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Trump will gegenüber Nordkorea falls notwendig Gewalt anwenden

#Thema des Tages l 2019-12-04

Nachrichten

ⓒYONHAP News

Die Bemerkung von US-Präsident Donald Trump über eine mögliche Anwendung militärischer Gewalt kann zu realem Druck gegenüber Nordkorea werden. Denn die Äußerung erfolgte, nachdem die USA mit dem Einsatz von Aufklärungsflugzeugen über der koreanischen Halbinsel auf Nordkoreas jüngsten Abschuss von Projektilen reagiert hatten. Der Einsatz eines Aufklärers kann bedeuten, Informationen über ein eventuelles Angriffsziel zu sammeln. Das kann eine Drohung darstellen, dass ein tatsächlicher Angriff erfolgen kann. Jedoch gilt eine dramatische Kehrtwende doch noch als möglich, weil die Situation bereits aufs Äußerste gespannt ist.


Angesichts der festgefahrenen Atomgespräche fühlen sich Nordkorea und die USA derzeit wohl stark unter Druck gesetzt. Nordkorea hatte die USA aufgefordert, bis Jahresende ein neues Kalkül vorzustellen. Es begann jedoch inzwischen der letzte Monat des Jahres, ohne dass Fortschritte erzielt wurden. Vor dem Fristende steht Nordkorea nun selbst unter Zeitdruck. Denn es sollte handeln, sobald die Frist abgelaufen ist.


Nordkorea würde nichts anderes übrig bleiben, als erneut eine Interkontinentalrakete oder eine Atomwaffe zu testen. Ein solcher Schritt birgt jedoch ein zu großes Risiko und könnte alles bisher Erreichte zunichtemachen, auch wenn sich Nordkorea mit der Politik am Rande des Abgrundes bestens auskennt. Dann wird sein Ziel, als Atommacht neue Beziehungen mit den USA aufzubauen und dadurch Stabilität des Regimes zu erreichen, verfehlt.


Die USA stehen ebenfalls unter Zeitdruck. Denn in- und externe ungünstige Faktoren gefährden eine mögliche Wiederwahl von Präsident Donald Trump. Im Inland strebt die Demokratische Partei Trumps Amtsenthebung an. Eine Amtsenthebung wird voraussichtlich kaum gelingen, da die Republikaner den Senat dominieren. Jedoch könnte Trump abhängig von den Ergebnissen der Amtsenthebungsuntersuchung eine „tödliche Wunde“ erleiden.


Nun geriet der Prozess zur Denuklearisierung Nordkoreas ins Schlingern, den Trump als seine größte Errungenschaft hervorhob. Zwar besteht für die USA nach Ablauf der Frist kein Handlungsdruck, sie haben aber auch nicht unbegrenzt Zeit. Es ist wünschenswert, dass vor Jahresablauf in irgendeiner Form Fortschritte erzielt würden oder zumindest Anzeichen hierfür sichtbar werden. Denn Washington braucht so bald wie möglich Erfolge in der Nordkorea-Frage.


Nachdem es die Frist gesetzt hatte, unternahm Nordkorea mehrere Tests mit Kurzstreckenraketen und einem supergroßen Mehrfachraketenwerfer. Dahinter wurde die Absicht Pjöngjangs vermutet, Südkorea als Geisel zu nehmen und Druck auszuüben, ohne die USA direkt zu provozieren. Die USA versuchten anfangs, Nordkoreas Provokationen zu verharmlosen, um das Land nicht zu provozieren. Jedoch reagierte Washington schließlich mit dem Einsatz von Aufklärern, da Pjöngjang seine Provokationen nicht unterließ.


US-Präsident Trump betont, dass er mit den Gipfeltreffen mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un einen eventuellen Krieg verhindert habe. In einem Krieg mit Nordkorea wären 100 Millionen Menschen in Nordostasien getötet worden, behauptete er. Zwar handelt es sich um eine der Übertreibungen, wie man sie von Trump kennt, es stellt aber auch eine mittelbare Druckausübung und Drohung gegenüber Nordkorea dar. Daher wiegt seine Warnung vor einer möglichen Gewaltanwendung wohl schwerer als seine bisherigen Äußerungen.

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