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Wirtschaft

Südkorea startet selbst entwickelte Weltraumrakete Nuri

#Thema der Woche l 2021-10-25

Wirtschaft Aktuell

ⓒ YONHAP News

Am 21. Oktober wurde vom Naro-Raumfahrtzentrum im südwestlichen Küstendorf Goheung Nuri, Südkoreas erste, selbstgebaute Trägerrakete für den Weltraum, gestartet. Sie erreichte in 16 Minuten eine Höhe von 700 Kilometern, konnte die Nutzlast-Attrappe jedoch nicht wie vorgesehen in die Umlaufbahn bringen, da das dreistufige Triebwerk früher als geplant stoppte.


Selbst bei den führenden Weltraum-Nationen sind weniger als 30 Prozent der neu entwickelten Raketen beim ersten Start erfolgreich. Unter diesen Umständen kann man sagen, dass der Jungfernflug der Nuri ein Erfolg war.


Kim Dae-ho, Direktor des Instituts für Weltwirtschaftsforschung, untersucht die Bedeutung und den wirtschaftlichen Wert des Nuri-Testflugs.


Um vollständig erfolgreich zu sein, hätte die Nuri-Rakete richtig fliegen und ihre Nutzlast in die Erdumlaufbahn bringen müssen. Die Trägerrakete flog ohne Aussetzer auf eine Höhe von 700 Kilometern, konnte den Satelliten aber nicht in die Umlaufbahn bringen. Aber solche Mängel können durch weitere Nuri-Tests behoben werden. Ich würde sagen, dass der Test ein 90-prozentiger Erfolg war.


Im Jahr 2013 startete Südkorea erfolgreich seine erste Weltraumrakete Naro. Während Naro nur einen kleinen Satelliten von etwa 100 Kilogramm transportieren konnte, ist die neue Nuri-Trägerrakete in der Lage, eine Nutzlast von 1,5 Tonnen zu tragen. Naro konnte 300 Kilometer fliegen, Nuri dagegen flog 700 Kilometer über der Erde. Vor allem aber wurde die erste Stufe der zweistufigen Naro-Rakete mit russischer Technologie gebaut. Die dreistufige Nuri hingegen wurde ausschließlich in Korea entwickelt, einschließlich Triebwerke und Startrampe. Deshalb wird Nuri auch als Südkoreas erste, selbstgebaute Satelliten-Trägerrakete bezeichnet.


Wenn ein Land schon früh Weltraumraketen entwickelt hat, ist es nicht bereit, die relevante Technologie an Nachzügler zu übertragen. Sie verkaufen auch keine relevanten Teile und Materialien. Denn die Vorreiter wollen nicht, dass ihre harte Arbeit und ihre Leistungen verloren gehen, wenn die Nachzügler sie eingeholt haben. Auch kann eine Rakete, die einen Atomsprengkopf statt eines Satelliten trägt, in eine ballistische Interkontinentalrakete verwandelt werden. Im Lichte der nationalen Sicherheit zögern führende Raumfahrzeug-Hersteller daher, Nachzüglern zu helfen. In diesem Sinne ist es für ein Land eine große Herausforderung, ohne fremde Hilfe eine Weltraumrakete eigenständig von Grund auf neu zu entwickeln. Trotz vieler Schwierigkeiten ist die südkoreanische Weltraumrakete erfolgreich losgeflogen, und das Projekt mit Investitionen von 1,8 Milliarden US-Dollar gilt als zufriedenstellend.


Etwa 300 koreanische Firmen waren am Nuri-Projekt beteiligt, darunter Schwergesichte wie Hanwha Aerospace und Hyundai Heavy Industries, aber auch kleine und mittelständische Hersteller von Materialien, Teilen und Ausrüstung.


Private Firmen leiten bereits in vielen Ländern die Luft- und Raumfahrtindustrie. Auch südkoreanische Unternehmen dürften durch Entwicklung und Test der Nuri-Rake ihre Kenntnisse in der Weltraumforschung vergrößert haben.


Wenn die Triebwerke der Nuri-Rakete an Flugzeuge angepasst werden, kann sich die koreanische Luftfahrtindustrie erheblich weiterentwickeln. Neue Technologien wie das wasserdichte Gore-Tex-Gewebe, Wasserreiniger und Mikrowellen-Geräte sowie das medizinische Bildgebungsverfahren MRI wurden alle im Zuge der Weltraumforschungen entwickelt. Kurz gesagt, der durch die Erforschung des Weltraums geschaffene Mehrwert ist unendlich. Der Nuri-Test ist in der Tat ein wichtiger Meilenstein in der südkoreanischen Raumfahrt und führt hoffentlich zu industriellen und wissenschaftlichen Innovationen.


Südkorea könnte in den nächsten zehn Jahren etwa 100 Satelliten ins All schicken, unter anderem für Koreas eigene GPS-Version, um von anderen Ländern unabhängig zu sein. Es wird auch die Wettbewerbsfähigkeit der Telekommunikationsindustrie bei ihrer Vorbereitung auf die sechste Generation von Mobilnetzen stärken.


Der Nuri-Raketentest war erst der Anfang. Im Mai nächsten Jahres ist der zweite Leistungstest geplant, und bis 2027 soll Nuri noch viermal ins All fliegen. 


Im ersten Schritt wird die Nuri-Rakete einen Satelliten tragen und in eine Umlaufbahn bringen. In der zweiten Phase will Korea Technologien für den Transport mehrerer Satelliten mit einer einzigen Rakete entwickeln. Derzeit trägt eine Trägerrakete einen Satelliten. Die dritte Stufe beinhaltet Reisen zum Mond und zum Mars. Hier befinden sich gerade die USA, China, Russland und Indien. In der vierten Phase werden Raumschiffe mit Passagieren an Bord in den Weltraum fliegen, wo menschliche Siedlungen gebaut werden. Jetzt, wo Südkorea ein Raumfahrzeug erfolgreich auf 700 Kilometer Höhe geschickt hat, wird es den technologischen Rückstand schneller aufholen können.


Südkorea hat einen beachtlichen Erfolg erzielt, obwohl es eigentlich ein Neuling im Weltraum ist. Im vergangenen Jahr investierten die USA 48 Milliarden Dollar in die Weltraumentwicklung und Russland 35,8 Milliarden Dollar. China und Japan gaben 8,8 Milliarden Dollar bzw. 3,3 Milliarden Dollar aus. Südkoreas Budget für sein Raumfahrtprogramm beträgt gerade einmal 700 Millionen Dollar. Seine Raumfahrt hat noch einen langen Weg vor sich.


Als Christoph Kolumbus vor 500 Jahren den amerikanischen Kontinent entdeckte, beherrschten diejenigen die Welt, die die Meere beherrschten. Jetzt werden diejenigen, die die Raumfahrtindustrie anführen, die Welt anführen.


Südkorea ist ein führendes Technologie-Land, seine Smartphones dominieren den Weltmarkt. Es ist notwendig, die erforderliche Ausbildung in den Schulen zu stärken und ein Rechtssystem für die Entwicklung der Raumfahrtindustrie zu schaffen. Vor allem die staatliche Entwicklung der Raumfahrttechnologie und die kommerzielle Nutzung des Weltraums durch private Unternehmen sollten Synergieeffekte erzeugen. Zu diesem Zweck sollte die Regierung die Branche unbedingt unterstützen und die Öffentlichkeit für dieses Thema sensibilisieren.


„Nuri“ bedeutet auf Koreanisch „Welt“. Der Name der Rakete beinhaltet die Hoffnung, den Weltraum zu erreichen und eine neue Welt zu erkunden. Korea könnte dank seiner Ingenieurleistungen und der öffentlichen Unterstützung seinen Traum verwirklichen, bis 2030 eine Sonde zum Mond zu schicken. 

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