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Nordkorea

Die Donju in Nordkorea

#Blick auf Nordkorea l 2021-08-19

Schritte zur Wiedervereinigung

ⓒ Getty Images Bank

Das Wort Donju heißt soviel wie Gelddinge, und es bezieht sich auf eine neue wohlhabende Schicht in Nordkorea. Die “Meister des Geldes” sind im ganzen Land verbreitet. Diejenigen, die in Pjöngjang leben, geben hunderte Dollar jeden Tag aus und genießen ein üppiges Leben, sie besuchen Karaoke-Bars, Restaurants, Schießstände und sind sogar mit Yachten unterwegs. Ihr extravagantes Leben ist mit demjenigen normaler Bürger nicht vergleichbar.


Es wird angenommen, dass die einflussreichen Donju die nordkoreanische Wirtschaft kontrollieren. Kim Young Hui vom Zentrum für neue Wirtschaft auf der koreanischen Halbinsel der Korea Development Bank führt weiter aus:


Die Menge an Geld, die Donju definiert, variiert von Region zu Region, weil es unterschiedliche Lebensstandards gibt. In Pjöngjang werden Menschen mit mehr als 100.000 Dollar als Donju gesehen. In der Provinz werden solche mit 5000 Dollar Donju genannt. 5000 Dollar sind etwa 40 Millionen nordkoreanische Won. Das ist viel, wenn man bedenkt, dass der Durchschnittslohn eines nordkoreanischen Arbeiters bei 3000 Won monatlich liegt. In anderen Großstädten wie Nampo und Pyongsong gelten solche mit mindestens 10.000 Dollar als Donju.  


Donju können sich in der Regel große und relativ luxuriöse Wohnungen sowie ausländische Elektrogeräte und andere Luxusgüter leisten. Früher erhielten als reich geltende Nordkoreaner Geld von Verwandten im Ausland: 


Zahlreiche ethnische Nordkoreaner kehrten in den 1960er Jahren nach Nordkorea zurück. Sie waren dank des Gelds, das ihnen von Verwandten in Japan geschickt wurde, wohlhabend. Mit Beginn der 70er Jahre waren es ethnische Koreaner in den USA, die ihren Verwandten in Nordkorea Geld schickten. Nachdem China 1978 eine Politik der Reform und Öffnung verkündet hatte, verdienten Nordkoreaner durch den Handel mit China Geld. Damals hießen sie einfach die Reichen, nicht Donju. In den 80er Jahren begann Nordkorea damit, Devisenläden zu betreiben, was die Nachfrage nach Dollars förderte. Händler, die heimlich Geld wechselten, wurden reich. Sie erhielten das Geld nicht aus dem Ausland.


Donju tauchten seit den 90er Jahren auf. Damals brach das Rationierungssystem unter den extremen wirtschaftlichen Schwierigkeiten zusammen und die staatlichen Läden schlossen. Viele Nordkoreaner tauschten Waren auf den privaten Märkten, Jangmadang: 


Nach der extremen Wirtschaftskrise Mitte der 90er Jahre wandten sich Dollar-Händler in Nordkorea aus den 80er Jahren dem Kreditgeschäft zu. Einige machten Geld, indem sie Farzeuge betrieben, um Güter zu transportieren, oder sie schmuggelten Waren. Diese Menschen wurden durch illegale Mittel zu Donju. Andere arbeiteten bei Handelsfirmen. Einige hochrangige Funktionäre gehörten der Donju-Schicht an, weil sie Schmiergelder annahmen.


Viele Donju verdienten ihr Geld durch Wuchergeschäfte oder sie betrieben Pfandhäuser. Das liegt auch daran, dass es schwierig ist in Nordkorea, Finanzinstitute zu finden: 


Warum wenden sich Nordkoreaner privater Finanzierung zu und gehen nicht zu den Banken, um sich Geld leihen zu können? In Nordkorea verleihen die Banken kein Geld an Einzelpersonen. Doch seit Mitte der 90er Jahre benötigten viele Menschen Geld, um Geschäfte auf dem Markt zu machen, weil der Staat ihnen nicht die nötigen Mittel gab. Vor diesem Hintergrund entstanden Privatfinanzierung und Wucher-Leihgeschäfte. In der Frühphase lagen die Zinsen bei 20 Prozent. Ohne Absicherungen erhielten die Verleiher oft ihr Geld nicht zurück. Ab 2010 gab es Hypothekenkredite. Wohnen bedeutet hier das Recht, in einer bestimmten Wohnung zu leben, da die Wohnungen prinzipiell dem Staat gehörten. Die Donju funktionierten im Grunde wie Banken, sie machten Geschäfte mit Krediten und Investitionseinlagen und Transaktionen zwischen Einzelpersonen.


Donju leihen sich die Namen staatlicher Unternehmen oder mieten staatliche Gebäude an, um ihre eigenen Geschäfte zu betreiben. Es wird angenommen, dass sie zum Beispiel in das Projekt zum Bau der Straße für Wissenschaftler in Pjöngjang investierten: 


Donju investieren in ein ganze Reihe von Industrien, wie etwa das Bauwesen und die Leicht- und Schwerindustrie, so dass sie zu den Staatsfinanzen und zur lokalen Wirtschaft beitragen. Sie spielen die Rolle, die eigentlich Finanzinstitute haben sollten.


Trotz der zentralen Planwirtschaft in Nordkorea haben die Donju große wirtschaftliche Macht: 


Nordkorea billigte den Markt offiziell 2002, und die Jangmadang-Wirtschaft hat im Land Wurzeln geschlagen. Früher nutzen nur Einzelpersonen den Jangmadang, doch auch Unternehmen betätigen sich jetzt auf den privaten Märkten, um Rohmaterialien zu kaufen, Geldmittel zu erhalten und ihre Produkte zu verkaufen. Machthaber Kim Jong-un hat Reformen und eine Öffnung vorangetrieben, wenn auch nur in begrenztem Umfang, und so den Unternehmen größere Selbstständigkeit verliehen. Falls die internationalen Sanktionen aufgehoben werden sollten, werden ausländische Firmen in Nordkorea auftreten und das Land dazu bewegen, sich zu öffnen.

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