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Nordkorea

Die Geschichte von Panmunjom

#Blick auf Nordkorea l 2020-11-12

Schritte zur Wiedervereinigung

ⓒ YONHAP News

Seit dem 6. November sind wieder Besuche von Zivilisten im innerkoreanischen Waffenstillstandsdorf Panmunjom erlaubt. Die Reisen dorthin waren mehr als ein Jahr wegen des Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest im Grenzgebiet sowie der Infektionskrankheit Covid-19 unterbrochen. Wer zum Grenzort Panmunjom will, kann sich in Südkorea auf der Website des Vereinigungsministeriums darum bewerben. Was ist die Geschichte und die Bedeutung Panmunjoms? Dazu sagt Bong Young-shik vom Yonsei-Institut für Nordkorea-Studien:  


Nach seinem Amtsantritt äußerte Südkoreas Vereinigungsminister Lee In-young seine Hoffnung, den Weg für die innerkoreanische Zusammenarbeit auf kreative Weise ebnen und dazu mit etwas Kleinem beginnen zu können. Als Teil dieser Initiative teilte das Vereinigungsministerium im vergangenen Monat mit, dass die Reisen nach Panmunjom am 6. November wieder aufgenommen werden. Die Bewerbungen für Besuche mussten vorher an die Ministerien für Vereinigung un Verteidigung sowie an den staatlichen Nachrichtendienst geschickt werden. Das Bewerbungssystem wurde nun unter dem neuen Tourismusförderzentrum des Vereinigungsministeriums vereinheitlicht. Das Ministerium hat das Alter für Bewerber für das Tourprogramm von zehn auf acht herabgesetzt. Früher konnten nur Reisegruppen von 30 bis 40 Leuten das Gebiet besuchen. Doch jetzt können sich Interessenten auch einzeln oder als Familie anmelden, so dass es für mehr Menschen einfacher ist, in das Waffenstillstandsdorf zu reisen. 


Der frühere Name des Orts lautete Neolmun-ri. Neolmun bedeutet “hölzerne Tür” und Ri steht für eine dörfliche Verwaltungseinheit. Das Bauerndorf in der nördlichen Provinz Gyeonggi wurde so genannt, weil die früheren Häuser dort Holztüren hatten: 


Während des Korea-Kriegs begannen am 8. Juli 1951 erste Gespräche über einen Waffenstillstand im nördlichen Gaeseong. Es gab 20 Verhandlungsrunden, bis das UN-Kommando vorschlug, wegen der Gefahr militärischer Aktivitäten der nordkoreanischen Truppen in der Nähe den Treffpunkt zu wechseln. Nordkorea schlug das nahe gelegene Dorf Neolmun-ri vor, das wegen seiner Taverne bekannt war. Die Verhandlungen wurden am 22. Oktober 1951 in einem Zelt wiederaufgenommen. An den Gesprächen nahmen das von den USA angeführte UN-Kommando sowie nordkoreanische und chinesische Militärs teil. Die chinesischen Schriftzeichen für die Neolmun-ri-Taverne wurden Panmunjom ausgesprochen. Pan, Mun und Jom bedeuten “Holzbrett”, “Tür” und “Taverne”. Eine Brücke in dem Dorf hieß ursprünglich Neolmun-Brücke. Doch nachdem der Waffenstillstandsvertrag im Juli 1953 unterzeichnet worden war, wurde die Brücke, die über die militärische Demarkationslinie führt, in “Brücke ohne Wiederkehr” umbenannt. Sie wurde am Ende des Kriegs für den Gefangenenaustausch benutzt. Den Gefangenen wurde ein Ultimatum gesetzt, da es für sie nicht mehr möglich sein sollte, zurückzukehren, sobald sie die Brücke überquert haben. 


Nachdem sich die Waffenstillstandsverhandlungen hinzogen, wurden provisorische Gebäude einschließlich der Konferenzbauten für die Militärische Waffenstillstandskommission und der Überwachungskommission Neutraler Länder zu ständigen Einrichtungen. Betongebäude wie das Freedom House im Süden und Panmungak im Norden wurden 1965 beziehungsweise 1969 innerhalb von Panmunjom errichtet. Weil Süd- und Nordkorea in den 1980er Jahren ihre Gespräche ausweiteten, wurde auf südkoreanischer Seite von Panmunjom das Peace House oder Friedenshaus gebaut, während das Tongilgak auf nördlicher Seite entstand: 


Das Freedom House steht gegenüber dem nordkoreanischen Gegenstück Panmungak. Zwischen den beiden Gebäuden stehen die blauen Konferenzbauten der Militärischen Waffenstillstandkommission in der Mitte der Gemeinsamen Sicherheitszone (JSA/Joint Security Area). Auf südlicher Seite befindet sich außerdem das Peace House etwa 100 Meter entfernt vom Freedom House. Tongilgak steht 100 Meter von Pamnungak entfernt. Das Peace House war der Ort, wo das innerkoreanische Gipfeltreffen im April 2018 abgehalten wurde.  


Gegenwärtig stehen sich Wachposten aus Süd- und Nordkorea in der JSA gegenüber. Das war nicht immer der Fall. Nach der Unterzeichnung des Waffenstillstandsvertrags gab es noch keine klare Grenzlinie in Panmunjom. Soldaten beider Seiten konnten sich damals unterhalten. Das änderte sich 1976 nach einem blutigen Zwischenfall: 


1976 töteten nordkoreanische Soldaten zwei amerikanische Offiziere mit einer Axt, die in Panmunjom einen Baum fällen wollen. Nach dem berüchtigten “Axt-Zwischenfall” wurde die Brücke ohne Wiederkehr geschlossen, und eine militärische Demarkationslinie wurde innerhalb der JSA gezogen. Eine 50 Zentimeter breite und 5 Zentimeter hohe Betonplatte wurde installiert, um die Linie zu markiern und mögliche Auseindandersetzungen zu verhindern. Danach war es Menschen beider Seiten nicht mehr erlaubt, über die Linie zu gehen.


Panmunjom war jedoch auch der Ort für innerkoreanische Gespräche. Südkoreas Präsident Moon Jae-in und der nordkoreanische Machthaber Kim Jong-un hielten dort ihren ersten Gipfel im Peace House am 27. April 2018 ab. Einen Monat später fand ihr zweites Treffen im Tongilgak statt: 


Ich kann mich noch sehr lebendig an den Moon-Kim-Gipfel im April 2018 erinnern. Beide Staatsführer überquerten gemeinsem die Grenze zum Norden und kehrten dann in den Süden zurück. Die erinnerungswürdige Szene symbolisierte die grenzüberschreitende Aussöhnung und Zusammenarbeit.

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