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Kultur

Blinde Musiker

#Musik verbindet l 2020-11-04

Musik verbindet


In der Joseon-Zeit existierte ein Regierungsprogramm, das musikalisch begabte blinde Menschen als Hofmusiker beschäftigte. Dabei handelte es sich um eine Art Sozialprogramm für Menschen mit Behinderungen. Doch nicht selten verdienten die Menschen mit Sehbehinderungen lieber ihren Lebensunterhalt mit Wahrsagerei und dem Vortragen von buddhistischen Schriften. Denn im Unterschied zu den Hofmusikern waren sie damit nicht eng an eine Etikette gebunden und konnten oftmals auch mehr Gewinne einstreichen. Der Gelehrte Park Yeon박연 übernahm während der Herrschaft von König Sejong die Verantwortung für die musikalischen Projekte und er unterstützte das eingangs beschriebene Regierungsprogramm. So schrieb er: „In der Vergangenheit stellten die Könige Blinde als Musiker ein. Sie sollten Musik spielen und Lieder singen, da ihre Blindheit sie besonders empfänglich für die Musik macht. So sollte kein Talent vergeudet werden.“ Er rief deshalb dazu auf, die Löhne für die blinden Hofmusiker zu erhöhen, sodass sie sich nicht mehr über ihren Lebensunterhalt sorgen mussten und sich ausschließlich auf die Musik konzentrieren konnten. Auf seine Bitte reagierte König Sejong schließlich mit der Anordnung, dass sich die entsprechenden Behörden der Sache annehmen sollten. Die Sorge um das Wohlergehen der blinden Hofmusiker wird in der Fortsetzung des Regierungsprogramms bis zum Ende der Joseon-Zeit deutlich. 


Am 4. November wird in Korea der Tag der Blindenschrift bzw. die Erschaffung der koreanischen Blindenschrift gefeiert. In der Joseon-Zeit arbeiteten viele Blinde als Wahrsager, die mit Hilfe von Schriftzeichen auf Bambusstreifen die Zukunft deuteten. Dabei fiel es ihnen sicher nicht leicht, die auf dem Bambus eingravierten komplexen chinesischen Schriftzeichen zu lesen und zu schreiben. Während der japanischen Kolonialherrschaft unterrichtete Park Du-seong박두성 die blinden Schüler am Jesaengwon, dem Vorgänger der Blindenschule in Seoul. Nach sieben Jahren Forschung gab Park am 4. November 1926 das koreanische Blindenschriftsystem bekannt und veröffentlichte kurz darauf Lehrbücher für die koreanische Blindenschrift. Diese Bemühungen haben Park sicher großen Mut und zahlreiche Mühen gekostet, denn es geschah zu einer Zeit, als die japanische Kolonialmacht in Korea die koreanische Sprache und Schrift verboten hatte. Die Menschen mit Sehbehinderungen dürften euphorisch auf ihre eigene Blindenschrift reagiert haben, mit der sie nun Koreanisch lesen und schreiben konnten. Von ähnlichen Gefühlen wurde sicher auch der blinde Vater von Simcheong übermannt, als er nach der Wiedervereinigung mit seiner Tochter plötzlich seine Sehkraft wiederlangte. Park Du-seongs Engagement weist Parallelen zu Simcheongs Opfer auf, mit dem alle Blinden in Joseon aus der Dunkelheit geführt werden konnte. 


Unter den Gugak-Musikern in Korea finden sich auch einige anerkannte blinde Musiker. Einer von ihnen ist Meistersänger Lee Hee-wan이희완. Unter den Vorfahren von Lee Hee-wan gab es viele Künstler und Gaukler. So war sein Großvater ein anerkannter Sänger und Gayageum-Spieler und der bekannteste Seiltänzer seiner Zeit, sein Onkel war der Trommler Lee Jeong-eop이정업. Die Musik war Lee von klein auf ein ständiger Begleiter und er wuchs mit den Volksliedern aus dem Grammophon oder Radio auf. Schon im frühen Alter plante Lee ein professioneller Musiker zu werden, doch wegen widriger Umstände begann er erst spät in seinem Leben damit, Musik zu studieren. Am Ende hat ihm das allerdings nicht geschadet, wie man seiner schließlich erfolgreichen Musikkarriere entnehmen kann. 


Musik

  1. „Gyemyeongarak Dodeuri“, auf dem Geomungo spielt Lee Se-hwan 계면가락도드리 / 이세환의 거문고와 여러분의 연주
  2. Passage aus dem Pansori „Simcheongga“, gesungen von Kim Yul-hee 심봉사 눈뜨는 대목 / 소리 김율희
  3. „Lied der Jugend“, gesungen von Lee Hee-wan 청춘가 / 소리 이희완

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