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Glück, Reichtum und Armut

#Musik verbindet l 2019-01-09

Musik verbindet


Der bekannte und pragmatische Gelehrte Jeong Yak-yong정약용 aus der späten Joseon-Zeit sagte einmal, es gebe zwei Arten von Glück. Die eine Art bezieht sich auf Ruhm und Reichtum, ein hohes Amt mit leichtem Zugang zum königlichen Hof sowie das Leben auf einem großen Anwesen mit vielen Dienern. Diese Art von Glück wird als Yeolbok열복 bezeichnet und unterscheidet sich von Cheongbok 청복, das übersetzt etwa „sauberes Glück“ bedeutet. Darunter wird ein einfaches und sorgenfreies Leben in der Abgeschiedenheit der Natur, vorzugsweise in den Bergen, verstanden, das sich in erster Linie um Gedichte, Musik und Gartenarbeit dreht. Welches Leben erscheint Ihnen reizvoller? Einige würden sicher die erste Art von Glück bevorzugen. Man lebt schließlich nur einmal. Warum sollte man da nicht auf großem Fuße leben und es sich gut gehen lassen, wenn es einem an nichts mangelt. Andere wiederum würden nicht abgeneigt sein, ein ruhiges Leben in der Natur zu führen, weit weg von allen Sorgen und Problemen dieser Welt. 


Neben „Cheongbok“ gibt es auch den Begriff „Cheongbin“ 청빈 für selbst gewählte Armut. Nicht aus Mangel an finanziellen Mitteln, sondern aus eigenem Willen hat man sich für ein einfaches und bescheidenes Leben entschieden, fern von allen weltlichen Versuchungen. Der Gelehrte Kim Si-seup aus der Joseon-Zeit beschreibt in einem Gedicht so ein Leben:


Eine kleine Hütte, gebaut an einer Steinmauer,

die gerade mal groß genug für mich ist.

Mein Bett besteht aus herabgefallenem Laub

und tote Äste stützen das Dach,

das aus Kiefernholz besteht.

Mein Herz freut sich, trotz des kleinen Raumes.

Die leuchtenden Wolken werden zum Vorhang

und die grünen Berge zum Stellschirm.


Manche finden Glück und inneren Frieden, selbst wenn sie in einer engen Hütte mit einem Dach voller Löcher leben, während andere ihre Begierden nie stillen können, obwohl ihnen alle Reichtümer dieser Welt zur Verfügung stehen. Nolbo, der ältere Bruder aus dem koreanischen Pansori „Heungboga“ 흥보가 fällt in die letztere Gruppe. Mitleidlos jagt er seinen jüngeren Bruder Heungbo und dessen Familie mitten im Winter aus dem Haus. Der sanftmütige und gutherzige Heungbo wagt es nicht, sich gegen die Entscheidungen seines älteren Bruders aufzulehnen, woraufhin seine Familie für Heungbos Kleinmut den Preis zahlen muss und sich auf der Straße wiederfindet. 


Während der japanischen Kolonialherrschaft waren melodramatische Theaterstücke sehr populär. Die Protagonisten mussten zahlreiche Schwierigkeiten und Mühen überwinden, bevor die Bösewichte ihre gerechte Strafe erhielten und die Hauptdarsteller mit einem Herz aus Gold ihr glückliches Ende fanden. Solche Stücke mit rührseligen Geschichten und klischeehaftem Ende erfreuten sich Anfang des 20. Jahrhunderts großer Beliebtheit. Und auch heute noch sind Geschichten dieser Art angesagt, wie die hohen Quoten der Fernsehseifenopfern zeigen. Eines der bekannteren melodramatischen Theaterstücke ist die Liebesgeschichte zwischen Lee Su-il 이수일 und Sim Sun-ae심순애. Aus dem Stück ist vielen Koreanern der folgende Satz bekannt: „Hat dir Kim Jung-baes Diamant etwa so sehr gefallen?“ Das schleudert der arme Lee Su-il이수일 seiner Freundin Sim Sun-ae entgegen, als sie ihm den Laufpass gibt und sie sich für den reichen Kim Jung-bae entscheidet. Dennoch lässt Su-il nichts unversucht, um seine Geliebte zurückzugewinnen. Doch es ist nicht so leicht, sie von ihrer Entscheidung abzubringen. Am Ende erkennt sie jedoch, dass sie einen Fehler begangen hat, und kehrt zu Su-il, ihrer wahren Liebe, zurück. Der Originaltitel dieser Geschichte lautet „Janghanmong“ 장한몽 und beruht auf einem japanischen Roman, das als Theaterstück und Lied adaptiert wurde. Das Stück spielt am Fluss Daedonggang대동강 in Pjöngjang und so ist uns auch das Lied als eines aus der westlichen Region überliefert. 


Musik

  1. „Schneekönigin“, geschrieben von Shin Hyeon-jeong, dargeboten vom Gugak-Fusion-Ensemble The Forest 눈의 여왕 / 작곡 신현정, 연주 그림
  2. Ausschnitt aus dem Pansori „Heungboga“, gesungen von Oh Jeong-suk 흥보가 중 놀보가 흥보 내쫓는 대목 / 소리 오정숙
  3. „Janghanmong“, gesungen von Oh Bok-nyeo장한몽 / 소리 오복녀

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