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Saiteninstrument Geomungo

#Musik verbindet l 2021-09-15

Musik verbindet

Saiteninstrument Geomungo

Vielleicht kennen einige noch den tragbaren Kassettenspieler bzw. Walkman. Beim Walkman handelte es sich ursprünglich um den Markennamen eines Elektronikkonzerns, doch jedes tragbare Abspielgerät wurde in vielen Ländern am Ende einfach als Walkman bezeichnet. Eine vergleichbare Entwicklung gab es auch bei den traditionellen koreanischen Musikinstrumenten. So wurde das Wort „Piri“ zum Oberbegriff für alle Blasinstrumente. Darunter fielen dann beispielsweise das Daegeum대금, Taepyeongso태평소, Danso단소 und Sogeum소금. Heutzutage werden unter dem Begriff Gayageum alle mit der Hand gezupften Saiteninstrumente zusammengefasst. In der Vergangenheit allerdings hatte der Begriff Geomungo diese Funktion übernommen. Die Ähnlichkeit zwischen diesen beiden Saiteninstrumenten und die daraus resultierende Verwirrung lassen sich übrigens bis zu den alten chinesischen Aufzeichnungen zurückverfolgen. In denen bezog sich nämlich das chinesische Schriftzeichen für „geum“ mit der Bedeutung von Geomungo gelegentlich auch auf das Gayageum, was es späteren Lesern sehr erschwerte, zwischen diesen beiden Instrumenten zu unterscheiden. An diesen Schriften wird aber auch deutlich, dass es sich beim Geomungo in der Vergangenheit um ein sehr beliebtes und somit häufig gespieltes Instrument handelte. 


In der heutigen Zeit hat sich dem Geomungo beispielsweise eine Künstlerin verschrieben, deren Künstlername sozusagen Programm ist. So tritt sie unter dem Namen „Geomungojari“ auf. Das Wort bezieht sich dabei auf ein Sternbild, das sich im Deutschen auf ein ganz anderes Saiteninstrument bezieht: nämlich die „Leier“. Das Sternbild Leier mit seinem Hauptstern Wega wird in Korea auch als die Weberin bezeichnet und erinnert an eine alte Legende chinesischen Ursprungs. In der westlichen Welt denkt man bei diesem Sternbild dagegen als erstes an Orpheus aus der griechischen Mythologie, Apollons musikalisch begnadeten Sohn. Der griechischen Sage nach steigt Orpheus in die Unterwelt hinab, um mit seinem Spiel auf der Leier den Gott Hades so sehr zu rühren, dass dieser Orpheus seine verstorbene Geliebte zurückgibt. Seine überirdische Musik hat Erfolg, doch am Ende scheitert die Rückholaktion an seiner eigenen fehlbaren Menschlichkeit. Als Orpheus stirbt, wird seine Leier an den Sternenhimmel versetzt und ist das heute im westlichen Raum bekannte gleichnamige Sternbild. 

Hinter dem Künstlernamen Geomungojari verbirgt sich die traditionelle koreanische Musikerin Kim Eun-seon김은선. Sie spielte zunächst in verschiedenen Fusion-Gugak-Gruppen, ging dann aber eigene Wege, um ihre Musik zu schreiben, die auf persönlichen Geschichten und Gefühlen beruhen. Im alten Korea war das Geomungo das angesehenste Instrument und galt als das Instrument der Seonbi선비 bzw. adligen Gelehrten. In jenen Tagen diente die Musik aber nicht nur zur Unterhaltung, sondern auch dazu, um den Geist zu trainieren und zu meditieren. Im „Samgukyusa“삼국유사, einer Sammlung von Legenden und historischen Berichten aus dem 13. Jahrhundert, heißt es, dass ein verstorbener König einmal einen Drachen zum Königreich Silla ausschickte, um eine magische Flöte mit dem Namen „Manpasikjeok“만파식적 zu überbringen. Spielte man auf diesem Blasinstrument, konnten damit angreifende Feinde zurückgedrängt, Regen herbeigerufen und alle Sorgen dieser Welt beseitigt werden. Mit dieser Flöte, so glaubte man früher, war es demnach möglich, die Außenwelt zu verändern. Und mit dem Spiel auf dem Geomungo wollte man, den damaligen Überlegungen folgend, nun die eigene Innenwelt beeinflussen. Man spielte also auf dem Geomungo, um innere Ruhe zu finden und Achtsamkeit zu trainieren. Und so ist es nicht verwunderlich, dass die Reaktionen ziemlich negativ ausfielen, als dieses sogenannte Instrument der Gelehrten Ende der Joseon-Zeit dazu genutzt wurde, um mit improvisatorischen Sanjo-Stücken starke Gefühlsbewegungen auszulösen. 


Das Gugak-Ensemble Geomungo Factory setzte sich aus drei Geomungo-Spielern und einer Gayageum-Spielerin zusammen. Sie experimentierten viel mit unterschiedlichen Spieltechniken, indem sie beispielsweise einen Bogen einsetzten, um damit über die Saiten von dem Geomungo zu streichen. Oder die Geomungo-Saiten wurden mit den Fingern gezupft, anstatt den Bambusstab Suldae zu benutzen. Das Ensemble löste sich schließlich nach nicht ganz zehn Jahren auf, ihren Experimentiergeist aber konnten diese Ensemble-Mitglieder an die vielen nachfolgenden jungen traditionellen Musiker weitergeben. Zu ihnen kann wohl auch Park Woo-jae박우재 gezählt werden, der einen Bogen über das Geomungo streicht und damit Klänge wie bei einem Cello oder Ajaeng아쟁 erzeugt. Zu diesem neuartigen Geomungo-Klang gesellt sich zusätzlich die Gesangsstimme der Sängerin Park Min-hee, wodurch am Ende im Musikstück mit dem klar vorgegebenen Titel „Stimme und Geomungo“ eine eindrucksvolle Klangwelt voller Mystik und Magie geschaffen wird. 


Musik

  1. „Leier“, dargeboten von Geomungojari 
  2. „Black Bird“, dargeboten von Geomungo Factory Black Bird
  3. „Stimme und Geomungo“, gespielt am Geomungo von Park Woo-jae 

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