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Fremdsprachenerziehung in Nordkorea

#Blick auf Nordkorea l 2019-10-31

Schritte zur Wiedervereinigung

© KBS

Nordkorea hat in diesem Jahr sein ersten Sprachprüfungszentrum für Chinesisch geöffent. Die Öffnung zeigt das wachsende Interesse an der Erlernung von Fremdsprachen in dem Land. Über das Thema sagt Chung Eun-chan vom Institut für Vereinigungserziehung: 


Nordkoreas Fremdsprachenerziehung geht auf das Jahr 1958 zurück, als Russisch die erste fremde Sprache für den Unterricht war. Nach dem Ende des Kalten Kriegs Anfang der 90er Jahre und mit der Auflösung der Sowjetunion wurde Nordkorea weniger abhängig von Russland, und das Interesse an der russischen Sprache ließ nach. Englisch wurde dagegen die erste Fremdsprache. Heute wird Russisch kaum noch an den Regelschulen gelehrt. 


Nordkorea war anfangs sehr daran interessiert, die russische Sprache zu verbreiten, um Wissenschafts- und Technikbücher zu übersetzen. Im Jahr 1964 wurde die Fremdsprachenerziehung verstärkt, als Russisch und Englisch an Oberschulen unterrichtet wurden. Die Studenten wurden ermutigt, mindestens zwei Fremdsprachen zu beherrschen, bevor sie ihr Studium abschließen. Damals wurde die Fremdsprachenabteilung der Kim-Il-Sung-Universität ausgegliedert und an der Pjöngjang-Universtität für Auslandsstudien wieder aufgebaut. Seit 1977 wurde das Angebot um Französisch, Deutsch, Spanisch, Japanisch und Chinesisch erweitert:


In seinem Buch mit dem Titel “Die Kunst des Kriegs” schrieb der legendäre chinesische Militärstratege Sun Tzu: “Wenn Du deinen Feind und dich selber kennst, kannst Du jede Schlacht gewinnen.” Das heißt, man sollte auch die Sprache des Feindes kennen. Für Nordkorea waren die USA der Feind. Außerdem ist Englisch eine internationale Sprache. Ohne Englisch kann kein Land richtig seine Meinung auf der internationalen Bühne äußern. Aus diesen Gründen startete Nordkorea den Englisch-Unterricht. Seit Kim Jong-un an der Macht ist, investiert Nordkorea viel mehr Zeit für den Fremdsprachenunterricht, zusammen mit Computern. 


Nachdem Kim Jong-un Ende 2011 an die Macht gekommen war, führte er eine Bildungsreform durch. Als Teil der zwölf Jahre dauernden Schule lernen die Schüler ab der fünften Klasse Englisch: 


Viele glauben irrigerweise, dass die Nordkoreaner nicht gut sind im Englischen. Doch das ist nicht wahr. Die Studenten, die an den Fremdsprachenschulen gelernt haben, sprechen sehr gut Englisch. Am Pjöngjanger Fremdspracheninstitut müssen die Studenten 30 Minuten lang etwas vorlesen, bevor der Unterricht beginnt. In der sogenannten Morgen-Lesesitzung lesen sie etwas bei offenen Klassentüren laut vor. Die Schüler erlernen die britische Aussprache, die als sehr wichtig erachtet wird. Die Schüler müssen den Inhalt der Lehrbücher mit ihren eigenen Worten wiedergeben. Der Vorgang wird auch “Wiedererzählen” genannt. 


Das Pjöngjanger Fremdspracheninstitut ist eine Sechs-Jahres-Schule. Besonders der Englisch-Unterricht zielt darauf ab, dass die Schüler mit Ausländern kommunizieren. Um die Fähigkeiten zu verbessern, werden amerikanische und britische Filme gezeigt, die normalerweise außerhalb der Schule strikt verboten sind. Die Pjöngjanger Universität für Auslandsstudien mit einem Fünf-Jahresprogramm entlässt jedes Jahr Hunderte von Studenten mit Zeugnissen für zwei bis drei Fremdsprachen. Die nordkoreanischen Universitäten lassen die Studenten zuerst Englisch lernen, und an zweiter Stelle kommen Chinesisch, Russisch oder Japanisch. Die meisten wählen jedoch Chinesisch:


Nach der schweren Wirtschaftskrise in Nordkorea Mitte der 90er Jahre wurde das Rationierungssystem nutzlos, weil die Menschen nicht mehr mit Nahrungsmitteln versorgt werden konnten. Das Land konnte Dinge nicht mehr im eigenen Land produzieren. Es verlegte sich auf den Außenhandel und wurde immer mehr von China abhängig. Um zu überleben, nahmen immer mehr Nordkoreaner an Marktaktivitäten teil. Auf chinesische Produkte entfielen mehr als 80 Prozent der gehandelten Waren auf den privaten Märkten. 


Viele Nordkoreaner machen seit der Hungerkrise in den 90er Jahren Geschäfte mit chinesischen Händlern. Einige wohlhabende Familien bezahlen private Lehrer, um ihren Kindern die chinesische Sprache beizubringen. Einige Englisch-Studenten geben Privatunterricht für Schüler. Der private Bildungsmarkt für Fremdsprachen boomt derzeit in dem kommunistischen Land: 


College-Absolventen in Nordkorea können allesamt eine Arbeit finden, und es ist wichtig, wer die beste Stelle findet. Diejenigen, die aus einer guten Familie kommen und gute Fremdsprachenkenntnisse haben, können ins Ausland entsandt werden oder im Außenministerium arbeiten. In der Ära von Kim Jong-un hat Nordkorea seine Politik für die Lehre von Wisschenschaft und Technologie verstärkt. Für seine eigene wissenschaftliche Entwicklung muss Nordkorea ausländische Forschungsprojekte studieren. Daher wird Nordkorea weiter den Schwerpunkt auf den Fremdsprachenunterricht einschließlich des Englischen legen.

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