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Nordkorea riegelt wegen Corona-Verdachtsfalls Kaesong ab

2020-07-30

ⓒ YONHAP News

Nordkorea erklärte am vergangenen Sonntag, dass es die grenznahe Stadt Kaesong wegen eines Verdachtsfalls mit dem Coronavirus komplett abgeriegelt habe. Bei einem “Ausreißer”, der vor drei Jahren nach Südkorea übergelaufen und jetzt illegal über die militärische Demarkationslinie zurückgekehrt sei, seien Krankheitssymptome festgestellt worden. Über die Region sei der Notstand verhängt worden. Zum Thema sagt der politische Kommentator Choi Young-il:


Der Mann mit Nachnamen Kim ist in den Zwanzigern. Er war vor drei Jahren nach Südkorea geflüchtet, indem er zur kleinen Insel Gyodong nordwestlich der Ganghwa-Insel geschwommen war. Er lebte in der Region Gimpo. Bevor er nach Nordkorea zurückkehrte, wurde gegen ihn wegen des Verdachts der Vergewaltigung einer Überläuferin ermittelt. Um etwa 14.00 Uhr am 18. Juli traf er mit dem Taxi auf Ganghwa ein. Das Gebiet war an der innerkoreanischen Grenze mit Stacheldraht abgeriegelt. Nach Angaben des Militärs schwamm er vermutlich unter dem Zaun durch ein Abwasserrohr. Das Abwassersystem führt zum Mündungsgebiet des Han-Flusses im Westmeer. Er ist wahrscheinlich etwa vier Kilometer geschwommen, bevor er die Küste Nordkoreas erreichte. In der Nähe des Orts, wo er aus dem Taxi stieg, fand man eine Tasche, die seine persönlichen Dinge enthielt.


Einige nordkoreanische Flüchtlinge waren in den vergangenen Jahren in ihre Heimat zurückgekehrt. Nordkoreas Medien berichteten in der Regel von solchen “freiwilligen” Rückkehrern. Diesmal ging es aber mehr um den Verdacht einer Corona-Infektion. Machthaber Kim Jong-un rief am 25. Juli ein erweitertes Krisentreffen des Politbüros der Arbeiterpartei ein. Dabei wurde das staatliche Notfall-Quarantänesystem auf die höchste Alarmstufe angehoben:


Früher nutzte Nordkorea Flüchtlinge, die sich nicht in Südkorea niederlassen konnten und zurückkehrten, stets als Mittel, um die südkoreanische Gesellschaft zu kritisieren. Doch diesmal berichteten die Medien über unklare Ergebnisse von Tests an einem Rückkehrer, der Covid-19 haben könnte. Sie berichteten, dass Kaesong vollständig gesperrt wurde.


In Südkorea war der Mann vor seiner Flucht nicht als Corona-Infizierter registriert. Auch war nichts von Kontakten mit Patienten bekannt. Nordkorea betont jedoch, dass der Mann womöglich das “bösartige Virus” eingeschleppt habe. Pjöngjang behauptete bisher, keinen einzigen Infektionsfall mit Sars-Cov-2 zu haben. Beobachter spekulieren, dass der Norden Südkorea die Schuld für die Ausbreitung des Virus geben könnte:


Nordkoreas medizinische Infrastruktur und das Quarantänesystem sind nicht genügend entwickelt, um mit Covid-19 fertig zu werden. Sollte sich das Virus tatsächlich bereits im Land ausgebreitet haben, würde Nordkorea medizinische Hilfe von Südkorea benötigen. Doch vorerst kann es Südkorea nicht um Hilfe bitten. Falls die Infektionskrankheit in Kaesong grassiert - wegen einer Person aus Südkorea - könnte Nordkorea einen Vorwand finden, um Südkorea die Verantwortung dafür übernehmen zu lassen und die erforderliche Hilfe fordern. Einige Experten sagen, diese Absicht war in den jüngsten nordkoreanischen Medienberichten enthalten.


Während einer Anhörung am 23. Juli sagte der designierte südkoreanische Vereinigungsminister Lee In-young, dass humanitäre Fragen im Umgang mit Nordkorea unabhängig von politischen Erwägungen behandelt werden sollten. Einige Experten vermuten daher, dass Nordkorea indirekt bei Südkorea wegen der Zusammenarbeit im Gesundheitswesen anfragen könnte:


Südkorea hat zuletzt sein Diplomatie- und Sicherheitsteam neu organisiert. Ich kann mir vorstellen, dass Südkorea bereit ist, humanitäre Hilfe für Nordkorea zu leisten, wenn Pjöngjang wegen des Flüchtlingsvorfalls darum bittet. Angesichts des Stillstands in den Beziehungen zwischen Nordkorea und den USA hofft Südkorea, einen Weg finden zu können, um zunächst die innerkoreanische Zusammenarbeit wiederaufnehmen zu können.


Nordkoreas Führung scheint den Vorfall um den Flüchtling auch zu nutzen, um die Kontrolle über das Militär und die Bevölkerung zu verstärken. Es wies auf die mögliche Unachtsamkeit der Grenzposten hin. Auch wächst die allgemeine Unzufriedenheit wegen der wachsenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten im Land. Die Regierung könnte daher versuchen, die Aufmerksamkeit der Menschen von diversen internen Problemen abzulenken:


Nordkorea könnte den Fall um den Rückkehrer auch nur dazu nutzen, um Südkorea zu kritisieren und nicht um Zusammenarbeit zu bitten. Dadurch könnte Nordkorea öffentliche Unruhe und die Unzufriedenheit, die durch die wirtschaftlichen Probleme und die Covid-19-Präventionsmaßnahmen ausgelöst wurden, abmildern. Doch das wird nur als Überbrückungsmaßnahme funktionieren und nicht die dringlichen Probleme in umfassender Weise lösen.


Kim Jong-un erklärte unterdessen am 27. Juli bei einer Veteranen-Konferenz zum 67. Jahrestag des Endes des Korea-Kriegs 1953, dass die Atomwaffen des Landes die nationale Sicherheit garantierten. Warum sagt er das jetzt, wenn ein spezielles Quarantänesystem für das Land gilt?


Innenpolitisch scheint der Machthaber die Solidarität der Menschen stärken und sich ihrer Loyalität versichern wollen, indem er betont, dass Nordkorea ein starkes Land ist. Nach außen hin sendet er eine Botschaft an die USA. Nordkorea begeht den 27. Juli als “Tag des Sieges”, indem es behauptet, den Krieg gegen die USA gewonnen zu haben. Nordkorea will zeigen, dass es dem Land gut geht, und dass es sich gegen Bedrohungen durch die Supermacht USA schützen kann. Auch deutet es an, dass es seine Nuklearwaffen niemals aufgeben wird.

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