Nach Einschätzung des südkoreanischen Botschafters in Peking, Kim Ha-joong, hält China im Atomstreit mehr Karten in der Hand, als sich Südkorea vorstellt. Die Frage sei, ob China die Karten ziehe oder nicht.
Als Beispiel nannte der Diplomat auf einer Pressekonferenz in Seoul, dass über 70 Prozent der ausländischen Materialien in Nordkorea aus China stammten. Nach Kims Einschätzung müsse China jedoch mit einer Beeinträchtigung der 55-jährigen Freundschaftsbeziehungen mit Nordkorea rechnen, sollte das Land eine Nordkoreakarte ziehen. Aus diesem Grund sieht Kim nur eine geringe Wahrscheinlichkeit, dass sich China bald für eine stärkere Druckausübung auf Nordkorea entscheiden wird.
Kim sagte weiter, dass China als Organisator der Sechser-Gespräche die Priorität auf die Entnuklearisierung der koreanischen Halbinsel lege. Das zweite Hauptgewicht liege auf Frieden und Stabilität auf der koreanischen Halbinsel. Peking beharre zudem auf dem Prinzip, dass beide Ziele mit friedlichen Mitteln erreicht werden sollten, was Südkoreas Schritten genau entspreche.
Unterdessen war aus diplomatischen Kreisen in Peking zu vernehmen, dass sich der oberste chinesische Funktionär für Parteibeziehungen, Wang Jiarui, am 19. in Pjöngjang dafür einsetzen werde, Nordkorea zum Dialog zu überreden.