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Schritte zur Wiedervereinigung

Nordkoreas Wirtschaftslage

2021-11-04

ⓒ YONHAP News

Im Januar dieses Jahres hat Nordkorea auf dem achten Parteitag der Arbeiterpartei einen Fünfjahresplan zur wirtschaftlichen Entwicklung vorgestellt. Lokale Medienagenturen drängen nun die Öffentlichkeit, Ergebnisse vorzulegen. Analysten sagen jedoch, dass der Medienrummel nur zeigt, wie schwierig es ist, die wirtschaftlichen Probleme des Landes zu lösen.


Hören wir dazu Cho Han-bum, leitender Forscher am Koreanischen Institut für Wiedervereinigung. 


Auf dem siebten Parteitag 2016 hat Nordkorea einen Fünfjahresplan zur wirtschaftlichen Entwicklung aufgestellt. Aber Kim Jong-un gab selbst zu, dass der Plan gescheitert ist. Auf dem achten Parteitag Anfang dieses Jahres wurde ein neuer Fünfjahresplan über Eigenständigkeit verkündet, der aber von Anfang an nicht umsetzbar war. Die internationalen Sanktionen gegen Nordkorea und die pandemiebedingte Grenzschließung haben die Wirtschaft noch weiter verschlechtert. Nicht mal einen Monat nach der Ankündigung des neuen Plans kritisierte der nordkoreanische Führer die mangelhafte Zielsetzung. Seitdem wurde die Öffentlichkeit auf verschiedenen Versammlungen ermutigt, den Plan angemessen umzusetzen. Tatsächlich bleiben jedoch alle Bereiche vorerst weit hinter ihrem Ziel zurück.


Laut einem Bericht der Korea Trade-Investment Promotion Agency hat Nordkorea alles dafür getan, die Nahrungsmittelknappheit zu beheben, doch es bleiben ernsthafte Probleme. Die jüngsten Preise für Reis und Mais stiegen im Vergleich zu Anfang dieses Jahres um das 1,7- bzw. 2,4-fache. Da immer weniger Nahrungsmittel zur Verfügung stehen, sind viele Menschen von Unterernährung bedroht.


Nordkorea steht vor einer schweren Nahrungsmittelknappheit. Im Juni gab Kim Jong-un erstmals zu, dass die Ernährungslage angespannt ist. Im vergangenen Frühjahr gab es viel Regen und im Vergleich zu den Vorjahren viel weniger Sonnenlicht. Die Reisproduktion konnte ein ähnliches Niveau wie im letzten Jahr halten, aber die Kartoffel- und Maisernte ist in einem schlechten Zustand. Die Preise für Reis und Mais waren in den letzten fünf Monaten extrem hoch, was darauf hindeutet, dass das Land auf eine sich verschärfende Nahrungsmittelknappheit zusteuert.


Darüber hinaus leidet Nordkorea aufgrund der andauernden Grenzschließung unter dem schlimmsten Mangel an Gütern, einschließlich des täglichen Bedarfs.


Die nordkoreanische Wirtschaft stützt sich auf private Märkte, genannt Jangmadang, wo viele importierte Waren gehandelt werden. Vor allem Mehl, Zucker, Sojaöl und Gewürze, die hauptsächlich aus China stammen, sind jetzt vergriffen, da die Grenze zwischen Nordkorea und China seit fast zwei Jahren geschlossen ist. Darüber hinaus unterliegt Nordkorea seit langem internationalen Sanktionen, die mehr als 90 Prozent seines Handels einschränken. Es scheint, dass die nordkoreanische Wirtschaft an einem Knackpunkt angelangt ist. Dies ist keine normale Situation.


Unterdessen verabschiedete der ständige Ausschuss der Obersten Volksversammlung Nordkoreas in Pjöngjang am 29. Oktober neue Gesetze. Laut Analysten zielt Nordkorea darauf ab, Wirtschaft und Finanzen zu digitalisieren und die Wirtschaftsaktivitäten international auszubauen.


Im Einklang mit der Verbreitung der Jangmadang-Märkte bereitet sich Nordkorea auf transparente Transaktionen und eine digitale Gesellschaft vor. Aus politischer Sicht ergänzt das Land die Defizite der Planwirtschaft durch die Jangmadang. Aber der Schwarzmarkt wirft kaum Steuern ab, und Nordkorea versucht, durch Einführung elektronischer Transaktionen und Quittungen die Kontrolle über die Märkte zu erringen. Durch die Aufnahme der Jangmadang in die offizielle Staatswirtschaft wird versucht, mehr Steuern einzutreiben und finanzielle Ressourcen zu sichern.


Es scheint, dass Nordkorea in letzter Zeit den Personenkult um Kim Jong-un verstärkt hat. Kim befürwortete auf dem achten Parteitag Anfang des Jahres die sogenannte „People-First-Politik“ als politische Grunddoktrin des Sozialismus. Und Lokale Medien haben sich in letzter Zeit darauf konzentriert, den Anführer zu loben. Auch das mag im Zusammenhang mit den Wirtschafsproblemen stehen.


Tatsächlich wird die Autorität von Kim Jong-un infrage gestellt. Der Hauptgrund ist natürlich die schlechte Wirtschaftslage. Schlimmer noch, es ist unwahrscheinlich, dass es in absehbarer Zeit besser wird. In seinem zehnten Amtsjahr steckt Kims Regime in der Krise und er muss sich anstrengen, um seine Autorität zu wahren. Der neuere Personenkult um den Führer kann in diesem Zusammenhang verstanden werden.


Derzeit gibt es keine klare Lösung für die wirtschaftlichen Probleme Nordkoreas. Da das Land noch keine Impfkampagne begonnen hat, kann es nicht zu einer Entspannung der Coronavirus-Krise übergehen. Selbst wenn Nordkorea seine Grenzen wieder öffnet, wird es noch lange dauern, bis der Grenzhandel wieder so lebhaft wird wie zuvor. Daher ist es unwahrscheinlich, dass die wirtschaftlichen Schwierigkeiten Nordkoreas bald gelöst werden. Ohne eine unerwartete Entscheidung für Impfstoffe oder einen dramatischen Einstellungswandel gegenüber Denuklearisierungsgesprächen wird die Wirtschaftskrise wahrscheinlich noch lange andauern.


Trotz seiner angespannten Wirtschaftslage aufgrund internationaler Sanktionen, Grenzschließungen und Unwettereinbrüchen setzt Nordkorea weiterhin auf nukleare und ballistische Raketentechnologien. Die Frage ist, wie lange seine Bürger Nahrungsmittelknappheit und wirtschaftliche Notlage noch ertragen können.

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