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Schritte zur Wiedervereinigung

Nordkorea will Beziehungen zu China stärken

2020-05-14

ⓒ YONHAP News

Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un scheint sich nach seiner Rückkehr in die Öffentlichkeit nach wochenlanger Abwesenheit auf die Diplomatie zu China zu konzentrieren. Am 7. Mai sandte Kim eine mündliche Note an den chinesischen Präsidenten Xi Jinping, in der er China dafür beglückwünschte, die Ausbreitung von Covid-19 erfolgreich eingedämmt zu haben. Der Vorstoß erfolgte zu einer Zeit, da beide Länder ihre Wirtschaft wieder in Schwung bringen wollen. Zum Thema sagt der politische Kommentator Kim Hong-guk:


In der Botschaft würdigte Nordkoreas Machthaber die Führung der Partei und der Menschen durch den chinesischen Präsidenten. Er habe die Chance zum Sieg im Kampf gegen die unerwartete Epidemie genutzt. Kim pries Xi auch dafür, dass er die allgemeine Lage in strategischer Weise gemanagt habe. Er äußerte seine Entschlossenheit, die Beziehungen zu China zu verbessern, und betonte den Wert der bilateralen Allianz. Dazu passen Nachrichten, wonach chinesische Staatsbeamte zuletzt die Antivirus-Maßnahmen in Dandong an der Grenze zu Nordkorea überprüft hätten. Offensichtlich besprechen beide Länder ihre Quarantänekooperation, die zu einer wirtschaftlichen Zusammenarbeit führen kann, die Nordkorea dringend benötigt. 


Bei einem wichtigen Parteitreffen Ende des vergangenen Jahres erklärte Kim Jong-un, er werde einen “frontalen Durchbruch” bewirken, um damit etwas den Sanktionen der USA und der internationalen Gemeinschaft entgegenzusetzen und eine selbstständige Wirtschaft aufzubauen. Wegen des Covid-19-Ausbruchs hatte Nordkorea jedoch schnell die Grenze zu China geschlossen: 


Nordkorea ist in einer sehr schwierigen Situation. Die Grenze zu China ist seit Ende Januar geschlossen. Auf China entfallen 95 Prozent des nordkoreanischen Außenhandels. Nach einem Bericht des südkoreanischen Geheimdienstes vom 6. Mai fiel das Handelsvolumen zwischen Nordkorea und China im ersten Quartal um 55 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, allein im März ging es um 91 Prozent zurück. Es scheint, als ob die Handelsaktivitäten in Nordkorea schrumpfen, da weniger Märkte geöffnet sind und die Bürger in Pjöngjang Artikel des täglichen Gebrauchs horten. Nordkorea ist dringend auf die Hilfe von China angewiesen. 


Es gibt zahlreiche wirtschaftliche Projekte für Nordkorea, die es in diesem Jahr noch durchführen will: 


Wegen der Grenzschließung vergrößert sich in Nordkorea die Unzufriedenheit und die Kritik in der Bevölkerung. Das Kim Jong-un-Regime braucht also die Zusammenarbeit mit China, um das Land stabiler regieren und die interne Einheit stärken zu können. Der Machthaber wies die Beamten an, den Bau eines allgemeinen Krankenhauses in Pjöngjang bis zum 75. Jahrestag der Gründung der Arbeiterpartei am 10. Oktober fertigzustellen. Doch ist es extrem schwierig für Nordkorea, dieses Ziel ohne die Hilfe Chinas zu erfüllen, da Baumaterialien und medizinische Ausrüstungen fehlen. 


Als Antwort auf Kims Botschaft sandte Xi Jinping am 8. Mai ebenfalls eine mündliche Note an den nordkoreanischen Machthaber: 


Während der wirtschaftliche Austausch zwischen Nordkorea und China für einige Zeit ausgesetzt ist, äußerte Xi seine Bereitschaft, mit Nordkorea im Kampf gegen Covid-19 zusammenzuarbeiten. In seiner Botschaft versprach der chinesische Präsident, dass China alles tun werde, um Nordkorea dabei zu helfen, das Virus einzudämmen. Er äußerte die Hoffnung, diese Beziehungen in eine neue Ära führen zu können. Auch wolle er aktiv zum regionalen Frieden, zu Stabilität, Entwicklung und Wohlstand durch die Stärkung der strategischen Kommunikation und die Förderung des Austauschs und der bilateralen Kooperation beitragen. 


Einige Experten sehen in der raschen Antwort des chinesischen Präsidenten auf Kims Botschaft auch ein Anzeichen für die Absicht Pekings, einen ständigen Alliierten im Kampf mit den USA um globale Vorherrschaft näher an sich zu ziehen:


Etwa ein Drittel der bestätigten Covid-19-Fälle weltweit sind in den USA zu finden. Die USA sagen, dass China der Grund für die Pandemie sei. China seinerseits schiebt die Verantwortung den USA zu. In diesem Machtspiel benutzt China Nordkorea in strategischer Absicht, um seine Position zu rechtfertigen und die USA zu konfrontieren. Mit anderen Worten, es will einen Keil zwischen Nordkorea und die USA treiben. 


Auch sandte Kim am 9. Mai anlässlich des 75. Jahrestags des Siegs der Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg eine Botschaft an den russischen Präsidenten Wladimir Putin. Nordkoreas Haltung zu China und Russland unterscheidet sich sehr von der zu Südkorea. Es gibt die Sorge, dass sich durch Nordkoreas Zuwendung nach China und Russland der Stillstand in den innerkoreanischen Beziehungen und im Dialog zwischen Nordkorea und den USA fortsetzt: 


Während Nordkorea eine freundliche Botschaft an China und Russland sendet, die beide Nordkorea wirtschaftlich geholfen haben, scheint es Südkorea zu drängen, sich darum stärker zu bemühen, den Stillstand in den Beziehungen zu den USA zu überwinden. Südkorea braucht Geduld und sollte die innerkoreanische Kooperation von einer langfristigen Perspektive betrachten. Dann werden sich die Türen zum Dialog auch wieder öffnen.

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