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Schritte zur Wiedervereinigung

Nordkorea gibt Geldgutscheine aus

2021-12-02

ⓒ KBS

Nordkorea hat Donpyo genannte Geldgutscheine mit einem Gegenwert von jeweils 5000 nordkoreanischen Won herausgegeben. Auf den Coupons sind der Name “Zentralbank der Demokratischen Volksrepublik Korea” und Donpyo zu lesen sowie der Triumphbogen in Pjöngjang abgebildet. 2021 wird als Ausgabejahr angegeben. Dazu sagt Cho Han-bum vom Korea-Institut für Nationale Vereinigung:  


Ein Donpyo, oder Geldgutschein, hat die gleiche Funktion wie Bargeld. Ursprünglich wurde er “Donpyo im Wechsel für Auslandswährung” genannt. Früher war es schwierig, in den geschlossenen Regimen wie der Sowjetunion und Nordkorea Devisen in Umlauf zu bringen. In Nordkorea mussten die Leute ausländisches Geld für Donpyo tauschen, die in Devisenläden benutzt werden konnten.


Nordkoreas Zentralbank gab estmals 1979 Geldgutscheine aus. Ab 1988 begann die Außenhandelsbank damit, Donpyo zu drucken. Mit der Ausbreitung der privaten Märkte, oder Jangmadang, und dem Umlauf von Dollars und dem chinesischen Yuan tauchten immer mehr private Geldwechsler in Nordkorea auf, und immer weniger Leute nutzten die Won-Gutscheine. Nach den Wirtschaftsreformen im Juli 2002 wurde das Donpyo-System abgeschafft: 


Die Reduzierung des Donpyo-Gebrauchs hatte mit der Verbreitung der Jangmadang zu tun. Durch die Abkehr vom staatlichen Rationierungssystem hing die Jangmadang-Wirtschaft stark vom Handel ab, was zu einer starken Zirkulation von Devisen führte. Die wirtschaftlichen Reformmaßnahmen vom 1. Juli haben den Geldumlauf gefördert. Händler bevorzugten Dollars oder Yuan. Devisenläden begannen damit, Dollars zu akzeptieren, sodass die Menschen nicht mehr Fremdwährung für Donpyo tauschen mussten.


Die Nordkoreaner hingen nach der Währungsreform von 2009 sogar noch stärker von Devisen ab. Die Menschen waren damals gezwungen, innerhalb von sieben Tagen ihre alten Banknoten im Verhältnis 100:1 gegen neue umzutauschen. Die Menge war anfangs auf den Tausch von 100.000 Won pro Haushalt beschränkt. Alles was darüber lag, musste bei Banken deponiert werden. Wegen der Reform verloren die Bürger das Vertrauen in die Landeswährung:


Nach der Währungsreform von 2009 wurden Dollar und Yuan immer wichtiger. Die Händler auf den Jangmadang glaubten, dass die Zentralbank den nordkoreanischen Won jederzeit in ein Stück wertloses Papier umwandeln kann. Die Reform verfolgte zwei Zwecke: Erstens, der Staat wollte aggressiver in den Schwarzmarkt intervenieren und zweitens, der Staat zog privates Kapital ab, indem es die Landeswährung entwertete. Die Menschen waren geschockt durch diese extreme Maßnahmen. Viele Markthändler nahmen sich das Leben. Um die Proteste zu zerstreuen, äußerte der Premierminister eine selten vorkommende öffentliche Entschuldigung.


Nachdem Nordkorea im vergangenen Jahr den Gebrauch von Devisen strenger kontrolliert hatte, gab die Zentralbank zuletzt wieder Donpyo aus:


Diesmal gab die Zentralbank die Geldgutscheine aus, da die Außenhandelsbank für die Devisen zuständig ist. Interne Dokument der Behörden bestätigten, dass das Land vorübergehend Geldgutscheine druckte, um das Problem mit dem Geldumlauf zu lösen, das durch die globale Gesundheitskrise verursacht wurde. Das heißt, die Regierung sagte, dass die Coupons aufgrund von Problemen wegen der Grenzschließung verteilt werden.


Die nordkoreanischen Staatsmdien nannten bisher keine Details zu den Donpyo. Einige spekulieren, dass Nordkorea versuchen könnte, ausländisches Geld sicherzustellen, dass die Bewohner besitzen. Oder es wolle die Staatsfinanzen aufbessern:


Viele nennen drei Gründe: Erstens, Nordkorea erfährt eine Knappheit an importiertem Papier und Tinte, sodass es Geldgutscheine mit einheimischen Materialien druckt. Zweitens, das Land gab die Gutscheine aus, um ausländische Währung aus dem Markt zu ziehen. Drittens, die Gutscheine können die Rolle von Bonds übernehmen. Es gibt kein Anleihesystem in Nordkorea. Durch die Ausgabe von Geldgutscheinen kann Nordkorea erreichen, den Geldumlauf zu verbessern, ohne die Gesamtmenge des Geldes zu erhöhen.


Es bleibt jedoch zweifelhaft, ob sich die Ausgabe der Gutscheine als nützlich für die Wirtschaft erweist: 


Ich denke nicht, dass die Donpyo hilfreich sind. Selbst die Zentralbank hat das öffentliche Vertrauen wegen der gescheiterten Währungsreform verloren. Die Markthändler zögern, die Donpyo zu akzeptieren. Viele von ihnen tauschen die Coupons zu Kursen von 3000 oder 4000 Won für einen Donpyo. Die Regierung sagt wiederholt, dass Donpyo den gleichen Wert wie Bargeld haben, und dass sie gegen jeden vorgehen wird, der zu niedrigeren Preisen Donpyo verkauft. Doch berücksichtigt man, dass die Gutscheine den Marktwert nicht richtig wiedergeben, können sie keine Lösung darstellen.


Derweil wird befürchtet, dass sich die wirtschaftlichen Probleme für das Land noch verschärfen könnten, wenn sich die Corona-Pandemie und damit die Grenzschließungen durch Nordkorea noch länger hinziehen:


Die Grenzschließungen durch Nordkorea sind einer der Faktoren, die eine Verschlechterung der Wirtschaft herbeiführen. Während das Land seine internen Quarantänemaßnahmen verstärkt, bestätigten einige Länder erste Omikron-Fälle. Es wird daher erwartet, dass Nordkorea seine Grenze zu China bis zum Beginn der Olympischen Winterspiele in Peking geschlossen hält. Der unerwartete Ausbruch der Omikron-Virusvariante macht die Dinge für die nordkoreanische Wirtschaft noch schlimmer. Das Land befindet sich in einer sehr schwierigen Situation.

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