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Wirtschaft

Zehn Jahre Freihandelsabkommen Südkorea-EU

#Thema der Woche l 2021-07-05

Wirtschaft Aktuell

ⓒ Getty Images Bank

Am 1. Juli 2011 trat das Freihandelsabkommen zwischen Südkorea und der Europäischen Union inkraft. Durch die relativ frühe Wirksamkeit des FHA mit der EU konnte sich Südkorea gegenüber Japan und anderen asiatischen Ländern im europäischen Markt einen Vorteil verschaffen. Nach einem Bericht des Instituts für Internationalen Handel unter dem Korea-Verband für Internationalen Handel profitierte das Land vor allem beim Export von Autos, Batterien und chemischen Produkten. Zum Thema sagt Hong Jeong-wan vom Verband für Internationalen Handel: 


Das FHA Korea-EU jährte sich am 1. Juli zum zehnten Mal. Der Handelspakt hat zur Förderung des Handels von Gütern und Dienstleistungen sowie der Investitionen auf beiden Seiten beigetragen. Auch machte er koreanische Unternehmen wettbewerbsfähiger. Im zehnten Jahr des FHA wurden 98,1 Prozent der koreanischen Zölle aufgehoben. In den ersten fünf Jahren wurden 99,6 Prozent der EU-Zölle beseitigt. Der Pakt wird als einer der umfassendsten Handelsabkommen mit einem hohen Grad an Marktöffnung angesehen. Auf der Grundlage verschiedener Kriterien wie Marktpotenzial und Eintrittsbarrieren und der Tatsache, dass Korea ein FHA mit den USA aushandelte, identifizierte die EU Korea als Vorrangsland für ein FHA. Das Abkommen umfasst Bereiche wie das geistige Eigentum, Handel von Dienstleistungen sowie nachhaltige Entwicklung.


Ein FHA zwischen Japan und der EU trat erst im Februar 2019 in Kraft. Ähnliche Abkommen der EU mit Singapur und Vietnam wurden im November 2019 beziehungsweise im August 2020 wirksam. Trotz der Schuldenkrise in Europa stiegen die EU-Importe von koreanischen Produkten seit 2010 um jährlich durchschnittlich 0,1 Prozent. Die Importe aus Japan gingen im gleichen Zeitraum um durchschnittlich 4,9 Prozent pro Jahr zurück. Es wird davon ausgegangen, dass das Abkommen mit Südkorea dabei eine wichtige Rolle gespielt hat:


2019 erreichten Koreas Exports von Autos in die EU 8,4 Milliarden Dollar, das entsprach einem Anstieg um mehr als das Doppelte der Exporte 2010. Die Ausfuhren von Autos mit Verbrennungsmotoren gehen seit 2017 zurück, doch wurden sie durch Elektrofahrzeuge ersetzt. Die Exporte von E-Autos in die EU stiegen von 100 Millionen Dollar 2015 auf 4,6 Milliarden Dollar 2020. Unter den Ländern Korea, USA, China und Japan ist Korea das einzige Land, das seit 2016 E-Fahrzeuge in die EU ohne Importzölle exportiert hat. Die Exporte von Lithium-Ion-Batterien in die EU stiegen ebenfalls stetig.


Die koreanischen Exporte von chemischen Produkten in die EU kletterten um jährlich fast 20 Prozent auf 7,1 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr. Die Ausfuhren von Agrarprodukten erhöhten sich um 125 Prozent seit der Zeit vor dem FHA. Doch die Agrarimporte aus den europäischen Ländern sind bei weitem größer:


Nach der Unterzeichnung des FHA begann die EU, Südkorea mehr als separaten Markt von anderen asiatischen Märkten wahrzunehmen. Seit dem FHA trafen immer mehr europäische Premiumgüter in Korea ein. Vor der Wirksamkeit des FHA 2010 entfielen auf importierte Autos mit einem Hubraum von 2000 Kubikzentimetern 21,7 Prozent des koreanischen Automarkts. Im fünften Jahr des FHA erhöhte sich der Wert auf 25,3 Prozent. Doch der Anteil importierter Fahrzeuge fiel 2020 auf 13,4 Prozent, weil einheimische Hersteller neue Modelle und Premiummarken auf den Markt brachten. Der Anteil koreanischer Autos im europäischen Markt kletterte dagegen auf 7,1 Prozent von 4,5 Prozent vor dem FHA. Bei den Haushaltsgeräten gab es einen ähnlichen Trend zu verzeichnen.


Im Ganzen gab es jedoch keine größere Veränderung bei den koreanischen Exporten in die EU seit dem FHA, während die Exporte der Union nach Korea deutlich zulegten. Jedoch schnellten die Investitionen aus Korea in der EU nach oben: 


Wir müssen die Besonderheiten des Handels zwischen Korea und der EU berücksichtigen. Korea verzeichnete einen starken Anstieg der Importe von Premium-Verbraucherprodukten einschließlich Personenwagen und Taschen zusammen mit einem höheren Konsumniveau im Land und Vorteilen der Zoofreiheit durch das FHA. Koreas Halbleiterindustrie boomte, was zu einer steigenden Nachfrage nach relevanter Ausrüstung führte, die Korea aus der EU importiert. Das heißt, je mehr Halbleiter Korea exportiert, desto größer sind die Ausrüstungsimporte aus der EU. Auch hat Korea zahlreiche Produktionsbasen für wichtige Exportgüter wie Haushaltsgeräte, Autos und Kommunikationsausrüstung ins Ausland verlegt. Es scheint also, als ob direkte Exporte aus Korea in die EU nicht so stark zulegten. Doch im Osten Europas befinden sich viele koreanische Produktionsfirmen. Korea führt eine bedeutende Menge an Zwischenprodukten und Teilen in diese Region aus. In Westeuropa hat sich die Menge koreanischer Investitionen wie auch die Zahl neuer koreanischer Unternehmen seit der Zeit vor dem FHA verdoppelt.


Kurz nach dem FHA brach in der Eurozone eine Krise aus, und die Verbreitung des Handelsprotektionismus wirkte sich auf die koreanischen Exporte aus. Die Stahlexporte erhöhten sich um fast 10 Prozent pro Jahr in den vergangenen zehn Jahren. Doch nachdem die EU im Juli 2018 Sicherungsmaßnahmen gegen Stahlimporte ergriffen hatte, flachten die koreanischen Stahlexporte ab. Auch die Exporte von petrochemischen Produkten legten zu, doch begann nach Anti-Dumping-Prüfungen ein Abwärtstrend:


Das FHA zeigt, dass Europa ein herausfordernder Markt ist. Als erstes asiatisches Land, das ein FHA mit der EU abschloss, zog Korea aus den Zollvorteilen großen Nutzen. Trotzdem ist sein Marktanteil in der EU nicht so stark gestiegen. Jetzt, da Japan, Singapur und Vietnam ebenfalls ein FHA mit der EU unterzeichneten, könnte Korea sogar einen intensiveren Wettbewerb im EU-Markt erleben. Doch diese FHAs befinden sich noch in der Frühphase, so dass die Wirkung durch Zoll-Aufhebungen begrenzt sein kann. Die EU will die Lieferketten reorganisieren, während die Nachfrage nach ökofreundlichen Produkten wächst. Korea sollte dies als Gelegenheit nutzen, um seine Präsenz im europäischen Markt auszubauen.

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