Zum Menü Zum Inhalt

Nordkorea

Haustiere in Nordkorea

#Blick auf Nordkorea l 2020-05-14

Schritte zur Wiedervereinigung

ⓒ Getty Images Bank

In Südkorea werden in einem von vier Haushalten Haustiere aufgezogen. Die Zahl der Haustiere liegt bei über zehn Millionen. Der lokale Haustiermarkt expandiert in Südkorea im raschen Tempo. Wie ist es mit Haustieren in Nordkorea? Dazu sagt Chung Eun-chan vom Institut für Vereinigungserziehung: 


Der Ausdruck “tierischer Begleiter” ist unter Nordkoreanern eher unbekannt. Wegen eines extremen wirtschaftlichen Niedergangs entstanden Märkte, durch die einzelne Personen in dem kommunistischen Staat zu Wohlstand gekommen sind. Einige Mitglieder dieser neuen wohlhabenden Schicht haben Hunde, doch nur wenige Personen können sich das leisten. Im Allgemeinen spricht Nordkorea über Haustiere im Zusammenhang mit der Kapitalismuskritik. Hier in Südkorea ziehen die Menschen ihre Hunde an. Sie investieren viel in sie und sehen sie als Familienmitglied. Doch die wichtigste nordkoreanische Zeitung beschrieb solche Praxis als Teil der dekadenten kapitalistischen Kultur. Es scheint, als ob die Situation sich ein bisschen geändert hat, da einige Bürger Hunde halten. 


Der Ausdruck “Haustier” erschien in Nordkorea Ende der 1980er Jahre, als Angehörige der Oberschicht, darunter Funktionäre der herrschenden Arbeiterpartei, damit begannen, Hunde heranzuziehen. Seit Ende der 90er Jahre verkaufen Devisen-Läden in Pjöngjang kleine Hunde. Das populäre Magazin “Chollima” beschrieb in einer Geschichte, dass Hunde die Menschen emotional unterstützen könnten, und dass der frühere Machthaber Kim Jong-il den Leuten empfohlen habe, Hunde zu halten. Anfang der 2000er Jahre wurden kleine Hunde wie Malteser und Shih Tzu so beliebt, dass Menschen in Pjöngjang bis zu 500 Dollar für die Tiere zahlten:


Erstens, Kranke oder Menschen mit Behinderungen leben mit Haustieren für die physische oder emotionale Unterstützung. Zweitens, Mitglieder der Oberschicht oder der neuen wohlhabenden Klasse akzeptierten die ausländische Kultur, Heimtiere aufzuziehen. Diejenigen in der oberen Schicht glauben, dass es sie erhoben erscheinen lässt, wenn sie mit einem schönen Hund spazieren gehen. Nach Angaben eines nordkoreanischen Flüchtlings, der als Tierarzt in Nordkorea gearbeitet hat, kostete ein Pungsan-Welpe 30 bis 40 Dollar. Der Preis für die wertvollsten Züchtungen stieg auf 100 Dollar. Das ist ein hoher Betrag für den normalen nordkoreanischen Arbeiter. 


Staatliche Landwirtschaftsbetriebe und Kollektivbetriebe verteilen Tiere an lokale Bauern, die eine bestimmte Menge an Fleisch produzieren müssen. Die Bauernfamilien bevorzugen es daher, Schweine, Kaninchen, Schafe oder Ziegen anstatt Hunde oder Katzen zu halten:


Die Bauern müssen jedes Jahr 20 Kilogramm Schweinefleisch beim Militär abliefern. Das bedeutet, es ist für sie Pflicht, Nutztiere heranzuziehen. Manchmal lösen die Bauern das Ernährungsproblem dadurch, dass sie Schweine den Kollektivbetrieben geben und im Gegenzug Korn erhalten. Um die wirtschaftlichen Probleme zu überwinden, setzte die Regierung eine massive Aktion für die Haltung von Tieren wie Kaninchen, Ziegen und Schweinen in Gang. Die Nutztierhaltung hat sich dadurch im Land ausgedehnt. 


Nach einem Bericht des Forschungszentrums für die Nutztierindustrie Nordkoreas an der Konkuk-Universität in Südkorea von 2018 gab es 1995 in Nordkorea drei Millionen Kaninchen. Die Zahl sei 2017 als Folge der Züchtungskampagne auf 30 Millionen gestiegen. In Südkorea gebe es vier- bis sechsmal mehr Kühe, Schweine und Hühner als in Nordkorea. Doch habe der Norden um 80 Mal mehr Kaninchen: 


Kaninchen sind vor allem gute Zuchttiere. Auch essen sie nur Gras, um schnell zu wachsen. Nordkorea förderte die Kaninchenzucht, bevor es die wirtschaftlichen Schwierigkeiten gab. Nach der Wirtschaftskrise wurden Kaninchen auch als Nahrungsoption aufgezogen. Jetzt werden Fabriken, Bauernhöfe und normale Haushalte dazu ermutigt, an der Kaninchenzucht teilzunehmen. 


Früher besuchten südkoreanische Tierärzte im Zuge des innerkoreanischen Austauschs einmal im Monat Schweinezuchtbetriebe in Nordkorea, um die Anlagen zu prüfen: 


Am 7. April 2006 wurden elf Ferkel in einem Zuchtbetrieb im Landkreis Goseong nahe dem Kumgang-Gebirge in Nordkorea geboren. Das war das Ergebnis einer Schweineaufzucht durch das südkoreanische Unternehmen Darby Genetics für Nordkorea. Von den Nordkoreanern wurden die gesandten Ferkel “Schweine-Überläufer” genannt. Eine weitere Schweinezucht wurde in Kaesong gegründet. Der zweite innerkoreanische Gipfel fand im Oktober 2017 statt. Als Folgemaßnahme einigten sich beide Koreas, gemeinsam eine Schweinezucht in Pjöngjang zu gründen und zu betreiben, die 5000 Tiere aufnehmen kann. Der innerkoreanische Austausch wurde also auch im Bereich der Schweinezucht durchgeführt.

Die Redaktion empfiehlt

Close

Diese Webseite verwendet Cookies und andere Techniken, um die Servicequalität zu verbessern. Die fortgesetzte Nutzung der Webseite gilt als Zustimmung zur Anwendung dieser Techniken und zu den Richtlinien von KBS. Mehr >