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Lieder für die Toten

#Musik verbindet l 2023-11-30

Musik verbindet

Lieder für die Toten
Man sagt gerne, dass man jeden Tag leben sollte, als sei es sein letzter. Wir wissen alle, dass der Tod unausweichlich ist, und doch vergessen wir es gerne. In früheren Zeiten starben Menschen oft zuhause, und das ganze Dorf war in die Vorbereitungen und Durchführung der Beerdigung involviert. Die Dörfer hatten so oft mehrere Beerdigungen im Jahr, mindestens aber eine alle paar Jahre. Wenn man so oft Beerdigungen erlebt, erinnert einen das daran, dass Leben und Tod sehr nah beieinander sind. 
„Jindo Dasiraegi진도다시래기“ entstammt diesen Zeiten und damit also einer Kultur, in der Leben und Tod nicht so strikt getrennt wurden wie heute.

„Jindo Dasiraegi“ wurde auf der Insel Jindo am Tag vor dem Tragen des Sarges aus dem Haus aufgeführt. Es besteht aus Liedern, Instrumentalmusik und Theater und ist durchaus vulgär. Am Ende gibt es eine Szene, in der ein Baby geboren wird. Damit wurde der Familie die Hoffnung gegeben, dass der Verstorbene wiedergeboren wird und zur Erde zurückkehrt. In unserer heutigen Kultur, in der der Tod als etwas Schlimmes und Ernstes angesehen wird, erscheint Singen und Tanzen auf einer Beerdigung als sehr seltsam. Aber dies ist ein gutes Beispiel dafür, dass verschiedene Kulturen unterschiedliche Meinungen dazu haben, was für einen bestimmten Anlass akzeptabel ist. Das „Jindo Dasiraegi“ wurde aufgeführt, damit die trauernden Familienmitglieder nicht an ihrem Schmerz zerbrechen. Es war tröstend für sie, daran zu glauben, dass der Tod zwar unausweichlich am Ende eines Lebens steht, aber vielleicht eines Tages auch wieder Leben aus ihm erwächst.

Heute werden die Toten mit einem Leichenwagen zum Friedhof oder zum Krematorium gebracht, aber früher wurde der Sarg von Sargträgern auf einer Bahre getragen. Die Bahre, die auf Koreanisch Sangyeo상여 genannt wird, wurde mit farbigen Bändern und Blumen dekoriert und von mehreren Männern getragen. Wenn die Bahre aus dem Haus getragen wurde, wurde sie von einem Lied begleitet. Denn es war wichtig, dass die Sargträger im Team arbeiteten, wenn sie den schweren Sarg auf engen und unebenen Straßen trugen. Ein Lied half ihnen dabei, den Takt zu halten und im Gleichschritt zu gehen. Und der Text von der Flüchtigkeit des Lebens und vom letzten Urteil vor den Himmelstoren ließ die Menschen in der Beerdigungsprozession über Leben und Tod nachdenken und den Vorsatz fassen, ein besserer Mensch zu werden. 

Das „Jindo Sangyeo Sori진도상여소리“ besteht unter anderem aus dem „Hajiksori하직소리“, zu Deutsch „Abschiedslied“, und “Amitabul아미타불”. Das “Abschiedslied” wurde gesungen, wenn der Sarg aus dem Heimatdorf des Verstorbenen getragen wurde, mit „Amitabul“ wurde um sicheres Geleit für den Verstorbenen ins ewige Paradies gebeten. 
 
Nun möchten wir noch über den Jindo Ssitgim-gut씻김굿 sprechen, eine reinigende schamanische Zeremonie, mit der um sicheres Geleit für die Toten gebeten wurde. Sie folgt auf den Sonnim-gut손님굿, der der trauernden Familie ein langes und gesundes Leben wünschte, und den Jeseok-gut제석굿, der Reichtum und Wohlstand wünschte. Dann kommt das sogenannte Gopuri고풀이, bei dem eine schamanische Priesterin ein langes Baumwolltuch aufknotet. Es symbolisiert, dass die Priesterin allen Groll aus dem Herzen des Verstorbenen entlässt.
 
Beim Ssitgim-gut werden dann als nächstes die Kleider des Verstorbenen in eine Matte eingerollt und damit eine improvisierte Puppe gemacht, die dann noch einen Hut aufbekommt. Sie symbolisiert den Toten. Dann wäscht die Priesterin sie mit einem Besen und mit Beifuß getränktem Wasser. Auch hiermit sollen Groll und alte Sorgen entfernt werden. Im letzten Schritt wird dann noch der Weg ins Jenseits bereitet. Ein langes Stück Stoff wird auf dem Boden ausgebreitet, und ein großer Stein, der den Geist des Verstorbenen repräsentiert, darüber gerollt. Damit wird den Beerdigungsgästen gezeigt, dass der Verstorbene sicher auf die andere Seite gelangt. 

Musik
  1. „Jindo Dasiraegi“, gesungen von Kang Jun-seop
  2. „Hajiksori“ & „Amitabul“ aus dem „Jindo Sangyeo Sori“, gesungen von Cho Gong-rae
  3. „Ssitgimgeori“, gesungen von Song Sun-dan

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