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Kultur

Frühlingsmusik

#Musik verbindet l 2019-04-24

Musik verbindet


Die Temperaturen klettern stetig nach oben und für ein Frühlingswetter ist es fast schon zu warm. Schließlich ist erst April, da erreicht der Frühling gerade seinen Höhepunkt. Die Forsythien, Azaleen und Kirschblüten standen bereits in voller Blüte und sind schon wieder verblüht. Nun kündigen die im warmen Sonnenschein grün knospenden Bäume die nächste Phase des Frühlings an. Es ist die Zeit der grünen Wälder und duftenden Wiesen und diese grüne Frühlingspracht besingt auch ein Danga단가. So werden in Korea kurze Lieder bezeichnet, die den Sängern vor ihren Pansori-Darbietungen zum Aufwärmen der Stimme dienten. Heute wird das Danga über den Frühling oft in Begleitung eines Gayageums gesungen. Im Lied wird beschrieben, wie mit dem heranrückenden Dano-Fest im Mai die Sonne immer später untergeht und die Elstern geschäftig herumfliegen. 


Beim Pansori handelt es sich im Grunde genommen um eine lange, überspitzte, gesanglich vorgetragene Erzählung. Die vor den Pansori gesungenen Danga weisen dagegen einfache Melodien und Rhythmen auf. Würden die Sänger bereits in die Danga viel Energie und Emotionen hineinstecken, bliebe nicht mehr viel übrig für die Hauptdarbietung. Auch könnte das Publikum das Interesse für die nachfolgenden Stücke verlieren. In den meisten Danga-Stücken geht es um einen einsamen Reisenden, der auf alle weltlichen Besitztümer verzichtet und durch die Natur streift. Oder sie zeigen auf, wie sinnlos das Streben nach Ruhm und Reichtum ist. Das Danga „Nogeumbangcho“ besingt die Freude am Wandern ohne Ziel bei schönem Frühlingswetter. Die Vitalität des Frühlings hat sich auch der nordkoreanische Komponist Kong Yeong-song 공영송 in seinem Musikstück „Frühling am Wachposten“ zum Thema genommen. Uraufgeführt wurde dieses Stück von japanischen Musikern koreanischer Herkunft zu einem Zeitpunkt, als sich zwischen Süd- und Nordkorea die Anzeichen für ein Tauwetter vermehrten. Der Titel spielt auf die Hoffnung des koreanischen Volkes an, dass auch bei den Wachposten entlang der Grenze der Frühling einkehren werde.


In Südkorea ist „Frühling am Wachposten“ als Gayageum-Stück bekannt. Ursprünglich war es jedoch ein um 1965 komponiertes Solostück für die koreanische Bambus-Flöte Danso. Die Danso-Flöte ist klein, leicht und einfach zu handhaben, weshalb die Grundschüler im Unterricht für traditionelle koreanische Musik dieses Instrument als erstes erlernen. Lange Zeit fristete die Danso-Flöte ein Schattendasein. Aber seit ihrer Einführung in den Musikunterricht, können nun viele junge Koreaner darauf spielen. Bedauerlicherweise gibt es neben den einfachen Volks- und Kinderliedern nur wenige interessante Danso-Stücke, welche die jungen Schüler motivieren, sich weiter mit der Danso-Flöte zu beschäftigen. Die Südkoreaner könnten sich an den nordkoreanischen Musikern ein Beispiel nehmen, die der Danso-Flöte mehrere Musikstücke widmeten. In dem Stück „Frühlingstag“ von dem traditionellen Ensemble The Forest wird die muntere Melodie zuerst von dem Saiteninstrument Haegeum eingeführt. Die Musik beruht auf einem Volkslied, das in nostalgischen Erinnerungen an vergangene Frühlingstage schwelgt. Und wer weiß, vielleicht wird dieser Frühling eines Tages ebenso zu den wehmütigen Erinnerungen eines anderen. 


Musik

  1. „Nogeumbangcho“, gesungen und gespielt auf dem Gayageum von Park Gui-hee 녹음방초 / 가야금병창 박귀희
  2. „Frühling am Wachposten“, komponiert von Kong Yeong-song, gespielt am Danso von Lee Yong-gu u.a. 초소의 봄 / 작곡 공영송, 이용구 단소 외
  3. „Frühlingstag“, dargeboten von The Forest 봄날 / 연주 그림

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