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Nordkorea

Scheidung in Nordkorea

#Blick auf Nordkorea l 2020-12-10

Schritte zur Wiedervereinigung

ⓒ Getty Images Bank

Die Corona-Pandemie hat viele Menschen dazu gezwungen, länger zuhause zu sein. Für viele verschärften sich auch die finanziellen Probleme. Die Situation brachte es mit sich, dass es in China, den USA und Großbritannien mehr Scheidungsfälle gab. Etwas ähnliches passiere auch in Nordkorea, wenn auch in etwas anderer Weise, sagen Quellen, die mit dem Land vertraut sind. Damit ändere sich auch etwas in dem sonst abgeschotteten Land. Zum Thema sagt der südkoreanische Anwalt Oh Hyun-jong:


Es wird gesagt, dass es in diesem Jahr in Nordkorea mehr Scheidungen gegeben hat und mehr Familien auseinander gebrochen sind. Zahlreiche In Nordkorea unterstützen viele Ehefrauen ihre Familie, indem sie auf dem Markt arbeiten. Doch die Pandemie hat die privaten Märkte nahezu gelähmt, und viele Haushalte leiden unter den finanziellen Lasten. Das führte zu Ärger in den Familien, und zahlreiche verheiratete Paare gingen getrennte Wege. Viele, die heiraten wollten, haben ihre Hochzeitspläne verschoben oder abgesagt, während eine zunehmende Zahl junger Paare, die nicht legal gebunden sind, ihre Kinderpläne verschieben. Die nordkoreanischen Behörden billigen nur selten eine Scheidung, so dass diejnigen, die eine Trennung wollen, diese nicht offiziell melden, sondern einfach getrennt voneinander leben.


In Nordkorea ist Eheleuten anders als etwa in Südkorea eine Trennung nur dann erlaubt, wenn das Gericht darüber entscheidet: 


Nordkoreas Scheidungssystem ist gesetzlich verankert. Das Familiengesetz besteht aus sechs Abschnitten und 54 Paragraphen. Laut Artikel 20 müssen ein Ehemann und eine Ehefrau, die sich trennen wollen, zum Gericht gehen. Diese Vorschrift besteht seit 1956, als der Kabinettsbeschluss Nummer 24 die einvernehmliche Scheidung abschaffte und das Gericht entscheiden ließ, ob eine Scheidung akzeptabel ist. Die Familien in Nordkorea existieren zu dem Zweck, den Interessen der Partei und des Staats zu dienen. Paare halten Hochzeitszeremonien nicht mit dem Segen ihrer Angehörigen und Freunde ab, sondern unter dem wachsamen Auge lokaler Parteifunktionäre. Eine Scheidung ist keine simple persönliche Angelegenheit. Die Partei und der Staat mischen sich dabei ein.


Sobald ein Gericht einer Scheidung zustimmt, kann das betreffende Paar durch Vereinbarung Fragen wie Sorgerecht für die Kinder und Aufteilung des Familienbesitzes bestimmen:


Von geschiedenen Paaren wird erwartetet, dass sie Fragen, die das Sorgerecht betreffen, im Interesse der Kinder klären. Wenn sie keine Vereinbarung treffen können, entscheidet das Gericht. Betont werden musse, dass Kinder unter drei Jahre von ihren Müttern großgezogen werden sollten, es sei denn, es liegen besondere Gründe vor. Eine Frau, die ihre Kinder nicht aufzieht, muss dafür an die andere Partei zahlen, bis die Kinder im erwerbsfähigen Alter sind. Das Gericht entscheidet unter Berücksichtigung der Zahl der Kinder über die Höhe des Kindergelds. Das liegt bei 10 bis 30 Prozent des monatlichen Einkommens. Wenn Paare nach ihrer Scheidung keine Einigung über die Aufteilung des Familienbesitzes erzielen, entscheidet wieder das Gericht. Doch nur wenige Menschen haben in Nordkorea Privatbesitz, so dass Streitereien über Besitzümer eher selten sind.


Bevor sie wegen einer Scheidung zum Gericht gehen, diskutieren die betroffenen Paare normalerweise ihre Probleme mit Mitgliedern des Inmiban, oder “Volkseinheit”, was eine Art kleines, nachbarschaftliches Aufsichtsgremium in Nordkorea ist. Sie geben den Paaren Ratschläge: 


Eine Umfrage zeigt, dass “keine Kinder” bei etwa 9 Prozent der Scheidungsgründe angegeben wird, häusliche Gewalt bei 10 Prozent, Mangel an Intimität oder sexueller Befriedigung bei 11 Prozent, Untreue bei 19 Prozent, verschiedene Überzeugungen und Werte bei 29 Prozent und die Aufdeckung eines unangemessenen Familienhintergrunds bei 29 Prozent. Der Ehebruch wird selten als Grund für eine Scheidung akzeptiert. Selbst wenn eine Frau entdeckt, dass ihr Ehemann eine Affäre hat, toleriert sie es. Das ist mit vielen Ehefrauen so.


Die Scheidungsrate ist in Nordkorea sehr niedrig. Die meisten Menschen können sich die Scheidungsverfahren nicht leisten, und die akzeptierten Gründe sind streng geregelt. Auch gilt eine Scheidung als schändlich: 


Als Nordkorea Mitte der 1990er Jahre extreme wirtschaftliche Probleme hatte, beantragten viele Ehefrauen eine Scheidung von ihren Männern, die nicht ausreichend Lebensmittel nach Hause brachten. Das führte zu einer große Zahl von Scheidungen. Wahrscheinlich aus diesem Grund stiegen die legalen Kosten für einen Scheidungsfall dramatisch an. Auch müssen diejenigen, die zum zweiten Mal eine Scheidung bentragen, eine Petition bei einem höheren Gericht einreichen. Artikel 86 des Zivilverfahrensgesetzes besagt, dass schwangere Frauen und Mütter mit einem Kleinkind unter einem Jahr nicht Gegenstand einer Petition sein können. Diese Regelungen macht es für Paare schwieriger, sich scheiden zu lassen.

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