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Kultur

Wintersonnenwende und Weihnachten

#Musik verbindet l 2020-12-23

Musik verbindet

Wintersonnenwende und Weihnachten

Am letzten Montag war Dongji bzw. Wintersonnenwende, dem Tag mit der längsten Nacht des Jahres. Das bedeutet zugleich, dass die Tage danach wieder länger werden. In der Vergangenheit wurde Dongji als Beginn eines neuen Jahres gesehen und symbolisierte deshalb die Rückkehr der Sonne. Ein Brauch an Dongji war, Brei aus roten Bohnen zu essen. Denn man glaubte, dass man mit der roten Farbe böse Geister vertreiben könne. Dongji fällt für gewöhnlich auf den 22. oder 23. Dezember und tritt häufig als Motiv in Gedichten und Liedern auf. Ein Gedicht, verfasst von der bekannten Gisaeng Hwang Jin-i황진이 aus der Joseon-Zeit, wird bis heute noch als Lied gesungen. Darin heißt es:


Ich zerschneide die lange, tiefe Winternacht mittendurch

und wickle sie in eine Decke aus warmer Frühlingsbrise,

Wenn mein Geliebter heimkehrt eines Nachts, werde ich sie wieder ausrollen.


An diesem Freitag wird Weihnachten gefeiert. Über die Geburt von Jesus existieren keine genauen Aufzeichnungen und so gibt es Theorien darüber, dass die alten Feierlichkeiten für die Rückkehr der Sonne nach der Wintersonnenwende mit der Vorstellung von der Geburt Jesus zusammenfielen. Tatsächlich ist es nicht wichtig, genau zu wissen, wann Jesus geboren wurde. Die Bedeutung von Weihnachten ist, sich der christlichen Lehren zu besinnen und darüber zu reflektieren. Das Leben von Jesus hat sich auch das Pansori „Yesujeon”예수전 zum Motiv genommen. Dieses Pansori-Stück wurde von dem bekannten traditionellen Sänger Park Dong-jin박동진 in den 1970er Jahren komponiert. Eines Tages besuchte ein Pfarrer Park mit christlichen Textstellen und bat ihn, Lieder dazu zu schreiben. Park war zu jener Zeit selbst keiner Konfession anghörig, aber er nahm den Auftrag an, um im Fernsehen auftreten zu können. Die Beschäftigung mit den Textstellen bewegte Park am Ende so sehr, dass er später den christlichen Glauben annahm. 


In Korea wurde der Katholizismus nicht als Religion, sondern als „westliches Lernen“ eingeführt. Der Katholizismus fand seinen Weg nach Korea im 17. Jahrhundert und der Protestantismus im späten 19. Jahrhundert. Kurioserweise entdeckte man jedoch ein christliches Kreuz sowie eine Statue der heiligen Jungfrau Maria bereits in einem Grab aus der Zeit des vereinigten Silla-Königreiches, das zwischen dem späten 7. Jahrhundert und dem frühen 10. Jahrhundert existierte. Wie hatten aber diese christlichen Relikte etwa 1000 Jahre, bevor der christliche Glaube in das Land eingeführt wurde, ihren Weg in das Grab gefunden? Einer Theorie zufolge spielte die Tang-Dynastie dabei eine wichtige Rolle. Das Christentum wurde in China um das 7. Jahrhundert während der Tang-Dynastie bekannt und von dem damaligen Kaiser Taisong freundlich aufgenommen, worauf es sich in China verbreitete. Die westliche Religion wurde schließlich so populär, dass es an Beliebtheit dem Buddhismus nahekam. Von China aus verbreitete sich das Christentum, so glaubt man, auch auf das benachbarte Silla-Königreich. Es stellt sich also heraus, dass die Geschichte des Christentums auf der koreanischen Halbinsel somit womöglich länger zurückreicht als anfangs angenommen. Zu Weihnachten herrscht auch in Korea für gewöhnlich eine festliche Stimmung, doch wegen der Corona-Pandemie wird in diesem Jahr das Fest zurückhaltener gefeiert und der Schwerpunkt liegt auf seiner religiösen Bedeutung. In diesem Jahr hatte man mit vielen Schwierigkeiten und Leid zu kämpfen, weshalb das Jahresende mit mehr Ernst und Zurückhaltung, aber auch mit einem hoffnungsvollen Blick auf das nächste Jahr begangen wird. 


Musik

  1. „Tiefe Winternacht“, gesungen von Ji Min-a 이수대엽 동짓달 / 노래 지민아
  2. Arie aus dem Pansori „Yesujeon“, gesungen von Park Dong-jin und begleitet an der Trommel von Ju Bong-sin 판소리 예수전 중 예수 탄생 대목 / 소리 박동진, 북 주봉신
  3. „Winterwunderland“, gespielt am Gayageum von Jeong Gil-seon Winter Wonderland / 가야금 정길선

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