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Koreanische Halbinsel von A bis Z

Schritte zur Wiedervereinigung

Südkorea will Ostküsten-Schienenstrecke mit Nordkorea verbinden

2020-04-30

ⓒ YONHAP News

Südkoreas Präsident Moon Jae-in sagte am 27. April, Seoul müsse weiter kleine Schritte machen, um die Zusammenarbeit mit Nordkorea zu fördern und den Friedensprozess voranzutreiben. Am Mittwoch war der zweite Jahrestag des ersten Gipfeltreffens zwischen Moon und dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un im Grenzdorf Panmunjom. Als machbare Projekte bezeichnete Moon die Kooperation im Kampf gegen die Verbreitung des Coronavirus sowie die Verbindung der Schienennetze beider Länder. Zum Thema sagt der politische Kommentator Choi Young-il:


Zum zweiten Jahrestag des innerkoreanischen Gipfeltreffens vom 27. April sagte Moon, Südkorea könne sich für humanitäre Projekte zwischen beiden Koreas, darunter Treffen zwischen getrennten Familien, einsetzen, sobald Covid-19 unter Kontrolle ist. Auch bekräftigte er die Entschlossenheit der Regierung, die grenzüberschreitenden Eisenbahnstrecken zu verbinden. Am selben Tag fand eine Zeremonie für die Wiederherstellung der nördlichen Donghae-Strecke statt. Falls die Strecke an der Ostküste mit dem nordkoreanischen Schienennetz verbunden wird, kann sie bis nach Europa führen. Die südkoreanische Regierung will trotz ungünstiger Bedingungen die Vereinbarungen umsetzen, die beide Koreas vor zwei Jahren getroffen hatten. 


Am 27. April organisierten das südkoreanische Transportministerium und das Vereinigungsministerium die Zeremonie für die Donghae-Strecke am Jejin-Bahnhof in der östlichen Provinz Gangwon. Der Abschnitt auf südkoreanischer Seite zwischen Gangneung und Jejin wurde vor 53 Jahren getrennt:


Das innerkoreanische Eisenbahnprojekt umfasst zwei Strecken. Eine ist die westliche Gyeongui-Line, die andere die östliche Donghae-Line. Die Zeremonie in dieser Woche hatte mit dem unterbrochenen südkoreanischen Abschnitt im Osten zu tun. Es ist nicht einfach, die 110,9 Kilometer lange Strecke zwischen dem Gangneung-Südbahnhof und Jejin an der militärischen Demarkationslinie wiederherzustellen. Die Arbeiten werden sieben bis zehn Jahre dauern, die Kosten werden auf bis zu 2,8 Billionen Won, oder 2,5 Milliarden Dollar, geschätzt. Die Kosten werden vom innerkoreanischen Kooperationsfonds gedeckt. Die Arbeiten sollen bald beginnen. 


Das innerkoreanische Eisenbahnprojekt ist seit dem gescheiterten Gipfeltreffen zwischen Nordkorea und den USA in Vietnam im Februar des vergangenen Jahres zunächst zum Erliegen gekommen. Nordkorea hatte auch den Dialog mit Südkorea eingefroren: 


Das Eisenbahnprojekt ist seit zwei Jahren nicht mehr vorangekommen, hauptsächlich wegen der Beziehungen zwischen Nordkorea und den USA. Nordkorea ist harten Sanktionen der USA unterworfen. Washington verlangt, dass Pjöngjang atomar abrüstet, bevor Sanktionen aufgehoben werden könnten. In dieser Situation ist der Spielraum für Südkorea eingeschränkt, wenn es um die Umsetzung innerkoreanischer Projekte geht. Der Wiederherstellung der Schienenstrecken müssten die USA zustimmen, die in Südkorea eigene Soldaten stationiert haben. Südkoreas Außenministerin Kang Kyung-hwa sagte zuletzt, Washingtons Position in dieser Frage unterscheide sich nicht sehr von der Südkoreas. Was sie meinte, ist, beide Koreas könnten das Eisenbahnprojekt ohne Washingtons Intervention durchführen.


Südkorea verfolgt beim innerkoreanischen Eisenbahnprojekt die Vision, mit China, Russland, der Mongolei, Japan und den USA zusammenzuarbeiten. Die Verbindung an der Ostküste könnte nicht nur die Wirtschaftszusammenarbeit zwischen beiden Koreas beschleunigen, sondern auch Südkoreas Wettbewerbsfähigkeit im Bereich der Logistik erhöhen:


Die innerkoreanische Eisenbahnstrecke wird nicht auf der koreanischen Halbinsel enden. Züge werden in Busan starten, durch Nordkorea fahren und über China und Russland in London ankommen. Das heißt, die Züge würden auch nach Berlin, Paris und Rom fahren. Es ist unnötig zu betonen, dass die Nutzung von Routen auf dem Land die kostengünstigste Methode wäre, um Güter zu transportieren. Ökonomen schätzen, dass Südkorea durch die Verbindung nach Eurasien einen wirtschaftlichen Effekt von Hunderten von Milliarden Dollar erzielen könnte. 


Die Koreanische Eisenbahngesellschaft bietet sogenannte Ehren-Zugtickets an, die benutzt werden können, wenn die östliche Strecke fertig ist:


Der Ticketpreis ist ein interessanter Gegenstand von Diskussionen. In dieses Jahr fällt der 20. Jahrestag der gemeinsamen Erklärung des Gipfels vom 15. Juni 2000 zwischen dem früheren südkoreanischen Präsidenten Kim Dae-jung und dem früheren nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-il. Moon Jae-in und Kim Jong-un trafen sich am 27. April 2018. Diese beiden wichtigen Daten wurden verbunden, um den Ticketpreis für Reisen von Südkorea nach Eurasien auf 615.427 Won festzulegen. 


Ob das Projekt zur Verbindung der Schienennetze beider Länder umgesetzt werden kann, hängt von der Haltung Pjöngjangs ab. Bisher gibt es noch keine Anzeichen für eine Wiederaufnahme des Dialogs:


Falls die verbundene Strecke für mehrere Zwecke genutzt wird, Transport und Tourismus eingeschlossen, wäre der größte Nutznießer davon Nordkorea. Doch der Norden muss eine Entscheidung treffen. Das heißt, er sollte nach einer offenen Marktwirtschaft trachten. Natürlich kann der kommunistische Staat nicht über Nacht zu einer Marktwirtschaft werden. Doch Nordkorea will dringend Südkoreas Hilfe im Bereich der Eisenbahn.

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