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Schritte zur Wiedervereinigung

Nordkorea sprengt das innerkoreanische Verbinungsbüro

2020-06-18

ⓒ KBS

Am 16. Juni um 14.49 Uhr sprengte Nordkorea das innerkoreanische Verbindungsbüro in der Grenzstadt Kaesong. Die Explosion wurde auch auf südkoreanischer Seite wahrgenommen. Am 4. Juni hatte die Schwester des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong-un, Kim Yo-jong, von der Möglichkeit gesprochen, dass das Büro geschlossen werden könnte. Die stellvertretende Abteilungsleiterin des Zentralkomitees der Arbeiterpartei kritisierte damals die anti-kommunistischen Flugblätter, die nordkoreanische Flüchtlinge und Aktivisten in Südkorea mit Ballons über die Grenze geschickt hatten. Am 13. Juni sagte sie, eine “tragische Szene” um das nutzlose Verbindungsbüro werde sich ereignen. Das Büro wurde schließlich 21 Monate nach seiner Öffnung zerstört. Zum Thema sagt der politische Kommentator Kim Hong-guk:


Die Explosion des vierstöckigen Gebäudes war groß und laut genug, dass sie auf südkoreanischer Seite der Grenze gesehen und gehört werden konnte. Die nordkoreanischen Medien zeigten die Sprengung. Dieses schockierende Ereignis erfolgte, nachdem Nordkorea erklärte hatte, Südkorea künftig als “Feind” behandeln zu wollen. Die Zerstörung des Gebäudes, einem Symbol der innerkoreanischen Kooperation, bedeutet, dass die Beziehungen ihren tiefsten Punkt seit der gemeinsamen Gipfelerklärung vom 15. Juni 2000 erreicht haben. 


Das Verbindungsbüro stellte den ersten ständigen Kommunikationskanal zwischen beiden Ländern dar. Es wurde am 14. September 2018 geöffnet, 14 Tage nach der Unterzeichnung der Erklärung von Panmunjom durch den südkoreanischen Präsidenten Moon Jae-in und Nordkoreas Machthaber. Das wurde als Beginn eines konstanten Dialogs zwischen beiden Ländern gesehen: 


Das Büro war eines der wichtigsten Resultate der Panmunjom-Erklärung vom 27. April 2018. Es war ein Ort für innerkoreanische Kontakte, Treffen, Konsultationen und den Austausch. Das Erdgeschoss wurde vor allem für die Fortbildung gebraucht, im dritten Stockwerk befanden sich die Besprechungsräume. Die zweite Etage wurde von südkoreanischen Beamten genutzt, während auf der vierten Etage die Nordkoreaner waren. Der Vize-Vereinigungsminister war der Leiter der südkoreanischen Seite des Büros, bei Nordkorea war es der Vize-Vorsitzende des Komitees für die Friedliche Wiedervereinigung des Vaterlandes. Etwa 30 Beamte von jeder Seite arbeiteten dort. Das Büro wurde am 31. Januar wegen der Besorgnis um Covid-19 geschlossen. Weniger als fünf Monate später hat es Nordkorea zerstört. Die Explosion kann als einseitige Vernichtung der innerkoreanischen Abkommen gesehen werden. 


Am Mittwoch teilte Nordkorea mit, dass es das Angebot Südkoreas zurückgewiesen habe, Sondergesandte zu schicken. Demnach wollte Präsident Moon den Chef des Nationalen Sicherheitsbüros, Chung Eui-yong, sowie Geheimdienstchef Suh Hoon nach Nordkorea entsenden. Kim Yo-jong warf Südkorea vor, einen “taktlosen und dunklen” Vorschlag gemacht zu haben:


In seiner Rede zum 20. Jahrestag des ersten innerkoreanischen Gipfeltreffens im Jahr 2000 rief Präsident Moon erneut zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit auf. Doch Kim Yo-jong nannte die Rede ein “altes Schema” und “widerlich”. Auch der Direktor der Vereinigten Frontabteilung, Jang Kum-chol, kritisierte  Moon und die Regierung in Seoul. Nordkorea gebrauchte dabei drastische Worte, wie “widerlich”, “feige” und “schwach”. Nordkorea machte dadurch deutlich, dass es die Beziehungen zu Südkorea abbrechen will. 


Das Präsidialamt in Seoul verurteilte die Erklärung Kim Yo-jongs zu Moons Äußerungen als “rüde und sinnlose” Rhetorik:


Bisher hat das Präsidialamt die innerkoreanische Zusammenarbeit und den Austausch hervorgehoben, trotz vieler Probleme. Doch die abrupte Zerstörung des Verbindungsbüros ist ganz klar ein feindseliger Akt. Südkorea schickte bisher moderate Botschaften in Richtung Nordkorea. Doch am Mittwoch zeigte sich das Präsidialamt entschlossen, die Situation nicht länger dulden zu wollen. Bei einer Dringlichkeitssitzung betonte der Nationale Sicherheitsrat, dass Südkorea streng auf Pjöngjangs Beleidigungen reagieren wird. 


Einige Stunden vor der Sprengung des Verbindungsbüros erklärte der Generalstab der nordkoreanischen Volksarmee, dass Nordkorea wieder Soldaten in diejenigen Grenzzonen schicken werde, die bereits “entmilitarisiert” worden seien. Am Mittwoch kündigte Nordkoreas Militär dann an, Truppen in die Tourismuszone am Kumgang-Gebirge und in den Industriepark von Kaesong schicken und bereits zurückgezogene Wachposten in der demilitarisierten Zone wieder aufstellen zu wollen: 


Ich denke, das nordkoreanische Militär wird seine Pläne ausführen. Ich kann mir auch vorstellen, dass Nordkorea eine provokative Aktion nahe der Nördlichen Grenzlinie unternehmen könnte. Die neue Verstärkung der Grenzgebiete wird die Spannungen erhöhen. Südkorea sollte die Bewegungen des nordkoreanischen Militärs genau verfolgen und auf Provokationen entschieden reagieren. 


Nordkoreas Militär drohte auch damit, wieder eigene Propaganda-Flugblätter an der Grenze verbreiten zu wollen. Das Vereinigungsministerium in Seoul dagegen will die Flugblattaktion privater Organisation verbieten: 


Ich denke, die Nordkorea-Politik der Regierung sollte konsistent sein, und sie muss die innerkoreanischen Beziehungen aus einer langfristigen Perspektive managen. Flugblätter von nordkoreanischen Flüchtlingen kritisierten und provozierten den Norden, und sie erwiesen sich meistens als unwirksam und wenig hilfreich für die südkoreanischen Friedensbemühungen. Ich denke daher, dass es richtig ist, die Flugblattkampagne zu verbieten.

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