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Die Beziehungen Japans zu Nordkorea nach Sugas Amtsantritt

2020-09-24

ⓒ YONHAP News

Japans neuer Ministerpräsident Yoshihide Suga sagte, er sei bereit, den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un ohne Vorbedingungen zu treffen, um den Streit um die Verschleppung japanischer Staatsbürger durch Nordkorea beizulegen. Suga äußerte sich dazu Anfang September, als er sich um den Posten des Regierungschefs bewarb. Nach seinem Antritt ging er noch einmal auf den Streit ein, ohne jedoch über die Beziehungen zu Nordkorea zu sprechen. Suga sagte aber, dass er mit Blick auf die Verschleppungen und den Atomstreit mit Nordkorea die Politik seines Vorgängers Shinzo Abe weiterverfolgen werde. Zum Thema sagt Oh Gyeong-seob vom Korea-Institut für Nationale Vereinigung:  


Kurz vor der Wahl einer neuen Führung der Liberalen Demokratischen Partei in Japan traf sich Suga mit Vertretern von Organisationen, die sich für die Verschleppungsopfer einsetzen. Er versprach, sich um einen stetigen Dialog mit Nordkorea zu bemühen, um das Thema zu behandeln. Suga zeigte großes Interesse an dieser Frage seit 2002. Seine Beziehung zu Abe begann zu jener Zeit. Er äußerte wiederholt, dass er Abes Politik fortsetzen will. Es wird also erwartet, dass er sich mit seinem Pflichtbewusstsein weiter um die Sache kümmern wird. 


Nordkorea verschleppte japanische Staatsbürger zwischen den späten 1970er Jahren bis Anfang der 80er Jahre mit dem Ziel, dass sie nordkoreanischen Spionen die japanische Sprache beibringen. Die Verschleppungen wurden bekannt, als Kim Hyun-hui, eine frühere nordkoreanische Agentin, die 1987 für den Bombenanschlag auf ein südkoreanisches Flugzeug verantwortlich war, enthüllte, dass sie Japanisch von einem verschleppten japanischen Bürger gelernt habe:


In einer Serie von Vorfällen von 1977 bis 1983 verschwanden nahe der japanischen Küste junge Menschen in ihren Zwanzigern. Sie wurden alle von Nordkorea verschleppt. So wurde etwa Yaeko Taguchi im Juni 1978 verschleppt. Ihr wurde der koreanische Name Lee Eun-hye gegeben. Es stellte sich heraus, dass sie die Kim Hyun-hui unterrichtete. Megumi Yokota wurde am 15. November 1977 im Alter von 13 Jahren in Niigata von nordkoreanischen Agenten verschleppt. 1986 heiratete sie einen Südkoreaner namens Kim Young-nam, der ebenfalls verschleppt wurde. Pjöngjang sagte, dass sie 1994 in einem Krankenhaus Suizid verübt hat und ihre Leiche 1997 eingeäschert worden ist. Ihre Asche wurde 2004 an Japan übergeben, nachdem die Führungskräfte Japans und Nordkoreas 2002 eine Einigung in der Verschleppungsfrage erzielt hatten. Doch ein DNA-Test zeigte, das die sterblichen Überreste nicht zu Megumi Yokota passten. Es ist nach wie vor unklar, ob sie am Leben oder tot ist. 


Der frühere nordkoreanische Machthaber Kim Jong-il und der ehemalige japanische Premierminister Junichiro Koizumi trafen sich zum ersten Mal im September 2002. Kim gestand die Verschleppungen ein. Nordkorea ließ fünf von 13 verschleppten Japanern in ihre Heimat zurückkehren. Die anderen acht seien gestorben, hieß es:


Während Japan 17 Landsleute als Verschleppungsopfer identifizierte, sprach Nordkorea von 13 verschleppten Japanern. Es erklärte, dass acht von ihnen durch eine Herzattacke, bei einem Verkehrsunfall oder aufgrund einer Gasvergiftung gestorben sind. Doch Japan bezweifelte die Angaben, dass acht junge Menschen gestorben sind. Auch zeigte sich, dass ihre Sterbeurkunden zur Zeit des Besuchs von Koizumi in Nordkorea eilig ausgestellt wurden. Beim zweiten Gipfel Nordkorea-Japan im Jahr 2004 gestand Pjöngjang, dass alle acht Sterbeurkunden gefälscht worden waren und versprach, den Zustand der Verschleppten zu untersuchen. Doch die Verhandlungen wurden später eingestellt, und diese Frage bleibt weiter unbeantwortet. 


Nordkorea sagte bei einem Treffen mit Japan im Mai 2014 zu, dass es ein Sonderkomitee organisieren werde, um neue Untersuchungen zu den Verschleppungen aufzunehmen. Japan versprach, einen Teil seiner Sanktionen gegen Nordkorea unter Berücksichtigung der Untersuchungsergebnisse aufzuheben. Doch Nordkorea hielt sein Versprechen nicht ein: 


Am 25. Januar 2013 richtete die japanische Regierung ein Hauptquartier für die Verschleppten-Frage ein. Der Premierminister war der Direktor davon und drei Minister einschließlich des Chef-Kabinettssekretärs dienten als Vizeleiter. Japan hat auch ein Gesetz verkündet, das Maßnahmen gegen die Verschleppungen durch Nordkorea und Verstöße gegen die Menschenrechte vorsieht. Falls irgendein japanischer Premierminister den Streit beilegt, wäre das seine größte politische Errungenschaft. 


Die Aufmerksamkeit richtet sich nun darauf, wie sich die gespannten bilateralen Beziehungen nach dem Antritt von Suga entwickeln. Es wird erwartet, dass sein Kabinett in diesem Jahr eine neue Verteidigungspolitik aufsetzen wird, die einen Erstschlag gegen nordkoreanische Raketenanlagen legitimieren würde. Damit könnten sich die Beziehungen weiter verschlechtern: 


Der Schlüssel ist, wie die Nuklearverhandlungen zwischen Nordkorea und den USA ausgehen. Was den Atomstreit mit Nordkorea betrifft, so hielt sich die Abe-Regierung strikt an die Zusammenarbeit mit den USA und den Sanktionen gegen Nordkorea. Die Regierung unter Suga wird sich an die Politik Abes halten. Es ist unwahrscheinlich, dass Nordkorea aktiv den Dialog mit Japan sucht. 


Südkoreas Vereinigungsminister Lee In-young sagte am 1. September bei einem Treffen mit dem japanischen Botschafter in Seoul, Koji Tomita, dass seine Regierung auf eine Verbesserung der Beziehungen Tokios zu Pjöngjang hoffe und dass Seoul dabei kooperieren werde: 


Während die Suga-Regierung sich entschlossen äußerte, die Beziehungen zu Nordkorea zu verbessern, zeigte sie kein Interesse an einer Verbesserung der abgekühlten Beziehungen zu Südkorea. Was die Regierung in Seoul derzeit tun kann, ist, den Dialog mit Tokio hinter den Kulissen fortzusetzen.

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