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Nordkorea

YouTube-Videos in Nordkorea

#Blick auf Nordkorea l 2020-06-11

Schritte zur Wiedervereinigung

ⓒ Youtube

Wenn in Nordkorea Nachrichten gezeigt werden, erscheinen gewöhnlich ernst dreinblickende Sprecher oder Sprecherinnen. Doch der typische Reporterstil verändert sich. Verschiedene Inhalte werden auf YouTube-Kanälen hochgeladen, die von der nordkoreanischen Regierung gesteuert werden. Das Format und die Themen in den Videos sind für Nordkoreas Verhältnisse ziemlich unkonventionell. Nordkorea begann vor zehn Jahren damit, soziale Netzwerkdienste (SNS) zu nutzen, um seine Botschaften in die Welt zu verschicken. Zum Thema sagt Chung Eun-chan vom Institut für Vereinigungserziehung: 


Organisationen oder Behörden in Nordkorea haben seit 2010 verschiedene Websites und SNS-Konten geöffnet. Dazu gehören Propagandaabteilungen sowie das Komitee für die Friedliche Wiedervereinigung Koreas, das für die innerkoreanischen Beziehungen zuständig ist. Doch waren die Inhalte nicht sehr populär, da es zum größten Teil um ernste Themen ging, die der Propaganda dienten. Doch ein YouTube-Kanal mit dem Namen “Echo DPRK” ist anders. DPRK steht für Demokratische Volksrepublik Korea. Der im August 2017 gegründete Nachrichtenkanal zeigt die Moderatorin Un-A. Ein weiterer YouTube-Kanal, “New DPRK”, startete im April dieses Jahres, und es postet Videos über ein Mädchen mit dem Namen Ri Su-jin aus Pjöngjang. Unter Kim Jong-uns Herrschaft nutzt Nordkorea YouTube als neues Propagandawerkzeug. 


Die nordkoreanischen Moderatorinnen in den YouTube-Videos sprechen nicht mehr in einem seriösen Ton und gebrauchen keine großen Worte wie “der gnadenvolle Oberste Anführer”. Die Moderatorin Un-A zeigt Videoclips unter dem Titel “Un-As Pjöngjang-Tourserie”. Sie ist modisch gekleidet und stellt in flüssigem Englisch touristische Attraktionen in der Hauptstadt vor:


In einem Video vom 30. April trägt Un-A ein Abzeichen mit dem Abbild des verstorbenen nordkoreanischen Machthabers Kim Il-sung und erklärt aus einem Aufnahmestudio die innere Situation Nordkoreas. Sie hat einen Kopfhörer, spricht Englisch und singt. Die junge Frau trägt eine Bluse mit Blumenmuster und einen modernen Trenchcoat anstatt eines traditionellen Hanbok, was die offizielle Kleidung für Nordkoreanerinnen für wichtige Veranstaltungen ist. Die YouTube-Videos sollen offensichtlich vor ausländischem Publikum für das nordkoreanische Regime werben. Es werden ein Supermarkt oder ein Kaufhaus in Pjöngjang gezeigt, und Nordkorea demonstriert damit, dass es dem Land trotz der Covid-19-Krise und internationalen Sanktionen gut geht. 


Die siebenjährige Ri Su-jin spricht in ihren Clips über ihr glückliches Leben in Pjöngjang. In einem Video zeigt sie ihr Wohnhaus, das einen Aufzug hat, sowie ihr Wohnzimmer, in dem Gegenstände für die obere Schicht stehen, wie etwa ein Klavier, eine große Couch und ein Aquarium. Diese Clips sind meistens in koreanischer Sprache produziert. Somit könnten sie für südkoreanische Verbraucher gedacht sein:


Für die allgemeine Bevölkerung Nordkoreas ist es schwierig, in solch einem Luxusapartment-Gebäude zu wohnen, wie es in Ri Su-jins Videos vorkommt. Klavierspielen und Snacks zu essen ist nur für Kinder von wohlhabenden Familien möglich. Durch diese Videos zeigt Nordkorea der Außenwelt, dass die Bürger trotz Sanktionen ein gutes Leben führen und ihre Kinder gut erzogen sind. 


Es wird spekuliert, dass die Schwester von Machthaber Kim Jong-un, Kim Yo-jong, für die YouTube-Videoproduktion zuständig ist. Chung sagt über die Ri Su-jin-Filme: 


Im Video sagt das kleine Mädchen, dass sie dem Machthaber zurückzahlen wird, indem sie eine großartige Person wird. Das heißt, alle Vorteile, die sie genießt, kommen dem Machthaber zugute. Wenn es das Alltagsleben des Kindes zeigt, fördert Nordkorea auch den Personenkult um den Machthaber und das Regime. Wegen der internationalen Sanktionen ist es für Nordkorea dringend nötig, die wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu überwinden und ein stabiles Regime zu haben. Die Videos unterstreichen, dass die Sanktionen nicht wirksam sind und dass es dem Regime gut geht. Die von Kim Yo-jong geleitete Propaganda- und Agitationsabteilung der Arbeiterpartei verändert radikal die Art und Weise, mit der das Regime vor dem internationalen Publikum gefördert wird. 


In Südkorea ist das Anschauen der Propagandavideos aus Nordkorea erlaubt, aber ihre Verbreitung ist verboten: 


Korea ist ein geteiltes Land, und beide Koreas haben eine lange Geschichte der Regime-Rivalität. In Südkorea gilt nach wie vor das Nationale Sicherheitsgesetz, obwohl Südkorea sagt, dass sich sein nördlicher Nachbar dem Friedensprozess angeschlossen habe. Artikel 7 des Gesetzes verbietet es, das nordkoreanische Regime zu preisen. Doch Streamingdienste wie YouTube sind überall zu haben. Es sollte also kein Problem sein, dass Südkoreaner Zugang zu nordkoreanischen YouTube-Videos haben. Die sinnlose Verbreitung nordkoreanischer Materialien in Südkorea sollte aber verboten bleiben.

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