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Schritte zur Wiedervereinigung

Nordkorea verstärkt die ideologische Kontrolle

2021-07-01

ⓒ KBS

Am 29. Juni veröffentlichte die offizielle nordkoreanische Zeitung Rodong Sinmun einen Leitartikel mit dem Titel: “Ideologie ist die stärkste Waffe im Aufbau des Sozialismus”. Die derzeitige Lage wurde als die “bisher schlimmste Situation” beschrieben. Das Land müsse einen ideologischen Krieg führen. Die Medien betonten zuletzt verstärkt, dass es nötig sei, gegenüber dem Einfluss kapitalistischer Kultur auf der Hut zu sein. Zum Thema sagt Hong Min von der Nordkorea-Forschungsabteilung am Korea-Institut für Nationale Vereinigung: 


Nordkorea ist seit langem internationalen Sanktionen unterworfen. Die verlängerten Lockdown-Maßnahmen führten zudem dazu, dass die Bürger eine Pandemie-Müdigkeit spüren. In dieser Situation könnte sich die Disziplin im Sozialleben der Menschen auflösen. Nordkorea will deshalb die Menschen aufrütteln. Junge Nordkoreaner in den Zwanzigern oder Dreißigern wurden nach der Schaffung des Privatmarkts in dem kommunistischen Land geboren, und die Menschen kennen den Markt seit Mitte oder Ende der 1990er Jahre. Auf diese Altersgruppen entfällt ein bedeutender Anteil der Bevölkerung, und sie sind sozial aktiver als andere Gruppen. Wenn Machthaber Kim Jong-un sein Land für den Rest seines Lebens regieren will, muss er sich ihnen zuwenden. Aus diesem Grund betont Nordkorea die ideologische Disziplin der Bevölkerung. 


Nordkorea kontrolliert die Menschen, um sie von der Bewunderung der Außenwelt abzuhalten und größeres Misstrauen gegenüber dem eigenen Regime abzuwenden:


Jungendliche in Nordkorea, wie viele andere auch weltweit, mögen südkoreanische Kulturinhalte wie Musik, Filme und TV-Serien, die auf winzigen Speichergeräten einschließlich USB-Sticks Verbreitung fanden. Die jungen Nordkoreaner sind geschockt, wenn sie in südkoreanischen Filmen allein schon die Möbel und die Innnenaustattung von Wohnungen sehen. Das ist etwas völlig anderes, als was sie kennen. In Nordkorea ist der Handel mit südkoreanischen Waren verboten. Doch die Bürger können sie inoffiziell zu hohen Preisen kaufen. Sie vertrauen den Qualitätsprodukten aus Südkorea. Wenn die Nordkoreaner auf solche Weise denken, dann muss Kim Jong-un wegen eines möglichen Risses in seinem Regime nervös werden. 


Im vergangenen Dezember setzte die Volksversammlung in Nordkorea vier neue Gesetze inkraft, darunter ein Gesetz gegen “reaktionäre Ideologie und Kultur”:


Nordkorea nannte keine Details des neuen Gesetzes. Doch wird angenommen, dass das Gesetz davor schützen soll, dass die Bürger fremder Kultur ausgesetzt sind. Kim Jong-un hat diesen Teil seit dem Beginn seiner Herrschaft 2012 besonders betont. Nordkorea verstärkte seine Grenzkontrollen und bestraft die Übertreter entsprechender Regeln mit aller Härte. Es wird gesagt, dass das neue Gesetz die Todesstrafe für Menschen vorsieht, die dabei ertappt werden, südkoreanische Kulturinhalte zu verbreiten. 


Anfang März organisierte Nordkorea im Hauptquartier des Zentralkomitees der Arbeiterpartei einen Schnellkurs für sogenannte Chefsekretäre für Städte, Landkreise und Parteikomitees ab. Dabei sollten die Teilnehmer die Entscheidung früherer Parteitreffen kennenlernen. Selbst Kim nahm daran teil:


Es ist sehr ungewöhnlich für Nordkorea, einen Schnellkurs einzubereufen, dem der Machthaber vorsitzt. Stadt- und Kreis-Chefsekretäre werden vom Machthaber ernannt. Sie sind die mächtigsten Funktionäre in ihrer Region. Ihre ideologische Erziehung ist also sehr wichtig. Das spiegelt auch das Gefühl der Krise wider, wonach das Fehlen der richtigen Erziehung der jüngeren Generation einen strukturellen Riss durch die Gesellschaft verursachen kann. 


Kim nahm im April auch an einer Konferenz für Sekretäre der Parteizellen teil. Dabei handelt es sich um kleinste Parteieinheiten. Kim sagte, dass er nicht mehr länger ruhig sitzen und den ideologischen Zustand der jungen Menschen mitansehen könne. Auch hielt Nordkorea im April zum ersten Mal seit fünf Jahren einen Kongress der Jugendverbindung ab, um die jungen Menschen dazu aufzurufen, sich mit der sozialistischen Ideologie auszurüsten: 


Junge Nordkoreaner denken, dass sie dem Staat nichts schulden und dass sie nicht vom Staat abhängig sein müssen. Sie sahen, wie ihre Eltern auf dem Privatmarkt, oder Jangmadang, Geld verdienten. Sie sind mehr daran interessiert, mehr Geld zu machen. Wie man mit der jungen Generation umgeht, bereitet der Regierung großes Kopfzerbrechen, weil ausgediente Materialien oder Methoden für die ideologische Erziehung für sie nicht mehr arbeiten. Kim Jong-un wies zuletzt Beamte an, mehr die Medien auszuschöpfen, wenn es um Propagandaaktivitäten geht, die junge Menschen stärker ansprechen. Die Vizedirektorin der Abteilung für Propaganda und Agitation in der Arbeiterpartei, Hyon Song-wol, ist eine Prominente, der bei der jungen Generation sehr beliebt ist. Nordkorea versucht alles, um effektivere Propagandamethoden anzuwenden, um die Herzen der jungen Menschen zu gewinnen. 

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