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Kultur

Yun Heung-gil: „Brennstoff“

#Literatur zum Hören l 2021-01-05

Literatur zum Hören

ⓒ Getty Images Bank


In der Erzähltrilogie „Brennstoff“ beschreibt der Ich-Erzähler, ein Junge im Teenager-Alter, der auf dem Land lebt, das harte Leben seines Vaters unmittelbar nach dem Koreakrieg. 



Ich konnte nichts sehen, aber jedes Geräusch hören. Viel zu deutlich. Ich wurde fast verrückt. Vater ging viel zu hastig zu Werke. Als wollte er auf frischer Tat ertappt werden, machte er so viel Lärm, dass das ganze Dorf aufwachen musste.  

„Keine Bewegung!“, hörten wir plötzlich eine Stimme, begleitet vom Schein einer Taschenlampe. Mein Vater zuckte zusammen. 

"Wer ist da?", fragte der Waldhüter. 

"Schalten Sie zuerst die Taschenlampe aus", antwortete mein Vater.

"Halt die Klappe und zeig mir deinen Ausweis."

"Wer sind Sie, dass Sie meinen Ausweis verlangen?"

"Na, wer wohl? Ich bin der Waldhüter von Soradan. "

"Ich habe keinen Ausweis. Ich habe ihn zu Hause gelassen."

„Nun, ich dann muss dir wohl eine Lektion erteilen, du Dieb. Los, zum Wachbüro. "

"Wagen Sie es nicht, mich vor meinem Sohn einen Dieb zu nennen!"

"Ha! Wie kann jemand, der sich so um seinen Sohn sorgt, ihn direkt mit an den Tatort bringen? “

"Hören Sie auf, so zu sprechen. Lassen Sie uns ruhig miteinander reden, unter vier Augen, wenn ich den Jungen weggeschickt habe", meinte mein Vater.

Und schon rannte ich los.


Als ich außer Sichtweite des Waldhüters war, hielt ich an. Hier wollte ich auf den Vater warten. Nach einer Weile sah er ihn den Berg herunterkommen. Seine Kiepe war – voller Äste. Ich war erstaunt.

„Was machst du noch hier? Ich habe dir doch gesagt, du sollst nach Hause gehen “, rief er. 

Ich hatte keine Antwort auf die Schelte meines Vaters.

„Du hast es doch gesehen, oder? Wie habe ich diesen frechen Waldhüter rundgemacht habe? Das hast doch gesehen, oder?“

Ich nickte heftig, denn so war es. Ich sah mit meinen eigenen Augen, wie er den Waldhüter anschrie. Seine Stimme wurde plötzlich lebhaft.

„Ich habe ihm gesagt, dass es sich nicht gehört, jemanden ohne guten Grund zu bedrohen. Er hat sich bei mir entschuldigt. Ich habe ihm gesagt, dass ich normalerweise nicht mitten in der Nacht Brennholz hacke. Und siehe da, er hat mir angeboten, mir Brennholz zu geben, und es sogar auf meinen Gepäckträger geladen“, sagte der Vater.

Dann ließ er wie zur Bekräftigung seine Schultern zucken, und die auf dem Träger gestapelten Tannenzweige raschelten. Aus irgendeinem Grund war ich froh, dass ich alleine weggelaufen war und mich hier versteckt hatte.

„Du kannst deiner Mutter erzählen, dass du gesehen hast, wie dein Vater diesem unhöflichen Waldhüter eine Lektion erteilt hat“, sagte mein Vater.

Dann schlenderte er voraus und ich folgte ihm.




Yun Heung-gil, geboren 1942, begann seine literarische Laufbahn 1968. Bekannt ist er durch Erzählungen wie Der Mann, der neun Paar Schuhe hinterließ (1974). Im Jahre 2020 erhielt er den Bak-Gyeongni-Literaturpreis. Seine Erzählung „Brennstoff“ entstand 1978.

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