Die südkoreanische Regierung hat beschlossen, allen 175 im innerkoreanischen Industriepark Kaesong verbleibenden südkoreanischen Mitarbeitern zum Rückzug zu raten.
Da die Schwierigkeiten der Südkoreaner in Kaesong zu groß seien, habe sich die Regierung zum Schutz der Landsleute hierzu entschieden. Entsprechend den innerkoreanischen Vereinbarungen solle Nordkorea den Südkoreanern eine sichere Rückkehr garantieren und südkoreanisches Vermögen schützen.
Die entsprechende Regierungserklärung gab Vereinigungsminister Ryoo Kihl-jae im Anschluss an die Sitzung der für Sicherheitsfragen zuständigen Minister unter Leitung von Präsidentin Park Geun-hye bekannt.
In der Erklärung wurde betont, es sei in keinem Fall zu rechtfertigen, dass Nordkorea humanitäre Maßnahmen, wie Nahrungslieferungen für die Südkoreaner in Kaesong nicht erlaubt habe. Seoul betonte, dass der Süden für die Normalisierung des ersten und bislang einzigen innerkoreanischen Insdustriekomplexes große Bemühungen unternommen und offizielle Regierungsgespräche vorgeschlagen habe.
Das Vereinigungsministerium in Seoul hatte gestern Nordkorea aufgerufen, auf den Vorschlag für innerkoreanische Gespräche über die Frage des Kaesong-Industrieparks bis Freitagmittag zu antworten. Das Ministerium hatte zudem gewarnt, dass es "gravierende Maßnahmen" ergreifen werde, sollte Nordkorea das Ultimatum verstreichen lassen.
Kurz vor dem Beginn der Ministersitzung hatte Nordkorea Südkoreas Gesprächsvorschlag strikt abgelehnt. Pjöngjang drohte zudem, dass "letzte und ernste" Maßnahmen nicht vom Süden, sondern vom Norden getroffen werden könnten. In der Erklärung der Verteidigungskommission hieß es weiter, der Süden könne seine Mitarbeiter aus Kaesong vollständig zurückziehen, wenn man um ihr Leben besorgt sei. Nordkorea sei bereit, für den Rückzug der Südkoreaner aus Kaesong alle humanitären Maßnahmen zu treffen, darunter eine Sicherheitsgarantie.
Im Kaesong Komplex, der vor zehn Jahren eingerichtet wurde, sind 123 südkoreanische Unternehmen angesiedelt. Seit 24 Tagen verbietet Nordkorea den Zugang, eine Ausreise ist noch erlaubt. Mittlerweile hat der Norden alle etwa 53.000 nordkoreanischen Arbeiter abgezogen.