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Schritte zur Wiedervereinigung

Buch geht auf Briefwechsel Trump-Kim ein

2020-09-17

ⓒ YONHAP News

In seinem neuen Buch mit dem Titel “Rage” schreibt der bekannte amerikanische Journalist Bob Woodward über den Briefwechsel zwischen US-Präsident Donald Trump und dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un. Der Journalist der Washington Post sagt, dass er 27 Briefe zwischen den beiden erhalten habe. Diese seien zwischen April 2018 und August des vergangenen Jahres geschrieben worden. Es gibt Kritiker, die sagen, dass die Enthüllung persönlicher Briefe zwischen Staatsmännern auch von diplomatischer Ignoranz zeugen könne. Zum Thema sagt der politische Kommentator Choi Young-il:


Es ist schwierig, ein Beispiel einer solchen überraschenden Enthüllung vertrauter Briefe zwischen Staatsführern zu finden. Normalerweise werden persönliche Briefe zwischen Staatsführern für mehr als 30 Jahre unter Verschluss gehalten. Besonders Inhalte mit problematischen Themen sind nicht für die Öffentlichkeit gedacht. Der Watergate-Reporter Bob Woodward zeichnete Interviews mit Trump für sein neues Buch auf. Es bleibt abzuwarten, wie sich dieses Buch auf die Diplomatie der involvierten Länder wie Südkorea, Nordkorea und die USA auswirken wird. 


Die Briefe zeigen, dass sich Kim und Trump rasch näher gekommen sind, nachdem sie sich auf ein erstes Treffen geeinigt hatten. Ihr Briefwechsel erreichte zwischen dem ersten Gipfeltreffen im Juni 2018 in Singapur und dem zweiten in Hanoi im Februar 2019 seinen Höhepunkt. In dieser Zeit diskutierten sie über Wege zur atomaren Abrüstung Nordkoreas:


Kurz nach dem ersten Trump-Kim-Gipfel im Juni 2018 beschrieb Trump ihre Beziehung: “Sie treffen eine Frau. Innerhalb einer Sekunde wissen Sie, ob es klappen wird oder nicht.” Der Ausdruck “seine Exzellenz” erscheint in einem der Briefe Kims neun Mal. Auch gebrauchte Kim Ausdrücke wie “ein großer Anführer” und “eine neue Geschichte wird geschrieben”. Die diplomatische Verehrung zeigt seine Bemühungen, die Gunst des amerikanischen Präsidenten zu gewinnen. Das ist natürlich strategische Berechnung. Die USA wollten, dass Nordkorea seine Nuklearwaffen abschafft, während Nordkorea hoffte, dass die USA ihre Sanktionen gegen das Land aufheben. Mit diesen Erwartungen tauschten sie Briefe aus bis zum zweiten Gipfel in Hanoi. Woodwards Buch beschreibt diese Situation im Detail.


Nach dem Scheitern des Hanoi-Gipfels im Februar 2019 wurden nur noch wenige Briefe ausgetauscht. Im Juni desselben Jahres schrieb Kim einen Brief an Trump, den dieser als “Liebesbrief” bezeichnete. Kim schrieb, er glaube, dass diese spezielle Freundschaft als magische Kraft arbeiten werde, um die Beziehungen zwischen beiden Ländern voranzutreiben. Auch äußerte er sich entschlossen, ein drittes Gipfeltreffen zu haben. 20 Tage später trafen sich beide kurz im Grenzdorf Panmunjom. Später sandte Trump Fotos von diesem Treffen an Kim:


Obwohl Trump beim ersten Gipfel mit Nordkorea 2018 versprochen hatte, die gemeinsamen Militärübungen Südkoreas und der USA auszusetzen, scheiterte der Hanoi-Gipfel 2019. Trotz des Kim-Trump-Treffens in Panmunjom im Juni hielten Südkorea und die USA wieder Militärübungen ab. In seinem Brief an Trump schrieb Kim: “Ich fühle mich hintergangen, und ich will dieses Gefühl nicht vor Ihnen verbergen. Ich bin sehr stolz und geehrt, dass wir eine Beziehung haben, in der ich solche offenen Gedanken senden und erhalten kann.” Offensichtlich wollte Kim Trump sagen, dass Nordkorea den USA trauen und sein Nuklearprogramm aufgeben kann, solange er sein Versprechen hält. Nordkorea sieht die Beziehungen zwischen Kim und Trump als persönliches Verhältnis, das getrennt ist von den offiziellen Nuklearverhandlungen. 


Der bisher letzte Briefwechsel wurde im März dieses Jahres bekannt. Trump bot seine Hilfe für Nordkorea im Umgang mit der Covid-19-Pandemie an:


Als Staatsführer wird Trump sich unwohl bei dem Gedanken fühlen, dass Kims Briefe durch das Buch eines Journalisten enthüllt wurden. Das gilt umso mehr, als es noch ein langer Weg ist, bevor Nordkorea und die USA einen Kompromiss in ihren Nuklearverhandlungen finden. Falls der Inhalt der Briefe auch unter den Nordkoreanern bekannt wird – was wenig wahrscheinlich ist – könnte die Reputation des Machthabers geschädigt werden. Was die künftigen Verhandlungen betrifft, könnte die Veröffentlichung der Briefe einen Rückschlag für die USA bedeuten. 


Am 10. September twitterte Trump, dass Kim Jong-un gesund sei und dass er ihn nie unterschätzt habe. Die Veröffentlichung des Briefwechsels könnte diese Äußerung bewirkt haben:


Die USA respektieren die Freiheit der Presse, sie können also nicht die Veröffentlichung des Buchs eines erfahrenen Journalisten verhindern. Doch Trump findet es nötig, Kim zu zeigen, dass er ihm immer noch vertraut. Trump hat es im eigenen Land mit vielen Problemen zu tun. Für ihn könnte also der Umgang mit Nordkorea ein wichtiger Hebel sein, die Situation zu ändern. 


Der Inhalt einiger Briefe zwischen Trump und Kim war schon vorher bekannt. Zu den jüngsten Enthüllungen äußerte sich Nordkorea zunächst nicht:


Sollte der nordkoreanische Machthaber direkt auf das Thema eingehen und seine Unzufriedenheit äußern, könnten die Beziehungen zwischen Nordkorea und den USA gefährdet sein. Doch könnte Nordkorea dies auch als Gelegenheit nehmen, um den USA Fehler vorzuwerfen und Druck auf Trump ausüben. In diesem Fall würde sich die Enthüllung der Briefe Kims nicht unbedingt negativ auf die Beziehungen auswirken.

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