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Schritte zur Wiedervereinigung

Nordkorea treibt Bauprojekte voran

2021-09-23

ⓒ Getty Images Bank

Die offizielle nordkoreanische Zeitung Rodong Sinmun stellte am 4. September in einem Bericht die Bauprojekte vor, die unter dem jetzigen Machthaber Kim Jong-un ausgeführt wurden. Der Bericht erfolgte in Form eines politischen Essays mit dem Titel “Entwurf eines neuen Plans meines Vaterlandes”. Bemerkenswert war, dass in dem Essay Bauprojekte als die größte Errungenschaft Kims beschrieben wurden und nicht etwa militärische oder diplomatische Leistungen. Zum Thema sagt Cho Han-bum vom Korea-Institut für Nationale Vereinigung:  


Kim Jong-un steht unter Druck, um den Bürgern einige Errungenschaften in diesem Jahr, seinem zehnten Regierungsjahr, vorzuweisen. Sein Großvater und Staatsgründer, Kim Il-sung, erhielt die Anerkennung für seine Teilnahme am Widerstandskampf gegen die japanische Kolonialherrschaft, die sozialitische Industrialisierung und die politische Legitimität. Kim Jong-uns Vater Kim Jong-il konnte auf eine stabile Machtbasis verweisen, nachdem er 20 Jahre darauf vorbereitet worden war, das Land anzuführen. Der jetzige Machthaber dagegen bereitete sich nur drei Jahre auf die Machtübernahme vor, und seine Legitimität war eher schwach. Es ist daher umso wichtiger, dass er bedeutungsvolle Leistungen vorzeigt und sich die öffentliche Unterstützung sichert. Doch die Wirtschaft kriselt unter Kim Jong-un, und die Situatioin verschlechterte sich aufgrund der internationalen Sanktionen und Covid-19. Er hat also nur sehr wenige Leistungen vorzuweisen. Doch seit dem Beginn seiner Macht führte er verschiedene Bauprojekte durch, die, zumindest an der Oberfläche, herausragen.


Rodong Sinmun hob insbesondere die Wasserkraftwerke und Touristenkomplexe hervor. Sie erwähnte etwa die Jugendheld-Kraftwerke am Paektu-Berg oder die Wonsan-Kalma Küsten-Touristenzone und das Ski-Resort am Masik Pass: 


Nordkoreas allgemeine Infrastruktur einschließlich der Schienenstrecken und Straßen sind in einem sehr schlechten Zustand. Das ernsthafteste Problem ist die Stromknappheit. Das Land kann selbst in der Haupstadt Pjöngjang nur für einige Stunden am Tag Energie liefern. Es will daher mehr als Öl oder Kohle die Wasserkraft nutzen. Die Jugendheld-Kraftwerke am Paektu-Berg repräsentierten Nodkoreas Wasserkraftwerke der neuen Generation, mit denen das Land trotz der internationalen Sanktionen Elektrizität erzeugen kann. Für ein unterentwickeltes Land wie Nordkorea ist der Tourismus eine einfache Einnahmequelle für Devisen. Sobald die Basiseinrichtungen in den Tourismuszonen stehen, kann Nordkorea sofort Geld damit machen. Auch ist der Tourismus nicht das Ziel der Sanktionen.


Auch der Wohnungsbau gilt als Errungenschaft Kim Jong-uns. Er ließ neue Straßen und Hochhäuser in Pjöngjang bauen. Dazu gehören etwa die Changjon-Straße von 2012 und die Mirae-Straße der Wissenschaftler von 2015. Beim achten Kongress der Arbeiterpartei im Januar wurden Pläne zum Bau von 50.000 Wohnungen in Pjöngjang in den nächsten fünf Jahren vorgestellt: 


Wohnhochhäuser fallen schnell auf, so dass sie als Errungenschaften des Machthabers vorgestellt werden können. Viele Häuser in Pjöngjang sind alt, und es besteht Wohnungsknappheit in der Hauptstadt. Die Situation in den anderen Provinzen ist sogar noch schlechter. Die neuen Straßen in Pjöngjang sollen die Leistungen des Machthabers zeigen und das Wohnungsproblem lösen. Dozenten und Forscher der Kim Il-sung-Universität zogen in die Apartments in der Ryomyong-Straße, während in der Mirae-Straße für Wissenschaftler wissenschaftliche Institutionen und ihre Mitarbeiter einziehen sollten. Das heißt, die neuen Wohnungen werden an Mitglieder der Elite verteilt.


In den nordkoreanischen Medien wurde zuletzt über den Bau eines 80-stöckigen Hauses in Pjöngjang berichtet, bei dem alle 16 Stunden ein Stockwerk fertig geworden sei. Die Häuser werden zum Teil in einem gefährlich schnellen Tempo gebaut: 


Es gibt eine militärische Baueinheit in Nordkorea, die für größere Bauvorhaben verantwortlich ist. Da das Kabinett angesichts der wirtschaftlichen Problem nicht richtig funktioniert, werden Soldaten für schnelle und effiziente Bauarbeiten herangezogen. So wurde ein 80-stöckiges Gebäude in nur zehn Monaten fertig. Die schnelle Arbeit führt oft zu Baumängeln. Ein Wohngebäude in Pjöngjang stürzte ein, hunderte von Menschen kamen ums Leben, und der zuständige Beamte entschuldigte sich öffentlich. 


Es scheint, als ob das neue und mehrfach angekündigte Allgemeine Krankenhaus in Pjöngjang noch immer nicht fertiggestellt ist: 


Als Kim Jong-un im März 2020 beschloss, das Allgemeine Krankenhaus in Pjöngjang zu bauen, sagte er, er sei gebrochenen Herzens, wenn er kritisieren müsse, dass selbst der Hauptstat moderne medizinische Einrichtungen fehlen. Es ist offensichtlich, dass Nordkorea die Notwendigkeit spürte, in den medizinischen Bereich zu investieren, um öffentliche Unzufriedenheit in der Pandemie zu zerstreuen. Der Machthaber wies die Beamten an, den Bau des Krankenhauses bis zum lGründungstag der Partei im vergangenen Jahr fertigzustellen. Doch ist es immer noch unvollendet.


Kim Jong-un inspizierte allein in diesem Jahr dreimal den Bau eines Wohnbezirks entlang des Flusses Pothong in Pjöngjang. Wenn die 800 terrassierten Apartments fertig sind, sollen sie als Geschenk an Arbeitskräfte vergeben werden, die sich um den Staat verdient gemacht haben:


Das Baugrundstück ist dort, wo sich die offzielle Residenz des früheren Machthabers Kim Il-sung befand. Er lebte dort bis 1976. Einige der neuen Wohnungen werden an Leute mit besonderen Verdiensten vergeben. Doch gibt es auch Gerüchte, wonach sie hohe Parteifunktionäre erhalten. Falls das passiert, könnte es Teil der sogenannten Geschenk-Politik für die Elite sein. Kim will offensichtlich seine Basis von Unterstützern stärken, indem er luxuriöse Wohnungen am Fluss an hochrangige Funktionäre verteilt.

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