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Nordkorea

Inneneinrichtungen in Nordkorea

#Blick auf Nordkorea l 2021-07-08

Schritte zur Wiedervereinigung

ⓒ Getty Images Bank

In Südkorea verändern zahlreiche Menschen ihre neue Wohnung, bevor sie dort einziehen und die Inneneinreichtung wechseln. Wie ändern Nordkoreaner ihre Wohnungen oder statten sie aus? Zum Thema sagt Choi Hee Sun von der Graduiertenschule für Kunst an der Chung-Ang-Universität in Südkorea: 


Industriekunst in Nordkorea zeigt, dass Innenreichtungen mit Dekoration zu tun haben. Industriekunst ist Kunst für die Massenproduktion und bezieht auch das Design für die Wohnungsnutzung ein. In Nordkorea liegt der Schwerpunkt auf ein effektives Raumdesign. Innenraumausstatter arbeiten vor allem an öffentlichen Gebäuden wie Bildungseinrichtungen sowie Kultur- und Transportanlagen. Sie entwerfen die innere und äußere Ausstattung für große Gebäude, Werbeschilder sowie Möbel und die Beleuchtung in Unterhaltungseinrichtungen. In Südkorea geht es bei der Innenausstattung mehr um die Anordnung der Möbelstücke, Beleuchtung und anderes nach dem Geschmack des Kunden. In Nordkorea führen Ausstatter des Koreanischen Verbands für Industriekünstler ihre Aufgaben eher in Übereinstimmung mit der Parteipolitik als für einzelne Kunden aus.


Aber auch in Nordkorea werden kundenspezifische Wünsche für die Inneneinrichtung erfüllt. Dies ist jedoch mehr der wohlhabenden Schicht vorbehalten:


Ich glaube, dass in Nordkorea die Innenausstattung, die sich nach einzelnen Kunden richtet, nach Beginn der 2000er auftauchte, als der Privatmarkt, oder Jangmadang, aufblühte. Nach der Fertigstellung der Changjon-Straße in Pjöngjang 2012 begannen Bewohner älterer Häuser im Zentralbezirk und am Fluss Taedong damit, ihre Küchen und Badezimmer zu renovieren, was einen Inneneinrichtungs-Boom losgetreten hat. Die neue wohlhabende Schicht, die auch als Donju bekannt ist, kauften sich Luxusmöbel und Materialien für die Wohnungseinrichtung über Devisenläden. Mit dem Aufblühen kapitalistischer Wohnkultur brach sich auch das Geschäft mit der Innenausstattung als Beruf Bahn. Laut Medienberichten boomte das Geschäft in den Anfangsjahren der Herrschaft von Machthaber Kim Jong-un. Doch gegenwärtig können sich reichere Nordkoreaner keine Innenausstattungen leisten, da das Land bis zum Jahresende 10.000 neue Wohnungen in Pjöngjang bauen will, und es ist nicht einfach, Möbel und Qualitätsmaterial zu importieren.


Zuletzt hatte die Propaganda-Website DPRK Today die Taedong-Möbelfabrik vorgestellt. Diese Fabrik stelle Produkte von hoher Qualität aus ausrangierten Holz-Nebenprodukten her, hieß es. In Nordkorea gelten Möbel als Zeichen des gehobenen Lebensstandards: 


Nach dem Korea-Krieg führte Nordkorea zahlreiche Bauprojekte durch, um Wohnraum zu schaffen. Zur Zeit des 13. Weltfestivals für Jugendliche und Studenten 1989 in Pjöngjang baute Nordkorea großflächige Wohnungskomplexe. Damals zeigte das Land Entwürfe und Materialien für die Innenausstattung der Apartments bei einer Ausstellung für Industriekunst. In den 1990er Jahren, als Nordkorea extreme wirtschaftliche Schwierigkeiten hatte, ging die Möbelproduktion aufgrund des Mangels an Materialien und Energiequellen zurück. Anfang der 2000er Jahre begann das Land damit, Möbel für einzelne Wohnungen herzustellen.


Seit der Machtübernahme durch Kim Jong-un wurden erneut zahlreiche Bauprojekte durchgeführt. Auch die Erforschung der Innenausstattung wurde aktiv betrieben:


In der Ära von Kim Jong-un, die auch als Ära der Wissenschaft und Technologie bezeichnet werden kann, wurden unterschiedliche Möbelstücke und Ideen für die Inneneinrichtung bei Architektur-Festivals ausgestellt. Die Betonung lag auf Bequemlichkeit und die Ästhetik. So gelten große Fenster mit einem modernen Touch als wichtig. Nordkorea zeigte multifunktionale Möbel, die sich von einem Möbelstück zu einem anderen verändern lassen, und Raumaufteiler, die den Wohnraum von der Küche abtrennen. 


Die innerkoreanischen Gipfeltreffen sowie der Gipfel zwischen Nordkorea und den USA im Jahr 2018 lenkten die Aufmerksamkeit stärker auf Nordkorea und damit auch auf das Thema Wohnen in dem Land. Es wurden Bücher über nordkoreanisches Design und die Inneneinrichtungen publiziert. Einige Internet-Nutzer wiesen auf die strikte Anordung der Gebäude in Pjöngjang und die vielen Farben hin. Das habe die Stadt als möglichen Drehort für ein Kindervideo erscheinen lassen:


Gebäudedesign und Farben in Pjöngjang haben große Aufmerksamkeit auf sich gezogen, als der britische Architektur- und Design-Kritiker Oliver Wainwright ein Buch mit Bildern über Pjöngjang veröffentlichte. Die Farben erschienen leuchtender, Materialen glänzten in Pastellrosa. Auch wird Grün an vielen Häusern benutzt, um eine umweltfreundliche Architektur zu zeigen. Nach Angaben von nordkoreanischen Technikern, die die Innenfarben entwickelten, wurde Farbe Mint von einem traditionellen vielfarbigen Muster inspiriert, das in Holzhäuseren vorkommt. Das zeigt, dass Nordkorea den Fokus auf wisschenschaftliche Technologie richtet, aber auch Elemente traditioneller koreanischer Künste mit aufnimmt.


Mit dem Bau neuer Wohnungskomplexe in Pjöngjang werden auch neue Möbel und Ideen für die Innernausstattung auftauchen:


Die Innenstadt von Pjöngjang wird voraussichtlich einen neuen Trend bei der Inneneinrichtung anführen. Architekten werden wohl Einbaumöbel sowie Standardmöbel kreieren, die wissenschaftlich für neue Häuser in Pjöngjang und anderen Großstädten produziert werden. Unter dem Slogan der Selbstständigkeit werden Industriekünstler einfache und funktionale Möbelstücke entwickeln, die im eigenen Land in kurzer Zeit gefertigt werden können.

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