Die Regierung in Seoul erwägt die Möglichkeit einer zügigen Wirtschaftshilfe für Nordkorea. Ziel ist die Rückkehr von etwa 1.000 Kriegsgefangenen und verschleppten südkoreanischen Staatsbürgern.
Die Frage, ob die Regierung diesen Vorschlag bei den innerkoreanischen Ministergesprächen vom 21. bis 24. Apirl unterbreiten wird, zieht zurzeit die Aufmerksamkeit diplomatischer Beobachter auf sich.
Der stellvertretende Vereinigungsminister Shin Un-sang sagte in einem Interview von KBS Radio 1, es gebe zwar noch keine konkreten Pläne dazu. Die Regierung handle jedoch nach dem Prinzip, dass die Lösung des Problems nicht mehr verschoben werden dürfe. Immer mehr Betroffene stürben aus Altersgründen. Die Regierung würde jedoch kein Geld in bar anbieten, hieß es.
Vereinigungsminister Lee Jong-suk sagte am 7. April, dass die Klärung der Kriegsgefangenen- und Entführtenfrage hohe Kosten verursachen werde. Auf einer Pressekonfrenz am 10. sagte der Minister, dass die Regierung das Beispiel Deutschlands bei der Auswanderung politischer Gefangene aus der früheren DDR zum Vorbild nehmen könnte.
Politische Beobachter in Seoul rechnen mit der Möglichkeit, dass Südkorea als Gegenleistung massive Hilfe für den Aufbau der Infrastruktur in Nordkorea anbieten wird.
In Nordkorea leben nach Angaben des Vereinigungsministeriums vom letzten Jahr noch 546 südkoreanische Kriegsgefangene. 845 weitere Gefangene des Koreakrieges sind mittlerweile verstorben, 260 werden vermisst. Nordkorea erkennt jedoch die Existenz von Kriegsgefangenen und Entführten offiziell nicht an.