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Wirtschaft

Die wirtschaftliche Kluft zwischen Südkorea und Japan wird kleiner

#Thema der Woche l 2021-08-23

Wirtschaft Aktuell

ⓒ Getty Images Bank

Jahrzehntelang war Japan reicher als Südkorea, und jedes Produkt aus dem Nachbarland galt als ausgezeichnet. Doch die Situation hat sich verändert. Viele Südkoreaner bevorzugen einheimische Produkte gegenüber japanischen. Sie sind stolz auf koreanische Musik, Mode und die Pop-Kultur. Die Vereinigung der Koreanischen Industrieen verglich die Veränderungen in der wirtschaftlichen Kluft zwischen beiden Ländern seit Beginn der 1990er Jahre. Sie kam zu dem Schluss, dass die Kluft erheblich abnahm, und in einigen Bereichen konnte Südkorea Japan überholen. Das World Competitiveness Ranking des Schweizer Instituts für Management-Entwicklung, das die Wettbewerbsfähigkeit der Länder vergleicht, zeigt zum Beispiel, dass Japan 1995 an vierter Stelle stand, aber 2020 auf Platz 34 abrutschte. Südkorea verbesserte sich von Rang 26 auf 23. Zum Thema sagt der Leiter des Real Good Economic Institute, Lee In-chul:


In den 90ern wurde Japan von drei großen Ratingagenturen, Standards & Poor’s, Moody’s und Fitch Ratings, die höchste Stufe verliehen. S&P’s stufte Südkorea auf A+, vier Stufen unter Japans AAA. Doch in diesem Jahr liegt Koreas Kreditbeurteilung von S&P bei AA, zwei Stufen höher als Japan’s A+. Was das Pro-Kopf-BIP auf der Basis der Kaufkraftparität betrifft und die nationale Kaufkraft an Preisen und Wechselkursen misst, hat Südkorea Japan seit 2018 überholt, als ersteres 43.001 Dollar und letzteres 42.725 Dollar verzeichnete.


Südkorea überholte Japan auch bei der Wettbewerbsfähigkeit des verarbeitenden Gewerbes. Japan ist jedoch Südkorea noch immer bei den makroökonomischen Indidkatoren voraus: 


Südkoreas nominales BIP lag 1990 bei 283 Milliarden Dollar, das waren nur 8,9 Prozent desjenigen Japans. Doch erhöhte es sich in 30 Jahren um das Sechsfache auf 1,6 Billionen Dollar im Jahr 2020, was einem Drittel desjenigen Japans entsprach. Vor 30 Jahren lag Südkorea beim nominalen BIP auf dem 17. und Japan auf dem zweiten Platz. Doch im vergangenen Jahr stieg Korea auf den 10. und Japan fiel auf den dritten Platz. Beim internationalen Handel machten 1990 Südkoreas Exporte 24 Prozent derjenigen Japans aus und 31 Prozent bei den Importen. Doch 2020 verzeichnete Korea Exporte von 513 Milliarden Dollar und 468 Milliarden Dollar an Importen, das waren 80 Prozent beziehungsweise 74 Prozent der Werte Japans.


Auf der Liste Fortune Global 500 der umsatzstärksten Unternehmen stehen 53 japanische Firmen, aus Südkorea sind es 15. Doch auch hier holte Südkorea auf. Japan liegt bei der Grundlagwissenschaft und Technologie noch immer vor Südkorea. Auf der Liste von 1000 Unternehmen mit den größten Investitionen in Forschung und Entwicklung betrug der Wert für Japan das Fünffache desjenigen Südkoreas. Koreas Defizit bei Materialien und Zubehörteilen im Handel mit Japan verdoppelte sich 1994 nahezu. Doch strengte sich Korea an, mehr eigene Materialien zu entwickeln, seitdem Japan 2019 Exportrestriktionen gegen das Nachbarland verhängte: 


Südkorea ist stark gewachsen und überholte Japan in zahlreichen wirtschaftlichen Bereichen. Eine lange Rezession in Japan, die auch als “die verlorenen drei Jahrzehnte” genannt wird, war der größte Faktor hinter der kriselnden japanischen Wirtschaft. Nach dem sogenannten Plaza-Abkommen in den 80er Jahren führte der stärkere Yen dazu, dass die japanischen Exporteure ihre Wettbewerbsfähigkeiten einbüßten. Auch wählte Japan die einfachere Option der Niedrigzinsen statt strukturelle Reformen. Die Wirtschaft ging zurück, weil sie keine neuen Technologien aufnahmen, um Innovationen zu schaffen. Das Land entwickelte sich rasch zu einer alternden Gesellschaft und die erwerbstätige Bevölkerung nahm seit 1995 ab, als die Spitze erreicht wurde. Japan sah sich in einem Teufelskreis aus fallenden Vermögenswerten, wirtschaftlicher Verlangsamung, schumpfendem Verbrauch und sinkenden Investitionen.


Japan bewarb die Olympischen Spiele 2020 in Tokio mit dem Slogan “Spiele der Erholung und des Wiederaufbaus” und hoffte, damit aus der Rezession zu kommen. Doch die wegen der Corona-Pandemie um ein Jahr verschobenen Spiele brachten nicht den erhofften Schub:


Japan lag im Medaillenspiegel der Olympischen Spiele auf Platz drei, das war sein bestes Olympia-Ergebnis. Doch schätzte das US-Magazin Forbes, dass die Spiele von Tokio mit Kosten von bis zu 28 Milliarden Dollar die bisher teuersten Olympischen Spiele waren. Da Japan die Spiele ohne Zuschauer ausrichten musste, konnte es kein Geld aus Ticketverkäufen machen. Japan hoffte, dass sich die Situation durch Olympia verbessert, doch werden die Schulden eher steigen.


In mancherlei Hinsicht ähnelt die Situation Südkoreas derjenigen Japans. So kämpft das Land ebenfalls mit einer geringen Geburtenrate und einer alternden Bevölkerung, was auch zwei der wichtigsten Faktoren für Japans niedriges Wachstum sind:


Das Problem der sinkenden Geburtenraten und der alternden Bevölkerung in Korea ist sogar schwerwiegender als Japans. Die koreanische Regierung hat massiv Geld bereitgestellt, um die Folgen von Covid-19 abzufedern. Doch sorgte das Geld für Blasen im Anlagemarkt, wie etwa Aktien, Digitalwährungen und Immobilien. Wie andere fortgeschrittene Volkswirtschaften muss Korea die richtigen geldpolitischen Regelungen treffen, um die Stabilität nicht zu gefährden. Die Unternehmen müssen ihrerseits strukturelle Reformen umsetzen und die Arbeitsproduktivität verbessern, um Wachstumsmotoren der Zukunft zu schaffen.

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