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Moons Vision einer “Friedenswirtschaft”

2019-08-22

© YONHAP News

Südkoreas Präsident Moon Jae-in erklärte in seiner Rede zum Befreiungstag am 15. August, zusammen mit Nordkorea eine “Friedenswirtschaft” aufbauen zu wollen, um die Wiedervereinigung zu erreichen. Seine Vision äußerte er zu einer Zeit, da Nordkorea eine Reihe von Raketentests als Antwort auf südkoreanisch-amerikanische Militärmanöver durchführte. Zum Thema sagt der Forscher Cho Han-bum vom Korea-Institut für Nationale Vereinigung: 


Südkorea hat das Problem, mit Japans wirtschaftlichen Vergeltungsmaßnahmen zu kämpfen. Vor einigen Jahren war Südkorea bereits Ziel wirtschaftlicher Vergeltung durch China, weil Seoul entschieden hatte, ein US-Raketenabwehrsystem aufzustellen. Präsident Moon scheint zu denken, dass ein geteiltes Korea und Sicherheitsprobleme einer Wirtschaftszusammenarbeit in Ostasien im Weg stehen, und dass Frieden und Stabilität in der Region wirtschaftliche Unsicherheiten beseitigen und zur Entwicklung beitragen. Ich denke, die Atomverhandlungen zwischen Nordkorea und den USA und der Friedensprozess auf der koreanischen Halbinsel haben bereits eine unumkehrbare Phase erreicht. Unter diesen Umständen glaubt Moon, dass eine Friedenswirtschaft Mittel und Ziel ist, eine neue Halbinsel zu schaffen. 


Moon legte seine Vision Anfang dieses Monats vor als ein Weg, die wirtschaftliche Vergeltung Japans zu überwinden und die wirtschaftliche Abhängigkeit von Tokio zu reduzieren: 


Wegen der Teilung Koreas endet das Logistiknetz des eurasischen Kontinents an der militärischen Demarkationslinie, die die koreanische Halbinsel durchschneidet, währen das Transport- und Logistiknetz der Pazifikregion am Hafen von Busan stoppt. Ein vereinigtes Korea würde eine Revolution für die Transport- und Logistiksysteme der wirtschaftlichen Blöcke in Eurasia und der Pazifikregion hervorbringen. Südkorea wäre ein Wirtschaftsknotenpunkt. Falls beide Koreas vereinigt sind, könnten Chinas Gürtel- und Straßeninitiative, Russlands neue Ostpolitik und der Wiederaufbau Nordkoreas zusammengelegt und Korea zu einer der sechs größten Volkwirtschaften werden. Ein vereinigtes Korea könnte ein neuer Wachstumsmotor für die Weltwirtschaft sein. 


Statistics Korea schätzt, dass Südkoreas Bevölkerung im vergangenen Jahr 51,6 Millionen erreicht hat. Laut dem CIA Factbook hat Nordkorea eine Bevölkerung von 25,3 Millionen. Eine gemeinsame Bevölkerung von etwa 80 Millionen Koreanern im Süden und Norden wird die Zahl der arbeitenden Bürger vor dem Hintergrund der Friedenswirtschaft erhöhen. Auch könnten bei einer Wiedervereinigung unter anderem die Verteidigungskosten erheblich reduziert werden. Der britische Wirtschaftsberater Center for Economics and Business Research prognostizierte in seiner Weltwirtschaftstafel 2019, ein vereinigtes Korea mit dem südkoreanischen Lebensstandard würde in den 2030er Jahren das sechstgrößte Bruttoinlandsprodukt erzeugen. Die Investmentbank Goldman Sachs schrieb 2009 in einem Bericht, das Pro-Kopf-Einkommen eines vereinigten Koreas könnte 2050 bis zu 86.000 Dollar erreichen:


Seit dem vergangenen Jahr hat Nordkorea eine zukunftsweisende Haltung gegenüber Südkorea gezeigt, bis dann das zweite Gipfeltreffen mit den USA im Februar in Hanoi scheiterte. Anders als früher würdigte Nordkorea seine Beziehungen zu den USA und Südkorea gleichwertig. Beide Koreas schufen militärisches Vertrauen und bauten den bilateralen Austausch aus. Doch im Moment sind die innerkoreanischen Beziehungen angesichts der stockenden Denuklearisierungsverhandlungen Nordkoreas mit den USA zum Stillstand gekommen. Moon präsentierte eine mittel- bis langfristige Perspektive einer Friedenswirtschaft, auf die Nordkorea letztlich positiv reagieren wird. 


Südkoreas Präsident scheint davon auszugehen, dass Nordkorea neue Raketentests durchführte, um bei einem möglichen dritten Gipfel mit den USA die Oberhand zu haben. Doch Nordkorea äußerte sich zuletzt aggressiv:


Pjöngjangs starke Kritik an Seoul zeigt, dass es wegen der stockenden Verhandlungen mit den USA unzufrieden ist. Das Ziel der nordkoreanischen Angriffe sind eher die USA als Südkorea. Nordkorea scheint zuerst die Beziehungen zu den USA verbessern zu wollen, und dann später das Verhältnis zu Südkorea. Tatsächlich braucht Nordkorea den Süden, weil die Wirtschaftspolitik von Machthaber Kim Jong-un ohne die Kooperation mit Südkorea nicht funktioniert. 


Vorerst scheint es so, als ob Pjöngjang die Beziehungen zu den USA und Südkorea getrennt voneinander behandeln will:


Nordkorea will die wirtschaftliche Kooperation mit Südkorea. Südkorea hofft natürlich, die grenzüberschreitenden Wirtschaftsprojekte wie den Kaesong-Industriepark und das Kumgang-Reiseprogramm wiederaufnehmen zu können. Doch Nordkorea will das noch mehr. Sobald die Beziehungen zu den USA sich verbessern, wird es die innerkoreanische Wirtschaftskooperation sein, von der Nordkorea kurzfristig profitieren wird.

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