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Nordkoreas Abschuss von Geschossen

2019-08-01

© YONHAP News

Nordkorea hat am Mittwoch nach Angaben des südkoreanischen Vereinigten Generalstabs zwei ballistische Kurzstreckenraketen vor der Ostküste abgefeuert. Sechs Tage zuvor waren in dem Gebiet bereits zwei ähnliche Geschosse abgefeuert worden. Professor Chung Dae-jin vom Ajou-Institut für Wiedervereinigung analysiert den jüngsten Waffentest von Mittwochmorgen.


Unterdessen meldete die nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA heute, dass es sich bei den gestrigen Waffentests nicht um Raketen, sondern um ein neuartiges Mehrfachystem für Lenkgeschosse großen Kalibers handele. Das Interview wurde vor dieser Bekanntgabe aufgezeichnet.


Die erste Rakete wurde am Mittwochmorgen um 5.06 Uhr und die zweite um 5.27 Uhr aus dem Gebiet Kalma in der Nähe des nordkoreanischen Ostküstenhafens Wonsan abgefeuert. Nach Angaben des Vereinigten Generalstabs flogen beide Raketen rund 250 Kilometer weit bei einer Höhe von 30 Kilometern.


Ballistische Flugkörper, die in Höhen von 70 bis 100 Kilometern fliegen, sind relativ leicht abzufangen. Aber wenn sie in niedrigeren Flughöhen von 30 oder 50 Kilometern fliegen, könnten sie das derzeitige Raketenabwehrsystem Südkoreas überfordern und stellen daher eine ernsthafte Bedrohung für die nationale Sicherheit Südkoreas dar. Die in der vergangenen Woche von Nordkorea abgefeuerten Flugkörper mit geringer Flughöhe steigen in der letzten Flugphase erst an und tauchen dann ab, um das Ziel anzugreifen. Raketen mit dieser fortgeschrittenen Technik, dem sogenannten Pull-up-Manöver, sind schwer abzufangen. Raketen, die nicht leicht abgefangen werden können, gelten als äußerst bedrohlich.


Der südkoreanische Verteidigungsminister Jeong Kyeong-doo fand deutliche Worte zu den Provokationen Nordkoreas.


Stunden nach den Raketenstarts am frühen Mittwochmorgen erklärte Jeong vor einem Forum des Koreanischen Instituts für Verteidigungsanalysen, dass Nordkorea als „Feind“ betrachtet werden solle, wenn es weiterhin derart bedrohliche Provokationen ausführe. Es ist nur natürlich, dass der Verteidigungschef sich deutlich gegen Nordkoreas Raketenabschuss ausgesprochen hat und dass Südkorea entschlossen auf die militärischen Provokationen des Nordens reagieren muss. Ich würde sagen, dass die aktuelle Situation schwierig und prekär ist.


Der Begriff „Feind“ ist der stärkste Ausdruck, den der Verteidigungsminister seit seinem Amtsantritt im September letzten Jahres für Nordkorea verwendet hat. Es scheint, dass Seoul schnell und entschieden auf Nordkoreas rasch aufeinanderfolgende Raketenstarts reagiert. 


Offensichtlich hat Nordkorea seinen Unmut über das gemeinsame Militärmanöver Südkoreas und der USA namens 19-2 Dong Maeng, das am 5. August beginnen soll, zum Ausdruck gebracht. Dabei will Südkorea das Tarnkappen-Mehrzweckkampfflugzeug F-35 einsetzen. 


Oberflächlich gesehen scheint der jüngste militärische Schritt Nordkoreas darauf abzuzielen, Südkorea unter Druck zu setzen, seine gemeinsame militärische Übung mit den USA einzustellen. In Wirklichkeit jedoch hat Nordkorea die festgefahrenen Atomverhandlungen mit den USA im Auge. Am 30. Juni kam es zu einem Überraschungstreffen der Staats- und Regierungschefs der beiden Länder im innerkoreanischen Waffenstillstandsort Panmunjom, und man einigte sich darauf, die Denuklearisierungsgespräche auf Arbeitsebene innerhalb weniger Wochen wieder aufzunehmen. Da die Verhandlungen jedoch noch nicht begonnen haben, greift Nordkorea zu absichtlichen Provokationen, um bei den künftigen Gesprächen mit den USA die Oberhand zu gewinnen.


Dabei beschränkt Nordkorea das Ausmaß der Provokationen, um die Verhandlungen mit den USA am Leben zu erhalten, indem nur Kurzstreckengeschosse abgefeuert wurden, die die USA nicht direkt bedrohen. So bleiben die USA auch in Bezug auf die jüngsten Waffentests Nordkoreas zurückhaltend.


Die USA werden wahrscheinlich über Nordkoreas Abschuss von Kurzstreckenraketen hinweggehen und sich mehr darauf konzentrieren, die Situation richtig handzuhaben. Während mit weiteren nordkoreanischen Raketenstarts zu rechnen ist, machen sich die USA auf einen längeren Stillstand in der nordkoreanischen Atomfrage gefasst. Die USA werden auf Pjöngjangs Provokationen solange flexibel reagieren, wie das kommunistische Regime nicht die rote Linie überschreitet, eine Atom- oder Interkontinentalrakete zu testen. Wenn sich die Situation jedoch zu lange hinzieht, könnte sich die Haltung der USA ändern.


Das US-Außenministerium hat die von Nordkorea abgefeuerten Projektile schnell als „Raketen“ definiert und erklärt, dass es die Situation weiterhin überwachen wird. Die USA bleiben unverändert bei ihrer bisherigen Position, dass die Raketentests keine Bedrohung für die USA darstellen.


In den USA sagte Präsident Trump am Dienstag, dass er ein gutes Verhältnis zum nordkoreanischen Staatschef habe. Und US-Außenminister Mike Pompeo sagte, er hoffe sehr auf eine baldige Wiederaufnahme der Atomverhandlungen mit Nordkorea trotz der jüngsten nordkoreanischen Waffentests. Es bleibt abzuwarten, ob in der langwierigen Pattsituation der Atomgespräche zwischen Pjöngjang und Washington ein Durchbruch erzielt werden kann.

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