Zum Menü Zum Inhalt

Nordkorea

Die traditionelle Hanbok-Kleidung in Nordkorea

#Blick auf Nordkorea l 2020-01-23

Schritte zur Wiedervereinigung

© KBS

Das Fest zum Neujahr nach dem Mondkalender, Seollal, beginnt am 24. Januar. Viele Südkoreaner bereiten sich auf das Tragen der traditionellen Tracht Hanbok vor, auch Seolbim genannt. Zahlreiche junge Frauen in den Zwanzigern oder Dreißigern leihen sich zum Teil auch einen Hanbok aus und besuchen damit die alten Paläste. Auch in Nordkorea wird nach wie vor Hanbok getragen. Zum Thema sagt Kang Mi-jin, die aus Nordkorea stammt, und heute als Reporterin bei der Online-Zeitung Daily NK in Seoul arbeitet: 


Es gibt keine Seolbim-Kultur in Nordkorea. Hanbok wird normalerweise zu speziellen Gelegenheiten wie politische Veranstaltungen, Hochzeiten oder den 60., 70. oder 80. Geburtstag der Eltern getragen. Nur wenige Familien, in denen Traditionen als wichtig gelten, kleiden ihre Kinder in Hanbok und lassen sie am Mondneujahrstag Verbeugungen vor den Älteren machen. 


Nordkorea hat Seollal in den 1960er Jahren im Namen der Beseitigung feudaler Praktiken abgeschafft. Doch gab es 1989 auf Weisung des früheren Machthabers Kim Jong-il eine Wiederbelebung, um die Unzufriedenheit wegen der wirtschaftlichen Probleme zu zerstreuen. Seit damals kommen die Familien an Seollal zusammen, um gutes Essen miteinander zu teilen und sich an Volksspielen wie Drachensteigen, Federfußball oder Yutnori, ein traditionelles Brettspiel, zu erfreuen. Viele Südkoreaner tragen Seolbim, um das Ahnengedenkritual am Morgen des ersten Mondneujahrstags durchzuführen. Doch diese Praxis ist in Nordkorea nicht üblich. Gleichwohl hat Hanbok eine besondere Bedeutung: 


Für Frauen besteht Hanbok aus Jeogori und Chima, Jacke und Kleid. Während sich die Form mit der Zeit ein bisschen verändert hat, wurzelt die Tracht in der täglichen Kleidung, die die Menschen während der Jeoson-Dynastie trugen. Die zweiteilige Tracht wird in Nordkorea daher auch Joseon-ot oder Joseon-Kleidung genannt. Die Nordkoreaner sind stolz, den Geist und die Tradition der Joseon-Menschen hochzuhalten. Sie tragen Joseon-ot zu feierlichen Gelegenheiten wie den Geburtstagen der früheren Machthaber Kim Il-sung und Kim Jong-il oder auch der Mutter von Kim Jong-il, Kim Jong-suk. An nationalen Feiertagen erscheint die Frau des jetzigen Machthabers Kim Jong-un, Ri Sol-ju, im traditionellen Kostüm.


Kim Jong-il hatte die Frauen ermutigt, das Joseon-ot zu tragen. Chima und Jeogori seien es wert, der Welt vorgeführt zu werden: 


Nordkoreaner tragen Hanbok in weißer Farbe, die traditionell von den Koreanern wegen ihrer symbolischen Bedeutung eines reinen Geistes bevorzugt wird. Meine Großmutter trug ein weißes Jeogori aus Baumwolle oder Seide und ein schwarzes Kleid, der typischen Kleidung der Frauen der Joseon-Zeit. Es wurde von Anfang bis Mitte der 2000er Jahre zur Uniform von Studentinnen. Ich denke, Nordkorea betont damit die ethnische Zugehörigkeit. 


Die Hanbok-Tracht der Männer erinnert an den Freiheitskämpfer Kim Koo, der sich stets in Hanbok kleidete. Weil er gegen getrennte Regierungen in Süd- und Nordkorea war, zögerten die Nordkoreaner, das Kostüm anzulegen, weil das als Opposition zum Regime von Kim Il-sung gewertet werden konnte:


Unter dem früheren Rationierungssystem wurden die Nordkoreaner mit allem ausgestattet, Nahrungsmittel, Schuhe und Kleidung einschließlich des Hanboks. Sie mussten das annehmen. Doch in diesen Tagen gehen sie auf die privaten Märkte und wählen ihre Lieblingsfarben und das Design aus, um Hanbok zu kaufen. In China gefertigte Hanboks mit südkoreanischem Design kosten bis zu 3000 Dollar. Doch die günstigsten sind schon für 20 Dollar zu kriegen. 


Menschen, die sich keine eigene Hanbok-Tracht leisten können, leihen sich ein Kostüm bei Bedarf auch aus: 


Für Hanboks in Nordkorea werden oft Blumenmuster an die Ärmel oder ans Kleid angebracht. Die lebendigen Muster lassen Hanbok großartiger erscheinen. 


Hanbok gilt als eine Art formale Tracht, die für wichtige Tage reserviert ist. Seide aus Yongbyon in der Provinz Nord-Pyongan ist der bekannteste Hanbok-Stoff. Unter Kim Jong-un wird das Hanbok-Tragen stärker gefördert als zuvor: 


Seit Mitte der 2010er Jahre kleiden immer mehr Eltern ihre Kinder in Hanbok. Auch Männer legen die traditionelle Tracht an. Fotos vom Mondneujahrstag und einigen Veranstaltungen in Pjöngjang in den Jahren 2016 und 2017 zeigen viele Menschen, vom Kind bis zu Senioren einschließlich Männern, in Hanbok. Der nationale Stolz spiegelt sich in Liedern wie “Die Koreaner sind eines der größten Völker der Erde”. In diesem Kontext wird Nordkorea die Bürger wohl weiter ermutigen, traditionelle Kleidung zu tragen.

Die Redaktion empfiehlt

Close

Diese Webseite verwendet Cookies und andere Techniken, um die Servicequalität zu verbessern. Die fortgesetzte Nutzung der Webseite gilt als Zustimmung zur Anwendung dieser Techniken und zu den Richtlinien von KBS. Mehr >