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Nordkorea

Die Dating-Kultur in Nordkorea

#Blick auf Nordkorea l 2021-01-21

Schritte zur Wiedervereinigung

ⓒ Getty Images Bank

Viele Menschen in Südkorea denken, dass Nordkoreaner sehr konservativ sind, wenn es um die Dating-Kultur geht. Sie glauben, dass die meisten jungen Nordkoreaner die Partnersuche ihren Eltern oder Experten in dem Bereich überlassen. Zum Thema sagt die aus Nordkorea stammende Journalistin Kang Mi-jin, die heute bei der Internetzeitung Daily NK in Seoul arbeitet: 


Ich besuchte Mitte der 1980er Jahre eine Hochschule in Nordkorea. Damals war das Dating auf dem Campus streng verboten. Wenn Studenten dabei erwischt wurden, wurden sie stark kritisiert. Es wurde angenommen, dass Dating einen schlechten Einfluss auf andere Studenten haben kann. Es ist also keine Überraschung, dass die Menschen das Dating als etwas Negatives angesehen haben und dass nur wenige aus Liebe heirateten. Bis in die 80er Jahre galt es allgemein als gegeben, dass Liebesheiraten in einer Scheidung enden, weil sie etwas Unnormales waren. Liebe und Dating wurden unter dem früheren Machthaber Kim Jong-il stark kontrolliert. Dating galt als Produkt des Kapitalismus und unanständige Sache, die dem Sozialismus schadet.


Doch die Wahrnehmung der Dating-Kultur durch die Nordkoreaner hat sich in den vergangenen Jahen gewandelt. Die Bürger haben normale Verarbredungen, es ist normal, Paare auf den Straßen zu sehen, die Arm in Arm spazierengehen. Dating und das Zeigen von Gefühlen gelten als natürlich, seit der jetzige Machthaber Kim Jong-un Arm in Arm mit seiner Frau Ri Sol-ju an öffentlichen Orten auftrat. Auch die südkoreanische Popkultur, die Nordkoreanern durch TV-Serien und Filme bekannt ist, hat zum Wandel beigetragen: 


Ich denke, die Szene, als Kim Jong-un öffentlich Arm in Arm mit seiner Frau auftrat, war ein großer Schock für viele Bürger. Wenn Frauen sich früher bei einem Mann einhängten, war der Mann oft peinlich berührt und machte sich los. Doch nach den öffentlichen Szenen von Kim und seiner Frau verbreitete sich eine neue Kultur der sichtbaren Liebesbezeugungen. Die Menschen küssten sich auf den Straßen und in den U-Bahn-Stationen in Pjöngjang. Viele junge Leute haben Zugang zu TV-Serien und Filmen aus Südkorea und China. Das ist teilweise der Grund, warum man leicht Paare auf den Straßen Hand in Hand sieht. Fotos aus Pjöngjang zeigen, dass auch Männer mittleren Alters für alle sichtbar ihren Arm um eine Frau legen. Das ist in der Tat eine deutliche Veränderung.


In der Hauptstadt sind Paare vor allem an populären Orten wie dem Kunstmuseum, am Fluss Taedong sowie im Moranbong-Park zu sehen. Es wird gesagt, dass es sogar einen Geschäftszweig gibt, durch die Paare an bestimmten Orten privater Raum gegeben wird: 


Es gibt schöne Gehwege und Parks entlang der Flüsse sowie Orte, die eine schöne Sicht auf die großen Städte bieten. In Pjöngjang besuchen Paare verschiedene Orte wie den Moranbong-Park oder das Gebiet um den Yongnam-Berg, wo sich die Kim Il-sung-Universität befindet, einen Wasserpark oder Kinos. In den Regionen, wo es so etwas nicht gibt, werden Plätze eingerichtet, die als “Warte-Unterkunft” bezeichnet werden. Das können Häuser sein, die sich an Bahnhöfen oder Bushaltestellen befinden. Paare mieten solche Plätze für kurze Zeit, um gemeinsam zu essen und Zeit für sich zu haben. Die Mietgebühren dafür sind niedriger als für normale Unterkünfte.


Früher vor vor allem Männer Geld aus, wenn sie einen Date hatten. Aber auch das hat sich gewandelt: 


Von den 90ern an bis zu den 2010er Jahren wurden viele Nordkoreanerinnen finanziell unabhängig. Dadurch wurden Frauen aktiver, wenn es ums Geldausgeben bei verschiedenen Gelegenheiten einschließlich einer Verabredung ging. Männer wie auch Frauen konnten in Nordkorea in den vergangenen zehn Jahren einen Aushilfsjob auf Tagesbasis haben.


Flüchtlinge aus Nordkorea erzählen, dass sich die Männer in ihrer alten Heimat vor allem Frauen mit einem eleganten Flair hingezogen fühlten, während die Frauen zuerst auf den Familienhintergrund des Mannes und seine politischen Einstellungen guckten. Heutzutage ist die finanzielle Lage wichtiger geworden: 


Früher war es wichtig, ob eine Person ein Parteimitglied ist, welchen Beruf er oder sie ausübt und aus welcher Familie sie kommt. Doch mit dem Einzug kapitalistischer Elemente in die nordkoreanische Gesellschaft wurde seit Mitte der 2000er Wohlstand zur Priorität. Die Menschen waren mehr an der finanziellen Stabilität des potenziellen Partners interessiert und nicht an dem, was der Staat oder die Partei will. Es wird gesagt, dass Vermittlungsdienste vor allem für Personen werben, die Verwandte in Südkorea haben. 

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