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Veränderungen im diplomatischen Dienst Nordkoreas

#Brennpunkt l 2020-03-19

Schritte zur Wiedervereinigung

ⓒ YONHAP News

Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un hat seine fernen Familienangehörigen aus dem Ausland zurückgerufen. Ihre Posten wurden durch andere Beamte im diplomatischen Dienst besetzt. Am 14. März verkündete das Außenministerium, dass Choe Kang-il, der frühere stellvertretende Generaldirektor für Nordamerika-Fragen, neuer Botschafter in Österreich werde. Der frühere Direktor der zweiten Europa-Abteilung im Ministerium, Ju Won-chol, wird Gesandter in der Tschechischen Republik. Auch die Botschafterposten in Großbritannien, Polen, im Iran und in Südafrika wurden neu besetzt. Die größte Aufmerksamkeit richtet sich dabei auf Choe Kang-il. Zur Bedeutung der Veränderungen sagt der politische Kommentator Lee Jong-hoon: 


Choe war Mitglied der nordkoreanischen Delegation bei der Schlusszeremonie der Olympischen Winterspiele 2018 in Pyeongchang. Er begleitete damals Kim Yong-chol, den Vizevorsitzenden der Arbeiterpartei. Doch Choe ist besser bekannt für seine Rolle als Experte für Nuklearfragen in den Verhandlungen mit den USA. Vor dem zweiten Gipfeltreffen zwischen Nordkorea und den USA im Februar des vergangenen Jahres in Hanoi beriet er sich mit Pjöngjangs Sonderbeauftragten für die USA, Kim Hyok-chol, über die Gipfelthemen. Angesichts seiner früheren Rolle in den Nuklearverhandlungen mit den USA verdient seine neue Ernennung zum Botschafter in Österreich größere Aufmerksamkeit. 


Einige Experten meinen, dass Choes neue Aufgabe bedeuten könne, dass das bisherige nordkoreanische Team für die Nuklearverhandlungen aufgelöst worden und dass Pjöngjang vorerst nicht an weiteren Gesprächen mit den USA interessiert sei. Der frühere US-Unterhändler Christopher Hill stimmte dieser Ansicht zu. Er sagte am Montag, Nordkorea werde wohl keine größere Änderung in seinem Verhalten vor den Präsidentenwahlen in den USA zeigen. Andere sagen aber auch, dass Wien, wo die Internationale Atombehörde IAEA ihren Sitz hat, der richtige Ort für Choe sei, um vielleicht inoffizielle Gespräche mit den USA zu führen:


Wien ist das Zentrum der Diplomatie in Europa, wo Nordkorea und die USA oft zusammengekommen sind. Choe könnte als Vorbereitung zu möglichen Arbeitsgesprächen mit den USA mit IAEA-Vertreter über Nuklearfragen diskutieren. Doch andere Experten sagen, dass Choe aus dem Nuklearteam ausgeschlossen wurde, weil Nordkorea nicht mehr den Dialog mit den USA vor den dortigen Präsidentenwahlen aufnehmen will. 


Interessant für Nordkorea-Beobachter ist auch der neue Botschafter in der Tschechischen Republik, Ju Won-chol. Der Europa-Experte soll nach Berichten von NK News in den USA fließend tschechisch sprechen. Sein Vorgänger war Kim Pyong-il, der ein Halbbruder des früheren Machthabers und Vaters von Kim Jong-un, Kim Jong-il, ist: 


Viele Menschen hier in Südkorea kennen Kim Pyong-il, der ein Verwandter von Kim Jong-un ist. Kim Pyong-il tauchte in Nordkorea nur gelegentlich in Erscheinung, etwa bei den Trauerfeierlichkeiten für seinen Vater und Staatsgründer Kim Il-sung 1994 und bei einer Botschafterkonferenz 2015. Er hat Jahrzehnte im Ausland verbracht. Es scheint, als ob er im Dezember plötzlich zurückgerufen wurde. Das löste Spekulationen aus, Kim Jong-un könnte seine Kontrolle über das Regime verstärkt haben. 


Choes Vorgänger in Wien, Kim Kwang-sop, ist ebenfalls ein ferner Verwandter des Machthabers. Der Schwiegersohn von Kim Il-sung ist jetzt ebenfalls zurückgekehrt. Es scheint, als ob Kim Jong-un sich durch die Verwandten nicht mehr in seiner Macht bedroht sieht:


In den frühen Jahren hatte Kim Jong-un Probleme, seine Macht zu festigen. Er stieg nach dem plötzlichen Tod seines Vaters an die Machtspitze auf, und ich denke, er war eher unvorbereitet. Doch nun hat der Machthaber seine Machtbasis gestärkt und selbst zwei bilaterale Gipfeltreffen mit US-Präsident Donald Trump abgehalten. 


Andere spekulieren, Kim könnte seine Verwandten aus Furcht zurückgerufen haben, dass sie im Ausland um Asyl bitten könnten. Ihre diplomatischen Aktivitäten waren eingeschränkt, weil ihre Bewegungen streng kontrolliert wurden:


Früher hat sich die internationale Gemeinschaft gewöhnlich nicht für die Diplomatie Nordkoreas interessiert. Nordkorea war eher passiv, was seine diplomatischen Aktivitäten betraf. Doch der jetzige Machthaber ist zur Diplomatie mit den USA und China in dem Bestreben entschlossen, einen “normalen Staat” zu schaffen. Während die Beziehungen zu den USA natürlich wichtig sind, denkt er wahrscheinlich, dass die Unterstützung europäischer Staaten wesentlich ist, um die Nuklearverhandlungen nach seinem Wunsch zu führen. Ich denke, deshalb hat Nordkorea erfahrene Diplomaten als Botschafter nach Europa entsandt. 


Nach der Ernennung der neuen Botschafter könnte Nordkoreas neuer Außenminister Ri Son-gwon seinen Einfluss vergrößern. Der frühere Vorsitzende des Komitees für die Friedliche Wiedervereinigung des Landes ist für seine Beleidigungen bekannt, die er gegenüber südkoreanischen Geschäftsleuten am Rande des zweiten innerkoreanischen Gipfels im September 2018 in Pjöngjang geäußert hatte:


Die Regierung in Seoul könnte sich dazu gedrängt fühlen, diplomatisch auf den als Hardliner bekannten nordkoreanischen Außenminister zu reagieren. Ich denke, Südkoreas Regierung sollte mit der internationalen Gemeinschaft weiter zusammenarbeiten, wenn es um den Umgang mit Nordkorea geht. Auch sollte sie auf mögliche Veränderungen in der Diplomatie Nordkoreas vorbereitet sein.

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