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Nordkoreas Machthaber spricht von “mühsamem Marsch”

2021-04-22

ⓒ KBS

Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un sagte am 8. April beim Abschluss eines Treffens mit sogenannten Parteizellen der Arbeiterpartei, er sei entschlossen, einen noch schwierigeren “mühsamen Marsch” zu gehen. Der Ausdruck “mühsamer Marsch” bezieht sich auf einen staatlichen Slogan für die Bemühungen in den 1990er Jahren, die extremen wirtschaftlichen Probleme zu meistern. Warum bezog sich Kim darauf? Dazu sagt Hong Min von der Forschungsabteilung Nordkorea am Korea-Institut für Nationale Vereinigung: 


Das bedeutet, dass sich die nordkoreanische Wirtschaft in einer sehr schwierigen Situation befindet. Die Pandemie setzte den Handel mit der Außenwelt aus und unterbrach auch die internen wirtschaftlichen Netzwerke. Im diplomatischen Bereich ist es unsicher, wie die Biden-Regierung in den USA mit Nordkorea umgehen wird. Die Unsicherheiten in den bilateralen Beziehungen werden vorerst weiter bestehen. Angesichts der internen und externen Schwierigkeiten sagt Nordkoreas Machthaber den Bürgern, dass sie mit den Nöten so umgehen sollten, wie sie es während der Periode des “mühsamen Marsches” gemacht haben. 


Nordkorea hat bisher dreimal eine Zeit des “mühsamen Marsches” erlebt, das erste Mal von Dezember 1938 bis März 1939. Damals “marschierten” der Staatsgründer Kim Il-sung und seine anti-japanischen Guerillakämpfer von der Mandschurei bis zum Fluss Yalu. Nordkorea benutzte den Ausdruck, um die Bevölkerung aufzurufen, guten Geistes durch die schwierige Zeit zu kommen. Der zweite “mühsame Marsch” bezieht sich auf die Zeit zwischen dem sogenannten Fraktionsstreit im August 1956 bis zum wirtschaftlichen Entwicklungsprogramm, das auch als Chollima-Bewegung bekannt ist. Damals kritisierten Parteifunktionäre, die sich stärker an Russland und China orientierten, Kim Il-sung. Sie fielen später einer politischen Säuberungsaktion zum Opfer. Der dritte “mühsame Marsch” erfolgte Mitte bis Ende der 90er Jahre. Nach Kim Il-sungs Tod 1994 erlebte Nordkorea aufgrund seiner Selbstisolation und als Folge von Naturkatastrophen eine der schlimmsten Wirtschaftskrisen. Um die Krise zu überwinden, gab die Regierung den Slogan in einem gemeinsamen Leitartikel staatlicher Medien am Neujahrstag 1996 heraus: 


Nach der Auflösung des sozialistischen Blocks Anfang der 1990er Jahre konnte Nordkorea keinen Handel mit anderen sozialistischen Staaten mehr betreiben. Es hing besonders stark von Öl-Lieferungen aus der Sowjetunion und China ab. So produzierte es mit dem importierten Öl auch Düngemittel. Die Aussetzung der Lieferungen mündete in einer Nahrungsmittelknappheit. Es gab damals noch keinen Markt in Nordkorea, und die Menschen hingen vom staatlichen Rationierungssystem ab. Gegen den Kollaps des Systems waren sie hilflos. Es wird geschätzt, dass 600.000 bis zwei Millionen Nordkoreaner vor Hunger starben. 


Die Hungersnot führte zu zahlreichen Veränderungen in Nordkorea. Unter anderem entstanden private Märkte und viele, nicht-sozialistische Aktivitäten breiteten sich aus:


In den 1990er Jahren brachte der Marktmechanismus bedeutsame Veränderungen, sowohl physische wie psychologische, ins Leben der Nordkoreaner. Diejenigen, die ihre Kindheit während des Mühsamen Marsches verbrachten, oder nach dieser Zeit zur Welt kamen, bilden nun das Rückgrat der nordkoreanischen Wirtschaft. Anders als die ältere Generation hängen sie nicht mehr vom Staat ab, sondern vertrauen dem Markt. Auch die Regierung lernte, dass sie ohne Märkte nicht regieren kann. Nordkorea legalisierte die Märkte offiziell 2003. Experten schätzen, dass es 2016 im ganzen Land 406 Märkte gab. 


Kim Jong-un scheint nun den Ausdruck “mühsamer Marsch” bemüht zu haben, um zu verhindern, dass die Wirtschaft in eine ernsthafte Krise abstürzt: 


Ich denke, dass Nordkorea auf einem bestimmten Niveau überleben kann. Die Verbraucherpreise, die Wechselkurse und andere wirtschaftliche Indikatoren bewegen sich im Ganzen auf einem stabilen Level. Es ist daher zu früh darauf zu schließen, dass die Lage so kritisch ist wie während des Mühsamen Marsches der 90er Jahre. Auch müssen wir die Beziehungen Nordkoreas zu China berücksichtigen. Es gibt Berichte, dass das bilaterale Handelsvolumen zunimmt, und es gibt Zeichen, dass Nordkorea die Grenzrestriktionen wieder lockert. Doch wird es für das Land schwierig werden, seine wirtschaftlichen Entwicklungsziele zu erreichen. 


Während der Konferenz der Parteizellen betonte Kim Jong-un auch die Notwendigkeit, die junge Generation ideologisch strenger zu erziehen: 


Diejenigen, die den Mühsamen Marsch mitmachten, und die, die nach dieser Periode geboren wurden, machen den größten Teil der nordkoreanischen Bevölkerung aus. Besonders Jugendliche und Menschen von Mitte bis Ende 30 vertrauen dem Markt mehr als dem Staat. Kim Jong-un legte eine starke Betonung auf eine strengere ideologische Kontrolle der jungen Menschen, um zu verhindern, dass sie von fremder Kultur oder nicht-sozialistischen Praktiken beeinflusst werden. Auch wachsen die Unsicherheiten in den Beziehungen zu den USA. In dieser Situation will Nordkorea die jüngere Generation so strikt wie möglich kontrollieren. 

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