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Bibliotheken in Nordkorea (2. Teil)

#Blick auf Nordkorea l 2021-04-01

Schritte zur Wiedervereinigung

ⓒ Getty Images Bank

In der vergangenen Woche haben wir uns näher mit der Geschichte der nordkoreanischen Bibliotheken einschließlich der Großen Studienhalle des Volkes befasst. Im zweiten Teil blicken wir auf die technologische Entwicklung der Bibliotheken. Zum Thema sagt der südkoreanische Anwalt Oh Hyun-jong:


Es wird gesagt, dass Nordkorea bis 1992 etwa 15.000 Bibliotheken und Lesesäle hatte. Es ist schwierig, die exakte Zahl zu bestätigen, doch ist es wahr, dass Nordkorea großes Interesse an Bibliotheken hat. Der Bau von Bibliotheken ist in den Wirtschaftsentwicklungsplänen enthalten. Es gibt öffentliche Bibliotheken und Wissenschaftsbibliotheken. Öffentliche sind eingeteilt in Bibliotheken für Erwachsene und solche für Schüler, die Wissenschaftsbibliotheken in allgemeine und spezielle. Die Wissenschaftsbibliothek der Kim Il-sung-Universität zum Beispiel gilt als allgemeine Bibliothek und die in Forschungsinstituten als spzezielle. In Südkorea gibt es den koreanischen Bibliothekenverband. Eine ähnliche Organisation gibt es auch im Norden. In Südkorea sollen die Musterkopien aller gedruckten Bücher in der Bibliothek der Nationalversammlung und der Nationalbibliothek Koreas stehen. Ähnlich lagen auch in Nordkorea die Bücher an separaten, staatlichen Orten.


Südkorea führte 1963 ein Bibliothekengesetz ein, Nordkorea im Jahr 1998. Bibliothekare in Nordkorea werden Biblitothekenarbeiter genannt. Sie müssen eine Bibliothekarsprüfung ablegen. Auch nach der Prüfung erhalten sie eine regelmäßige Schulung:


In Südkorea werden die Bibliothekare als solche des ersten und zweiten Grades sowie Hilfsbibliothekare kategorisiert. Diejenigen, die an der Fakultät für Bibliotheken und Informationswissenschaft studiert haben, sind für das Bibliothekswesen des zweiten Grades qualifiziert. Nordkorea führt jedes Jahr eine Bibliothekarsprüfung durch und klassifiziert die Bibliothekare in sechs verschiedene Grade. Grad-1-Bibliothekare sollten drei verschiedene Sprachen sprechen und den Professoren Referenzen vorlegen. Grad-2- und Grad-3- Bibliothekare sollten drei beziehungsweise zwei Sprachen können. Absolventen von vier- oder fünfjährigen Universitäten können Grad 5 erwerben, während Grad 6 an solche mit drei Jahren Erfahrungen nach dem Abschluss der Oberschule oder einer zweijährigen Hochschule vergeben wird. Unter den Personen mit Grad 5 oder 6, die drei Jahre Erfahrung aufweisen, sind für Grad 4 qualifiziert. Neben den Graden erhalten einige Bibliothekare den Titel als “verdienstvoller” oder “Volks”-Bibliothekar. Verdienstvolle Bibliothekare haben mehr als 15 Jahre Erfhahrung in der Großen Studienhalle des Volkes, und solche mit über 20 Jahren Erfahrung werden “Volksbibliothekare” genannt. 


In Südkorea werden Bibliotheken unter Berücksichtigung der Zahl der Menschen eingerichtet, in Nordkorea auf der Basis der Zahl der Bücher: 


Südkoreanische Bibliotheken erlauben es den Nutzern, frei in den Büchern zu blättern. Viele Bibliotheken in Nordkorea dagegen öffnen die Bücherregale nicht öffentlich. Die Nutzer müssen durch bestimmte Verfahren gehen, bevor sie Bücher lesen. Bis Anfang der 2000er Jahre waren die Bücher in drei Kategorien eingeteilt: offen, semi-offen und nicht-offen, abhängig davon, wie viele öffentliche Informationen sie enthalten. Die Menschen konnten die semi-offenen Bücher nur an bestimmten Plätzen der Bibliotheken lesen, während die nicht-offenen Bücher nur mit der Zustimmung vom Parteikomitee gelesen werden konnten.


Seit Beginn der 2000er Jahre war Nordkorea zunehmend an elektronischen Bibliotheken interessiert, als das Land ankündigte, eine Wirtschaft auf der Basis von Wissenschaft und Technologie aufzubauen:


Nordkoreas erste Digitalbibliothek öffnete an der Kim-Chaek-Universtät für Technologie im January 2006. Nordkorea brachte zur gleichen Zeit einen Film mit dem Titel “Digitalbibliothek” heraus, um detaillierte Informationen über den Gebrauch von E-Bibliotheken weiterzugeben. E-Bibliotheken wurden seitdem an größeren Universitäten und in den Städten gebaut. Die Digitalbibliotheken in den Provinzen schufen ihre eigenen Datenbanken, um die Daten mit verschiedenen Institutionen, Universitäten und Unternehmen landesweit zu teilen, indem sie das Intranet des Landes dazu nutzen.


Im Jahr 2016 öffnete Nordkorea einen neuen Typ einer Digitalbibliothek, Sci-Tech-Komplex genannt. Es wird erwartet, dass sie sogar die Große Studienhalle des Volkes ersetzen wird. Der Komplex befindet sich auf der Mirae-Wissenschaftler-Straße in Pjöngjang Mit einer Grundfläche von 100.000 Quadratmetern ist er ein kultureller Raum, der als E-Bibliothek, Archiv und Ausstellungshalle dient:


Machthaber Kim Jong-un soll dazu aufgerufen haben, den Sci-Tech-Komplex vorrangig als E-Bibliothek zu nutzen, und den Rest als Ausstellungshalle für Wissenschaft und Technologie. Der Komplex soll über eine 43-Terabyte-Datenbank verfügen, die 138 Dokumente enthält. Für Nordkoreaner ist es wegen verschiedener Beschränkungen schwierig, Daten aus dem Ausland über Wissenschaft und Technologie zu erhalten. Doch der Sci-Tech-Komplex hat eine Datenbank über die jüngsten Errungenschaften in der Wissenschaft innerhalb und außerhalb des Landes, und die Nutzer haben Zugang zu den Informationen. Auch gründete Nordkorea ein landesweites Verteilungsnetz durch die Verbindung des Komplexes mit Digitalbibliotheken an Schulen sowie an Wissenschaftsinstituten in Fabriken und Unternehmen.

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