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Nordkoreas Machthaber besucht China

#Brennpunkt l 2019-01-10

Schritte zur Wiedervereinigung

© YONHAP News

Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong-un reiste Anfang dieser Woche nach China. Es war sein vierter Besuch im Nachbarland seit seiner Machtübernahme. Der Besuch erfolgte vor dem Hintergrund der Vorbereitungen zu einem zweiten Gipfeltreffen zwischen Kim und US-Präsident Donald Trump. Zum Thema sagt der Experte für internationale Beziehungen an der Handong Global-Universität, Kim Joon-hyung: 


Ich denke, der Besuch diente mehreren Zwecken. Kim reiste nach Peking als Teil der Strategie, vor der möglicherweise entscheidenden Kraftprobe mit Trump die Kommunikation mit China zu verbessern. Auch hofft Nordkorea, ganz allgemein die Unterstützung von China für die Verhandlungen mit den USA zu erhalten. Für Kim ist Chinas Rückendeckung eine Art Versicherung, falls seine Verhandlungen mit Trump scheitern. Nordkorea könnte auch den Verdacht zur Seite schieben wollen, dass China bei den Friedensbemühungen auf der koreanischen Halbinsel abgedrängt wird. Kim besuchte China im vergangenen Jahr dreimal. Ich würde sagen, der jüngste Besuch diente mehr der Kommunikation mit China als der Ausübung von Druck auf die USA. 


Kim war am Dienstag, seinem 35. Geburtstag, mit einem Sonderzug in Peking eingetroffen. Es zeigt die große Bedeutung Chinas für Nordkorea, wenn Kim seine erste Auslandsreise im neuen Jahr in das Nachbarland unternimmt: 


Ich denke, Kim und der chinesische Präsident Xi Jinping tauschten ihre Meinungen über ein weiteres Gipfeltreffen zwischen Pjöngjang und Washington aus. Beide bekräftigten wohl Kims Entschlossenheit zur Denuklearisierung und besprachen mögliche Maßnahmen gegen die USA. Vor 2018 lagen die nordkoreanisch-chinesischen Beziehungen sieben Jahre lang an einem Tiefpunkt. Doch die beiden kommunistischen Verbündeten verbesserten ihr Verhältnis im vergangenen Jahr sehr schnell. 


Nordkorea und China begehen in diesem Jahr den 70. Jahrestag der Aufnahme diplomatischer Beziehungen. Kim und Xi dürften während ihres einstündigen Treffens am Dienstagnachmittag auch über die wirtschaftliche Zusammenarbeit gesprochen haben. Es folgte am Abend ein vierstündiges Begrüßungsessen, bei dem auch Kims Geburtstag gewürdigt wurde. Angesichts der strategischen Zusammenarbeit zwischen Peking und Pjöngjang gehen Beobachter davon aus, dass der Gipfel zwischen Kim und Trump bald stattfinden wird: 


Regierungsbeamte in den USA nannten Ende Januar oder Anfang Februar als möglichen Zeitrahmen für ein neues Gipfeltreffen mit Nordkorea. Auch scheint es Verhandlungen auf Arbeitsebene zu geben. In diesem Kontext deutet Kims jüngster Besuch in China an, dass der zweite Gipfel zwischen Nordkorea und den USA Gestalt annimmt. 


Es gibt aber auch die Befürchtung, dass die Abstimmung Nordkoreas mit China die Vorbereitungen für den Kim-Trump-Gipfel negativ beeinflussen könnte, insofern die USA den Verdacht schöpfen könnten, dass Peking seinen Einfluss auf der koreanischen Halbinsel ausweiten will: 


Es scheint, als ob zahlreiche Strategen in den USA den Besuch des nordkoreanischen Machthabers in China als Versuch sehen, Druck auf Washington auszuüben. Das Wall Street Journal kommentierte, China versuche mit der Einladung Kims seine Position in den Handelsgesprächen mit den USA zu stärken. Die Washington Post vermutete, dass Kim mit seiner überraschenden Visite in China eine verdeckte Warnung an Trump ausgesprochen habe. Jedes Treffen zwischen Nordkorea und China könnte Druck auf die USA bedeuten. 


Chinas Verwicklung in die Gespräche zwischen Nordkorea und den USA könnte die regionale Diplomatie komplizierter machen. Kim könnte für einen Plan B optieren, falls die USA, nicht wie von Nordkorea gefordert, korrespondierende Maßnahmen wie etwa eine Lockerung von Sanktionen ergreifen: 


Wichtig ist, was sich Kim und Trump zu sagen haben, und ob ihre Vereinbarungen unumkehrbar sind. Ich denke, es wird bei nur einem Treffen keinen Fahrplan für die komplette Denuklearisierung Nordkoreas geben. Doch wenn Nordkorea einige entschiedene Maßnahmen ergreift, wie den Abbau eines Teils seiner Atomwaffen, und falls die USA teilweise die Sanktionen gegen Nordkorea lockern, wäre das ein hoffnungsvolles Zeichen. 


Wie sich der jüngste Besuch Kim Jong-uns in China tatsächlich auf die Verhandlungen zwischen Pjöngjang und Washington auswirkt, bleibt vorerst abzuwarten.

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