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Wirtschaft

Aktienindex Kospi übertrifft erstmals Schwelle von 3000 Punkten

#Thema der Woche l 2021-01-11

Wirtschaft Aktuell

ⓒ Getty Images Bank

Der Leitindex der koreanischen Börse, Kospi, übersprang am Freitag zum ersten Mal seit der Öffnung des Aktienmarkts in Seoul am 3. März 1956 die Schwelle von 3000 Zählern. Im vergangenen Jahr durchlief der Index dramatische Phasen. Zu Jahresbeginn lag er im 2100-Bereich und fiel im März nach der Ausbreitung der Coronavirus-Pandemie auf unter 1500 Punkte. Doch er erholte sich und setzte seinen scheinbar unaufhaltsamen Aufwärtstrend fort. Kim Gwang-seok vom Institut für Koreanische Wirtschaft und Industrie sagt dazu:  


Es scheint, als ob der koreanische Aktienmarkt selber auf ein höheres Niveau vorangeschritten ist. Das ist umso bedeutungsvoller, als die Pandemie andauert und strikte Abstandsregeln gelten. Viele Analysten glauben, dass die wirtschaftlichen Unsicherheiten geringer geworden sind, während die Führungsstrukturen der Unternehmen transparenter wurden. Korea hat eine Reihe von Produkten, die den globalen Markt anführen einschließlich der Speicherchips und Sekundärbatterien. Zusammen mit diesen Faktoren haben die verbesserten wirtschaftlichen Fundamente den Leitindex Kospi auf über 3000 Punkte gehievt. 


Der Kospi hat damit andere globale Aktienindizes übertrumpft. Nach  Angaben der koreanischen Börse erholte sich der Kospi am schnellsten unter den Börsen der G20-Gruppe. Als Gründe dafür sehen Experten auch die erfolgreiche Eindämmung des Virus und die Stärkung der wirtschaftlichen Fundamente: 


Die Analysten denken nicht, dass die koreanische Börse mal eben so die 3000-Schwelle berührt hat. Sie denken, dass Industrien mit neuen Technologien den Anstieg förderten. In Japan dominieren traditionelle Industrien wie Maschinen, Chemie und Autos die Liste der größten Unternehmen aufgrund ihres Marktwerts. Im Vergleich dazu sind eine Reihe von Plattform-Betreiber, Chiphersteller und Erstausrüster an der koreanischen Börse notiert. Das deutet darauf hin, dass die koreanischen Industrien generell vorangeschritten sind und die Marktfundamente stärkten. 


Neben Halbleitern, die Schlüsselprodukte der koreanischen Industrie sind, besetzen Industrien, die sich auf die sogenannte BBIG - Bio, Batterie, Internet und Spiele – beziehen, die Liste der höchsten Kurswerte im Markt. Zwei Unternehmen verabschiedeten sich im vergangenen Jahr aus der Liste der Top Ten, das waren der Stahlhersteller POSCO sowie Samsung C&T, der Bau- und Handelsarm der Samsung-Gruppe. Sie wurden durch den Batteriehersteller Samsung SDI und Kakao, einen Messengerdienst, ersetzt. Unternehmen, die sich bereits unter den Top Ten befanden, darunter LG Chem, der Portalbetreiber Naver und die Biotechnik-Firmen Samsung Biolgocis und Celltrion trugen am meisten zum Höhenflug des Kospi bei. Aber auch Hyundai Motor und Hyundai Mobis, die die traditionelle Autobranche repräsentieren, konnten ihren Wert erheblich erhöhen, während sie in die Ära der ökofreundlichen Fahrzeuge eintreten. Auch die Kurse der beiden Chiphersteller Samsung Electronics und SK Hynix boomten: 


Der Kospi ist in diesem Jahr weiter im Aufwärtstrend, der gemeinsame Marktwert der vier größten südkoreanischen Unternehmensgruppen übersteigt zum ersten Mal 1000 Billionen Won. Inmitten der großen industriellen Transformation hängt der Unternehmenserfolg von Zweigen wie Sekundärbatterien, Chips, Bioprodukte und umweltfreundliche Produkte ab. Ihr rascher Aufstieg führt zu einer K-förmigen Erholung, was sich auf eine Entwicklung bezieht, bei der sich nur ausgewählte Sektoren erholen. Die Regierung und die Unternehmen sollten dies bei der Formulierung der Wirtschaftspolitik und der Managementstrategien berücksichtigen. 


Südkoreas Kreditausfallrisiko ist derweil auf das niedrigste Niveau gefallen, und das macht es für das Land einfacher, sich Auslandskapital zu beschaffen. Der Experte Kim sieht noch andere Faktoren für die Markterholung:


Während ausländische und institutionelle Investoren früher einen bedeutenden Anteil am koreanischen Aktienmarkt einnahmen, sah der Markt zuletzt eine wachsende Zahl von Einzelinvestoren. Auch trug die Geldpolitik der Regierung zur Markterholung bei. Der Leitzins ist an einem Tiefpunkt, und die Regierung setzte eine lockere Geldpolitik durch. Das Ziel war, die Wirtschaft anzukurbeln. Dabei flossen große Geldmengen in den Aktienmarkt. 


Doch der Höhenflug hat auch seine bedenklichen Seiten. Finanzminister Hong Nam-ki und der Gouverneur der Bank of Korea, Lee Ju-yeol, warnten auf Ungleichheiten in der Realwirtschaft und im Finanzmarkt: 


Die Regierung konzentrierte sich bisher auf Konjunkturpläne. Doch kann sie diese Linie wegen der Risiken für die finanzielle Stabilität nicht für immer fortsetzen. Sie wird vermutlich ihre lockere Geldpolitik beibehalten und die aggressive Ausgabenpolitik in diesem Jahr fortsetzen. Sie sollte jedoch auch die geldpolitische Gesundheit berücksichtigen, besonders angesichts der fallenden Steuereinnahmen und einer langsamen wirtschaftlichen Erholung. Ohne eine wirtschaftliche Erholung werden sich die Steuereinnahmen nicht erhöhen. In dieser Situation ist es unsicher, ob sich der Aufwärtstrend im Aktienmarkt fortsetzen wird. 

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