Nachrichten

Koreanische Halbinsel von A bis Z

Schritte zur Wiedervereinigung

Nordkorea kritisiert Rückzug der USA aus Afghanistan

2021-09-09

ⓒ Getty Images Bank

Die USA haben am 30. August ihren Rückzug aus Afghanistan abgeschlossen. Die Amerikaner und ihre Alliierten waren in Afghanistan nach den Terroranschlägen auf die USA am 11. September 2001 einmarschiert. Im vergangenen Jahr hatte der frühere US-Präsident Donald Trump mit den militant-islamistischen Taliban ausgemacht, dass die USA ihre Verbände wieder abziehen. Nach 20 Jahren Krieg in Afghanistan entschied der jetzige Präsident Joe Biden, das Vorhaben umzusetzen. Zum Thema sagt der politische Kommentator Choi Young-il:


Nachdem die USA alle ihre Truppen aus Afghanistan zurückgezogen hatten, betraten die Taliban-Kämpfer sofort den Präsidentenpalast in Kabul und nahmen das Land unter ihre Kontrolle. Die USA waren ursprünglich davon ausgegangen, dass die afghanische Regierung noch mindestens bis Ende des Jahres im Amt sein wird. Doch die Prognosen erwiesen sich als falsch. Die ganze Welt war erstaunt, wie schnell die Regierung zusammenbrach. Noch immer fliehen Einheimische aus dem Land. Europa zögert, Afghanen aufzunehmen, und es ist unklar, wie viele Afghanen ihr Heimatland noch verlassen werden. Viele meinen, dass die Biden-Regierung die Verantwortung für die jetzige Situation übernehmen sollte. 


Nordkorea kritisierte die USA wegen der Lage in Afghanistan. Am 5. September nannte das Außenministerium in Pjöngjang in mehreren Mitteilungen die USA einen Zerstörer des Weltfriedens. Nordkorea will offenbar die Frage der Menschenrechte ausnutzen, um Druck auf Washington auszuüben: 


Ein Bericht über die Menschenrechte in Nordkorea wird jährlich herausgegeben, um zu illustrieren, wie schlecht die Situation dort ist, wie diktatorisch das nordkoreanische Regime ist und wie es die eigenen Bürger behandelt, wenn sie das Kim-Jong-un-Regime kritisieren. Nordkorea reagiert höchst empfindlich auf internationale Kritik an den Verletzungen der Menschenrechte. Nach den Vorfällen in Afghanistan verurteilt die internationale Gemeinschaft die USA wegen der Menschenrechtssituation im Land. Das ist eine Gelegenheit für Nordkorea, die USA wegen der Menschenrechtsfrage zu kritisieren.


Nutzt Nordkorea die Kritik, um die USA dazu zu bringen, auf seine Bedinungungen für neue Nuklear-Verhandlungen einzugehen?


Länder, die feindselige Beziehungen zu den USA haben, werfen den USA vor, für die Krise in Afghanistan verantwortlich zu sein, und sprechen daher über die Menschenrechtsfrage. Nordkorea schließt sich ihnen an. Es mag sich darin gefallen, die USA wegen der Menschenrechtsfrage zu attackieren, aber es kann praktisch nichts damit gewinnen. Indem es die Frage aufwirft, könnte Nordkorea einen Kommunikationskanal mit den USA einrichten wollen. Auch will es den USA sagen, dass Nordkorea anders ist als Afghanistan, und dass die USA mit Nordkorea nicht so umgehen können wie mit Afghanistan. Pjöngjang will wahrscheinlich sagen, dass es eine Atommacht ist und weit mächtiger ist als Afghanistan.

 

Nordkoreas jüngste, gegen die USA gerichtete Rhetorik unterscheidet sich von seiner typischen Kritik an der US-Regierung. Ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums und die Außenminister Kubas, Syriens und des Iran haben die USA wegen der Lage in Afghanistan verurteilt. Das nordkoreanische Außenmninisterium berichtete über diese Kritik. Die internationale Kritik an den USA nehme zu, hieß es. Es kritisiert damit die USA eher indirekt über die Haltung anderer Länder: 


Nordkorea ist berüchtigt für seine scharfe Rhetorik gegen die USA. Es sagt, dass die USA ihre feindselige Politik ändern sollten, und dass es Atomwaffen entwickelt, um sich vor den USA zu schützen. Doch das ist Nordkoreas subjektive Ansicht, und die internationale Gemeinschaft stimmt dem nicht zu. Jetzt aber geben einige Länder den USA die Schuld für die Nöte der afghanischen Flüchtlinge. Indem sich Nordkorea ihnen anschließt, will es seine eigene Kritik an den USA rechtfertigen. 


US-Präsident Biden sagte unterdessen in einer Rede zum Abzug aus Afghanistan, dass die USA jetzt neuen Herausforderungen gegenüberstehen, wie etwa dem ernsten Wettbewerb mit China, der Weitergabe von Atomwaffen und Cyber-Attacken:


Nach der Beendigung des Kriegs in Afghanistan wollen die USA China in Schach halten und eine dominierende Weltmacht sein. Doch China hat unter der Führung von Xi Jinping das ehrgeizige Ziel, die USA wirtschaftlich nach 2030 zu überholen. Beide Länder befinden sich auch bei militärischen Fragen in einem Tauziehen. Die Biden-Regierung bemüht sich sehr, um China wirksam zu kontrollieren. Die internationale Gemeinschaft ist besorgt, wie sich angesichst des eskalierenden Konflikts zwischen den USA und China eine neue Ordnung schaffen lässt.


Die Aufmerksamkeit richtet sich jetzt auch auf die Frage, wie sich die Beendigung der US-Militärpräsenz in Afghanistan auf die Beziehungen zu Nordkorea und die Diplomatie hinsichtlich der koreanischen Halbinsel auswirken wird: 


Experten denken nicht, dass die USA einen Rückzug ihrer Truppen aus Südkorea erwägen, das ein langjähriger Verbündeter ist. Die koreanische Halbinsel ist eine strategisch wichtige Region, um China in Schach zu halten. Nordkorea erwartet, dass die USA sich mehr auf die Sicherheitssituation in Nordostasien konzentrieren werden, nachdem sie sich aus dem Nahen Osten zurückgezogen haben und Atomgespräche mit Nordkorea anstreben. Doch wenn man Washingtons jüngste Haltung beurteilt, so werden die USA wahrscheinlich nicht so leicht Nordkoreas Forderungen akzeptieren. Es bleibt abzuwarten, ob es zu einem Wendepunkt in den Beziehungen Nordkoreas zu den USA nach den Vorfällen in Afghanistan kommen wird.

Aktuelle Nachrichten