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Nordkorea

Nordkorea lockert Grenzbeschränkungen

#Brennpunkt l 2021-03-11

Schritte zur Wiedervereinigung

ⓒ Getty Images Bank

Vor einem Jahr hatte Nordkorea wegen der Corona-Pandemie seine Grenzen geschlossen. Dadurch verschlechterte sich die ohnehin angespannte wirtschaftliche Lage im Land noch mehr. Der Handel mit China, das der größte Handelspartner ist, wurde blockiert. Auch erreichten keine internationalen Hilfsgüter mehr das Land. Zum Thema sagt Oh Gyeong-seob vom Korea-Institut für Nationale Vereinigung:  


Diplomaten in Nordkorea sagen, dass es schwierig ist, an Gütern für den täglichen Bedarf zu kommen. Auch gibt es eine ernsthafte Stromknappheit wegen der Grenzschließung. Nach Angaben von Unicef gingen Nordkorea im vergangenen Jahr zum ersten Mal die Polio-Impfstoffe aus. Es wird daher erwartet, dass die Impfrate drastisch zurückgeht. Durch die Schließung der Grenze zwischen Nordkorea und China ging auch der bilaterale Handel deutlich zurück, und für Nordkorea ist es schwierig, Rohmaterialien und Artikel des täglichen Bedarfs ins Land zu bringen. Der Mangel an Rohstoffen hat den Betrieb der Fabriken unterbrochen, was die Lebensverhältnisse der Menschen verschlechtert. Statistische Daten zeigen, dass der Handel zwischen Nordkorea und China um 80,7 Prozent auf 539 Millionen Dollar eingebrochen ist. 


Seit Anfang dieses Monats gibt es jedoch wieder Anzeichen dafür, dass Nordkorea die strengen Grenzkontrollen wieder lockert. Die Oberste Volksversammlung verabschiedete am 3. März ein Gesetz, wonach alle importierten Güter desinfiziert werden müssen:


Das Desinfektionsgesetz erfordert, dass alle importierten Güter gründlich mit Desinfektionsmitteln besprüht werden. Bei Verstößen werden harte Strafen verhängt. Die strengen Quarantänemaßnahmen sollten natürlich verhindern, dass das Virus ins Land eingeschleppt wird. Auch könnte es Nordkorea jetzt für nötig erachtet haben, dass der Import legal und systematisch geregelt wird. Durch die Maßnahme könnte sich also der Import erhöhen. Während die Möglichkeit des direkten Personenaustausches vorerst weiter gering ist, könnte Nordkorea den Austausch von Gütern schrittweise ausweiten.


Auch billigte Nordkoreas Parlament einen “Masterplan” für die Landentwicklung an der Ostküste. Es wurden keine Details genannt, doch ein umfassender Plan sieht offensichlich auch die Entwicklung von Reisezielen an der Ostküste vor, wo sich die wichtigsten Touristenattraktionen des Landes befinden. Während der Pjöngjang Marathon 2021 abgesagt wurde, verkauft die Reiseagentur Koryo Tours, die auf Tourismus in Nordkorea spezialisiert ist, wieder Pauschalangebote für Juli: 


Die Grenze ist nach wie vor geschlossen, doch Koryo Tours hat drei Reisepakete nach Nordkorea auf seine Website gepostest. Eines davon richtet sich an diejenigen, die hoffen, während der Sommerferien im Juli nach Nordkorea reisen zu können. Die anderen beiden beziehen sich auf den 27. Juli, der in Nordkorea als Tag des Sieges gefeiert wird. Unter Berücksichtigung der Covid-19-Situation ist es allerdings unsicher, ob die Agentur die Reisen wie geplant durchführen wird. Für Nordkorea ist der Besuch ausländischer Touristen das einzige legale Mittel, sich Devisen zu beschaffen, während die internationalen Sanktionen gegen das Land noch weiter bestehen.


Am 2. März kündigte die internationale Impfstoffplattform COVAX Facility an, dass Nordkorea im Mai etwa 1,7 Millionen Dosen des Corona-Impfstoffs von AstraZeneca erhalten werde: 


Nordkorea wird mit 1,7 Millionen Impfdosen von AstraZeneca beliefert, was genug für die Impfung von etwa 852.000 Menschen oder 3 Prozent der Bevölkerung ist. Die Impfungen werden wahrscheinlich zuerst an Funktionäre der Partei, der Regierung und des Militärs verabreicht. Ich denke nicht, dass die Impfungen das Land bewegen werden, die Grenzrestriktionen weiter zu lockern. Um die Grenzen zu öffnen, müssten mindestens 70 Prozent der Bevölkerung geimpft werden. 


Unterdessen teilte die chinesische Stadt Tongchuan in der Provinz Shaanxi mit, dass Shin Yong-nam, der Präsident des staatlichen nordkoreanischen Öl-Unternehmens, in China gewesen sei: 


Es wird gesagt, dass die nordkoreanische Delegation unter Shin Produktionsanlagen für Baumaterialien, eine Zementfabrik und einen Keramik-Hersteller in China besuchte. Ich denke, der Besuch hatte mit Nordkoreas Wirtschaftsentwicklungsplan zu tun. Der Besuch, der trotz geschlossener Grenzen stattfand, zeigt, dass Nordkorea die Absicht hat, die Wirtschaft durch die Zusammenarbeit mit einer Kommunalregierung in China zu verbessern.


Der Besuch und die Ernennung des Wirtschaftsexperten Ri Ryong-nam zum neuen nordkoreanischen Botschafter in China, signalisieren, dass beide Länder ihre Wirtschaftskooperation wiederaufnehmen wollen:


Die nordkoreanische Wirtschaft befindet sich in einer sehr schwierigen Situation. Nordkorea braucht dringend Rohmaterialien und Artikel des täglichen Bedarfs. Der Bau der neuen Yalu-Brücke, die die chinesische Grenzstadt Dandong mit Sinuiju im Nordwesten von Nordkorea verbindet, war lange Zeit unterbrochen. Doch beide Länder woll anscheinend die Brücke wieder öffnen. Die Wiederaufnahme des Handels würde Nordkorea helfen, das  schlimmste Szenario zu verhindern.

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