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Lee Sun-won: „Eunbiryeong“

#Literatur zum Hören l 2019-11-26

Literatur zum Hören

ⓒ Getty Images Bank

Der Ich-Erzähler der Geschichte ist Schriftsteller und lebt getrennt von seiner Ehefrau. Er begegnet einer anderen Frau, zu der er allmählich eine tiefe Sympathie entwickelt.



Diesen schmalen Schleichweg, den ich nun fuhr, hatten wir beide, mein Freund und ich einst Eunbiryeong genannt. Geheimnisvoll verborgener Hügel. Nun, wo er tot war, waren sie und ich die einzigen, die wussten, dass der Weg hier den Namen Eunbiryeong trug.  



Eunbiryeong – geheimnisvoll verborgener Hügel. Der Ort, der in der Geschichte beschrieben wird, existiert wirklich. Aber erst nach dem Erscheinen der Erzählung wurde er tatsächlich so genannt wie in der Geschichte beschrieben. 



Professor Bang Min-ho von der Abteilung für koreanische Literatur an der Seoul National University:

Lee Sun-won wurde in Gangneung geboren. Er konnte also Daegwallyeong oder Hangyeryeong gut zum Schauplatz dieser Geschichte machen. Wer einmal mit dem Auto mitten im Winter über den Hangyeryeong gefahren ist, wird die magische Stimmung des Ortes in der Geschichte wohl nachvollziehen können. Und wenn es einem Autor gelingt, durch sein Werk den Namen eines geographischen Ortes zu kreieren, dann ist das  wirklich eine besondere Auszeichnung.



In dieser Nacht wehte der Schnee, der noch nicht geschmolzen war, über den Eunbiryeong und ich begrub den Stern, der wie vor 25 Millionen Jahren schon auch dieses Mal wieder an mir vorübergezogen war, in meinem Herzen. Und wie wir so einander zu Sternen wurden, die sich in unsere Herzen gruben, dachte ich inmitten des Atems, der so heftig war wie der schneidende, kalte Wind am Eunbiryeong, dass ebenso wie dieses Leben, das so kurz war, auch die Zeit, die wir nun auf unsere nächstes Leben würden warten müssen, nicht lang sein würde.




Lee Sun-won, Jahrgang 1958, schrieb unter anderem die Romane „In Apgujeong gibt es keinen Notausgang“ und „Den Singles gewidmet“. Seine Erzählung „Eunbiryeong“ erschien 1996.

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