die die USA erreichen soll.

Nordkorea hat die Zeitabstände zwischen seinen Raketen- und Atomtests extrem verkürzt. Allein im vergangenen Jahr führte es zwei Atomtests durch. Bei den den drei Atomtest bis zum Januar des vergangenen Jahres lagen die Abstände bei drei bis vier Jahren:

Wir haben immer vor einem sechsten nordkoreanischen Atomtest gewarnt. Nordkorea brauchte nur noch auf Befehl von Kim Jong-un den Knopf drücken. Nordkorea scheint dabei verschiedene Dinge berücksichtigt zu haben: die Beziehungen zu den USA, die komplizierte Situation auf der koreanischen Halbinsel und die dringende Notwendigkeit, Sanktionen aufzuheben.

Sollte Nordkorea mit seinen Angaben über die Wasserstoffbombe und die ICBM Recht haben, wäre es nahe dran, seine nuklearen Kapazitäten zu vervollständigen:

Der jüngste Atomtest könnte das letzte technische Experiment dieser Art für Nordkorea gewesen sein. Doch aus politischen Erwägungen könnte es einen weiteren Atomtest unternehmen. Der sechste Test zeigte, dass Nordkorea einen kleinen, leichten und leistungsstarken Atomsprengkopf auf eine ICBM setzen kann. Wenn man jedoch berücksichtigt, dass die Nuklearkapazitäten erst dann komplett sind, wenn eine Atombombe mit einer Rakete kombiniert wird, muss Nordkorea noch einige Teile vervollständigen. Es ist unklar, ob seine Raketen über die beabsichtigte Distanz fliegen können. Auch muss es noch seine Technologie für den Wiedereintritt in die Erdatmosphäre einer ICBM unter Beweis stellen. Ich denke, Nordkorea wird weitere Tests mit einer Hwasong-14-ICBM durchführen und sie 6000 bis 8000 Kilometer weit bis in den Pazifik fliegen lassen.

Südkoreas Präsident Moon Jae-in und US-Präsident Donald Trump einigten sich diese Woche darauf, die Gewichtsbeschränkungen für den Gefechtskopf südkoreanischer Raketen zu beseitigen. Südkorea könnte Nordkorea im Ernstfall stärker treffen:

Die Einigung wird an Nordkorea eine wichtige Botschaft senden. Eine höhere Nutzlast kann natürlich nicht Nordkorea an weiteren Raketentests hindern. Doch bedeutet das, dass Südkorea seine Bürger gegen Nordkorea besser verteidigen kann, ohne vom US-Militär abzuhängen.

Der UN-Sicherheitsrat ringt derzeit um weitere Sanktionen gegen Pjöngjang. Wie Nordkorea darauf reagiert, bleibt abzuwarten.

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