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Corona-Pandemie ist weiterer Schlag für Nordkoreas Wirtschaft

2020-03-26

ⓒ YONHAP News

Nordkorea-Experten gehen davon aus, dass die Wirtschaft des Landes wegen der Covid-19-Pandemie in der Krise steckt. Das Land hat seine Grenzen geschlossen, um eine Verbreitung des Coronavirus zu verhindern. Der Handel mit China und Russland und damit auch die Deviseneinnahmen sind weiter zurückgegangen. Zum Thema sagt der politische Kommentator Kim Hong-guk:


Der Handel mit China und die privaten Märkte, Jangmadang, sind zwei wichtige Elemente der nordkoreanischen Wirtschaft. Doch das isolierte Regime hat den Handel mit Chins für zwei Monate ausgesetzt. Es ist daher schwierig, ausländisches Geld zu beschaffen, das für das kommunistische Regime sehr wichtig ist. Insbesondere die Ernährungssituation ist sehr schlecht. Nordkorea importiert eine große Menge an Nahrungsmitteln, Rohmaterialien und andere Güter aus China. Eine Unterbrechung dieser Importe bedroht die Wirtschaft. Die wirtschaftlichen Probleme Nordkorea könnten sich zu einer globalen Angelegenheit entwickeln. 


Bei einer Grundsteinlegungszeremonie für ein Allgemeines Krankenhaus in Pjöngjang am 17. März sprach Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un von “einem beispiellosen schwierigen Umfeld innerhalb und außerhalb des Landes”. Am 10. März hieß es auf einer Propagandawebsite des Landes, es sei niemals leicht, drastische Quarantänemaßnahmen gegen Covid-19 zu ergreifen, da enorme wirtschaftliche Verluste drohten:


Kim Jong-uns Rede während der Grundsteinlegungszeremonie in Pjöngjang in der vergangenen Woche hat die Aufmerksamkeit auf sich gezogen, weil er auf die schwierige Situation seines Landes einging. Er rief offenbar die Menschen auf, zusammenzustehen, um die Notlage zu überwinden. Doch das zeigt klar, dass sich die lokale Wirtschaft in einer kritischen Situation befindet. 


China, auf das 90 Prozent des nordkoreanischen Außenhandels entfallen, schickte eine große Zahl von Touristen nach Nordkorea. Dadurch konnte China seinem kommunistischen Verbündeten Devisen liefern. Der Tourismus ist nicht Ziel der UN-Sanktionen gegen Nordkorea. Doch jetzt, da der Covid-19-Ausbruch einigermaßen unter Kontrolle gebracht wurde, blockiert China den offiziellen und inoffiziellen Handel mit Nordkorea, um zu verhindern, das eventuell das Virus eingeschleppt wird:  


China ist der wichtigste Wirtschaftspartner Nordkoreas. Doch jetzt nimmt Pjöngjang wahr, dass der Handel mit Peking deutlich sinkt. Die japanische Nachrichtenagentur Kyodo berichtete unter Berufung auf Daten der chinesischen Regierung, dass Nordkorea zwischen Januar und Februar Güter im Wert von 10,7 Millionen Dollar nach China exportiert hat und damit um fast 72 Prozent weniger im Vergleich zum Vorjahr. Die Importe aus China fielen um 23,2 Prozent. Das bedeutet, der Mangel an Gütern des täglichen Bedarfs verschärft sich. Pjöngjang kann jetzt seine Grenzen noch nicht öffnen, obwohl die Epidemie in China Zeichen eines Abklingens zeigt. 


Weil es auch für Schmuggler schwierig ist, chinesische Güter nach Nordkorea zu bringen, sind auch die privaten Märkte betroffen:


Jangmadang hat bisher eine wichtige Rolle in der nordkoreanischen Wirtschaft gespielt. Auf dem Markt werden kommerzielle Transaktionen getätigt, Devisen getauscht, Jobs angeboten und Informationen geteilt. Doch jetzt mit der Blockade des offiziellen Handels mit China und des Schmuggels gelangen keine Güter mehr auf die Jangmadang. Die Preise für Reis, Mehl, Zucker, Speiseöl und andere Dinge sind um 20 bis zu 50 Prozent gestiegen. Es gibt die pessmistische Annahme, dass mehr Menschen vor Hunger sterben werden als am Virus. 


Das Korea Institute for International Economic Policy in Seoul präsentierte in einem Bericht einen detaillierten Ausblick auf die Lage in Nordkorea: 


Dem Bericht zufolge, den die Denkfabrik am Dienstag veröffentlichte, wird Nordkorea, das bereits harten UN-Sanktionen unterworfen ist, wegen der Covid-10-Pandemie größere wirtschaftliche Schwierigkeiten in diesem Jahr erfahren. Der Handel mit China wird stark zurückgehen und die Situation wird sich in den kommenden Monaten verschärfen.  


Zahlreiche Länder, darunter auch Südkorea, äußerten ihre Absicht, Nordkorea zu helfen:


Es ist nötig für die internationale Gemeinschaft, Hilfe für Nordkorea zu leisten, wo das Gesundheitssystem nicht sehr gut funktioniert. Während Pjöngjang verneint, dass es Covid-19-Infektionen im Land gibt, hegen viele den Verdacht, dass sich das Virus im Land verbreitet hat. Es ist wichtig, Nordkorea im Zeichen des Friedens in Nordostasien und auf der ganzen Welt bei der Bekämpfung des Virus angemessen zu unterstützen. Ich denke, die südkoreanische Regierung und internationale Organisationen sollten dabei zusammenarbeiten.

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