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Wirtschaft

Südkorea mit 1,6 Prozent Wachstum im ersten Quartal

#Thema der Woche l 2021-05-03

Wirtschaft Aktuell

ⓒ Getty Images Bank

Südkoreas Wirtschaft ist im ersten Quartal 2021 stärker als erwartet gewachsen. Nach Angaben der Bank of Korea legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Vergleich zum vierten Quartal 2020 um 1,6 Prozent zu. Angetrieben wurde das Wachstum von den Exporten und der Binnennachfrage. Der Privatkonsum stieg um 1,1 Prozent, die Exporte um 1,9 Prozent und die Sachinvestitionen um 6,6 Prozent. Das Wachstum überstieg das Niveau des vierten Quartals 2019, als Südkorea kurz vor dem Coronavirus-Ausbruch stand. Zum Thema sagt Bae Min-geun vom LG Economic Research Institute:


Exporte, die Inlandsnachfrage und die Verbraucherstimmung verbesserten sich rascher als erwartet. Insbesondere der Privatkonsum und die Sachinvestitionen weisen klare Anzeichen einer Erholung auf. Die Exporte gingen in der ersten Hälfte des vergangenen Jahres deutlich zurück, bevor sie in der zweiten Jahreshälfte wieder stark anstiegen. Die Ausfuhren kletterten im Vergleich zur ersten Jahreshälfte um 8 Prozent. Im ersten Quartal dieses Jahres stiegen sie um 1,9 Prozent. Die Zuwachsrate scheint sich verlangsamt zu haben, doch denke ich, dass die Exporte den Aufwärtstrend fortsetzen. Unterstützt wurden die robusten Exporte vom guten Abschneiden der Halbleiter, IT-Produkte, elektrischen Fahrzeuge und des Schiffbaus. Es scheint, als ob auch die Regierungsausgaben zur Stützung der Dienstleistungsindustrie und Selbstständigen halfen, dass der Konsum nicht einbrach. 


Das Quartalswachstum übertraf die Prognosen privater Wirtschaftsforschungsinstitute, internationaler Organisationen und globaler Investmentbanken. Die koreanische Wirtschaft erholte sich vom Pandemie-Schock schneller als andere Staaten, die die zehn größten Volkswirtschaften umfassen:


Nehmen wir an, dass der BIP-Wert im vierten Quartal 2019 bei 100 lag. Für die USA war der Wert im ersten Quartal dieses Jahres 98,9. Für Japan lag der Wert bei 97,7 und für Deutschland bei 94,9. Für Südkorea sind es 100,4, was andeutet, dass sich seine Wirtschaft am schnellsten unter den größten Volkswirtschaften erholt hat. Aufstrebende Wirtschaften wie China und Indien erholten sich rascher als Südkorea, ihr Wert lag bei 106,9 beziehungsweise 102,5. Doch die Situation in Indien bleibt unsicher, wenn man die enorme Zahl der Corona-Neuinfektionen berücksichtigt. Es wird angenommen, dass die Pandemie eine ernstere wirtschaftliche Auswirkung auf die USA und Europa hatte als auf Südkorea und China. Beide asiatischen Länder konnten in der Frühphase eine zu schnelle Verbreitung des Virus verhindern. 


Am 28. April teilte die internationale Ratingagentur S&P mit, sie werde die langfristige Kreditwürdigkeit Südkoreas auf dem vorherigen Stand von “AA”, zusammen mit einem stabilen Ausblick, belassen. Südkoreas Wirtschaft sei zwar im vergangenen Jahr wegen der Pandemie zum ersten Mal seit 1998 geschrumpft, doch sei der Rückgang geringer als in anderen Ländern mit hohen Einkommen ausgefallen. Die Wachstumsprognosen für Südkorea für dieses Jahr liegen im oberen 3-Prozent-Bereich oder sogar bei über 4 Prozent:


Wir müssen jedoch über einige negative Faktoren sprechen. Erstens, eine mögliche Anpassung der hohen Vermögenspreise und die explodierenden Schulden der Haushalte könnten den Privatverbrauch abbremsen. Eine steigende Zahl von Koreanern haben in Immobilien, Aktien, Bonds und virtuelle Währungen wie Bitcoin investiert. Doch eine potenzielle Anpassung in einigen volatilen Märkten könne sich negativ auf die gesamte Wirtschaft auswirken. Außerhalb Koreas geben die Beziehungen zwischen den USA und China Anlass zur Sorge. Geopolitische Risiken, die sich dadurch ergeben, können die Exportmärkte weltweit belasten.


Nach Angaben der Bank of Korea könnte die ungleiche Verteilung von Covid-19-Impfmitteln das Tempo beeinflussen, mit dem sich die größten Volkswirtschaften und die Schwellenländer erholen. Das sind nicht unbedingt gute Nachrichten für Südkorea, das stark von den Exporten abhängt: 


Korea hängt von den Exporten ab, wenn es um das Wachstum geht. Seine Exporte haben in den vergangenen 20 Jahren einen Boom erlebt, vor allem wegen des Aufstiegs aufstrebender Wirtschaft, einschließlich Chinas. Koreanische Unternehmen produzieren und verkaufen ihre Produkte in den aufstrebenden Ländern, die deshalb eine große Bedeutung für Korea als Produktionsbasis und Absatzmärkte haben. Verbrauchermärkte sind in den fortgeschrittenen Ländern konzentriert. Die Konzentration wird sich verstärken, falls die fortgeschrittenen Wirtschaften weiter eine bessere Position haben mit Blick auf den Umgang mit der Pandemie. Koreanische Firmen haben Güter in Entwicklungsländern mit niedrigen Arbeitskosten produziert. Doch werden sie es nicht mehr so einfach machen können, und sie könnten ihre Produktionsbasis verlegen. Die Übergangskosten könnten die koreanische Wirtschaft bis zu einem gewissen Grad treffen. Die USA und China drängen jeweils Südkorea, sich zwischen beiden Seiten zu entscheiden. Falls Korea eine Seite wählt, wird die andere Seite Vergeltung üben. Diese Risiken bleiben bestehen. 


Ein anderer verstörender Teil ist die wirtschaftliche Polarisierung in Südkorea. Während sich die Unternehmensstimmung insgesamt aufhellt, wächst die Kluft zwischen Exporteuren und Firmen, die vor allem den einheimischen Markt im Blick haben. Auch Bürger mit geringem Einkommen und die Selbstständigen spüren nicht wirklich die Erholung: 


Das Problem der Polarisierung besteht nicht erst seit kurzem. Korea ist nicht das einzige Land, das mit wirtschaftlicher und sozialer Polarisierung zu kämpfen hat. Viele Länder scheinen höhere Steuern von den Einkommensstarken und den Unternehmen verlangen zu wollen, während sie den Gruppen mit geringem Einkommen mehr Hilfen anbieten. Ich denke, Korea wird eine ähnliche Politik verfolgen. 

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