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Fahrverbot für Autos mit hohen Abgaswerten in Seouler Stadtzentrum tritt in Kraft

#Thema des Tages l 2019-12-02

Nachrichten

ⓒYONHAP News

Seoul verbietet seit dem gestrigen Sonntag alte Dieselfahrzeuge in der sogenannten grünen Verkehrszone in der Stadtmitte. Die Maßnahme wurde beschlossen, da ihr Effekt bereits bewiesen wurde. Die Stadtverwaltung hatte im Juli das Verbot probeweise eingeführt. Das Kontrollsystem funktionierte reibungslos, in dessen Folge konnte ein Rückgang der Stickoxid- und Ultrafeinstaubemissionen festgestellt werden. Sollten keine Autos der Abgasklasse 5 in der Zone unterwegs sein, werde ein Rückgang der dortigen Emissionen von Ultrafeinstaub um 15,6 Prozent erwartet, heißt es.


Innerhalb der grünen Verkehrszone werden umweltfreundliche Verkehrsmaßnahmen umgesetzt. 27 sogenannte grüne Busse werden ab Januar auf vier Strecken verkehren, die wichtige Orte im Stadtzentrum und touristische Attraktionen umfassen. Dazu zählen beispielsweise der Hauptbahnhof, das Rathaus, Jongno, Myeongdong und alte Paläste. Die Fahrt kostet 600 Won (0,51 Dollar) und ist somit halb so teuer wie eine gewöhnliche Busfahrt innerhalb der Hauptstadt.


Die Stadtverwaltung will zudem die Zahl der umweltfreundlichen Verkehrsmittel für die gemeinsame Nutzung deutlich erhöhen, um den öffentlichen Verkehr, die Sharing-Mobilität und den Fußgängerverkehr organisch miteinander zu verbinden. Hierfür wird die Zahl der von der Stadt zur Verfügung gestellten Fahrräder und Fahrzeuge für die gemeinsame Nutzung gesteigert. Die Stadtverwaltung plant auch, die grüne Verkehrszone im Jahr 2021 auf das südliche Viertel Gangnam und auf das Finanzviertel Yeouido auszuweiten. In Gangnam sollen die smarte Mobilität und die Sharing-Mobilität verbreitet werden, darunter autonome Pendelbusse. Grund ist die dringende Notwendigkeit, den dortigen Autoverkehr einzuschränken. Auf Yeouido steht eine relativ gute Infrastruktur, einschließlich Radwegen zur Verfügung. Daher will die Stadtregierung dort die Nutzung von Fortbewegungsmitteln wie Fahrräder, E-Scooter und elektrische Fahrräder fördern.


Die Luftverschmutzung in Südkorea erreichte ein besorgniserregendes Niveau. Laut einer Untersuchung durch AirVisual, ein Unternehmen zur Ermittlung der Luftverschmutzung, rangierte Südkorea letztes Jahr unter 73 untersuchten Ländern auf Platz 27 bei der durchschnittlichen Ultrafeinstaubkonzentration im Jahr. Unter den Mitgliedern der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) weist Südkorea die zweithöchste Konzentration hinter Chile auf.


Für die Luftverschmutzung und die hohe Ultrafeinstaubkonzentration in Südkorea sind sowohl in- als auch externe Faktoren im Spiel. Unter anderem spielt China eine große Rolle. Laut den jüngst veröffentlichten Ergebnissen einer gemeinsamen Forschung Südkoreas, Chinas und Japans stammen etwa ein Drittel des Ultrafeinstaubs in Südkorea aus der Volksrepublik. Demnach werden im Schnitt 51 Prozent des Ultrafeinstaubs in Südkorea im Inland produziert, die restlichen 49 Prozent stammen aus dem Ausland. In der Winterzeit soll der Anteil des Ultrafeinstaubs aus China schätzungsweise sogar 70 Prozent erreichen. Als einheimische Faktoren wird der zu hohe Anteil fossiler Energiequellen am Energiemix genannt.


Deshalb ist die Kooperation mit den Nachbarländern wie China dringend erforderlich, um gegen die Ultrafeinstaubemissionen vorzugehen. Gleichzeitig müssen zügig Maßnahmen getroffen werden, die Südkorea eigenständig umsetzen kann. Zu solchen sofort umsetzbaren Schritten zählt beispielsweise die Einschränkung der Nutzung alter Dieselautos. Die Regierung will darüber hinaus die Verstromung von Kohle mittel- und langfristig möglichst reduzieren. Der Kohleanteil am Strommix beträgt in Südkorea mit Stand von 2017 45 Prozent und liegt somit deutlich über dem OECD-Durchschnitt von 27 Prozent. Die Regierung sieht in ihrem Haushaltsplan für 2020 vier Billionen Won (3,4 Milliarden Dollar) für Maßnahmen gegen Feinstaub vor, damit 74,6 Prozent mehr als dieses Jahr. Ihr Ziel ist es, die Ultrafeinstaubkonzentration bis 2024 um mindestens 35 Prozent verglichen mit 2016 zu senken.

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